Fans versus DFB: „Stimmungsboykott“ im Stadion gegen Profitmaximierung des Fußballs geplant

Von 21. September 2018 Aktualisiert: 1. Oktober 2018 10:47
Es grummelt in deutschen Stadien und der Konflikt zwischen den aktiven Fußballfans und Ultras auf der einen, und dem DFB und der DFL auf der anderen Seite scheint sich weiter zu verschärfen.

Bereits Ende August hatten die Fans den Dialog mit den Verbänden gekündigt. Nach einem Jahr und zwei Gesprächen erhärtete sich bei ihnen der Verdacht, dass die Mächtigen der Verbände diese Gespräche nur als „mediales Gesprächsangebot“ nutzen wollten um den Eindruck einer eigentlich garnicht vorhandenen Kompromissbereitschaft zu erwecken.

Neben Kritikpunkten zu den Themen Fanrechte, Sportgerichtsbarkeit, Stadionverboten und Anstosszeiten werfen die aktiven Fußballfans den Funktionären des DFB und der DFL vor allem die totale Kommerzialisierung des Fußballs vor. In einer Stellungnahme der Fans heißt es:

Es manifestierte sich viel mehr der Eindruck, dass der Fußballsport noch weiter seiner sozialen und kulturellen Wurzeln beraubt werden soll, um ihn auf dem Altar der Profitgier von den Verbänden auszunehmen.“

Kein Vokssport mehr

Dabei ist auffällig, dass bei den Verbänden nun schon seit Jahren keiner mehr über den „Volkssport Nummer 1“ in Verbindung mit dem Bundesligafußball redet. Stattdessen werden die Spieltage weiter zerstückelt um im Bezahlfernsehen noch viel mehr Werbung während der Bundesligaspiele verkaufen zu können. Der so nun neu geschaffene „rund um die Uhr Spieltag“ am Wochenende verspricht nun auch noch mehr „rund um die Uhr Werbung“.

Schon lange haben sich dabei die Bezahlsender „das Recht“ erkauft, Spiele nach ihren eigenen Interessen auf verschiedenste Sendezeiten legen lassen zu können um so den größmöglichen Profit aus dem ehemaligen Volkssport pressen zu können.

Dass dabei manche Dauerkarteninhaber ihre teuer erkauften Tickets nicht nutzen können, weil sie durch die neuen (und teilweise ziemlich kurzfristig angesetzen) Anstoßzeiten einfach schlicht und ergreifend nicht ins Stadion gehen können, juckt dabei keinen. Gewinnmaximierung und die damit einhergehende persönliche Bereicherung ist somit zum einzigen Kriterium geworden.

Das nun mittlerweile auch (ehemaligen) Funktionären der Verbände Korruption nachgewiesen werden konnte ist nur ein weiteres Puzzleteilchen in dieser Tragödie des Ausverkaufs des ehemaligen Volkssportes.

Schon längst regiert in den Chefetagen die Besessenheit nach noch mehr Profit. Dabei mutet es auch noch äußerst skuril an, wenn Funktionäre sagen: „wir lassen uns den Fußball nicht [von den Ultras und Fans] kaputt machen“ weil sie damit doch eigentlich meinen: „wir lassen uns [von den Ultras und Fans] unseren Profit nicht kaputt machen.“

Millionen und Milliarden

Im Geschäftsjahr 2016 wurde beim DFB ein Ertrag von 290 Millionen Euro erwirtschaftet und im DFL- Report kann man nachlesen das von den 36 Clubs der 1. und 2. Bundesliga erstmals ein Gesamtumsatz von mehr als vier Milliarden Euro erzielt wurde.

Behält man diese Zahlen im Hinterkopf, erscheint es schon fast rührend, wie aktive Fans und Ultras gehofft haben durch Gespräche und gute Worte eine weitere Kommerzialisierung und den damit verbundenen Ausverkauf der Fußballseele eindämmen zu können.

Wer von den gut verdienenden Funktionären möchten denn wirklich auf Einnahmen verzichten, nur weil ein paar Fans und Ultras sich auf Werte und Traditionen berufen?

Konflikt schwelt weiter

Und so gehen die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Fans und Ultras auf der einen und dem DFB und der DFL auf der anderen Seite am kommenden Wochenende – dem 4. Spieltag – in eine neue Runde. Dabei werden sich die Fans vieler Mannschaften an einem sogenannten zwanzig minütigen „Stimmungsboykott“ beiteiligen um so auf die derzeitigen Missstände aufmerksam zu machen.

Wundern Sie sich als Zuschauer also nicht, wenn es in den Fankurven (denen, die von so manchen Funktionären sowieso nur noch als „Event-begleitende-Fanfolklore“ geduldet werden) am kommenden Wochenende phasenweise recht leise zugehen wird …

Überhaupt ist nicht abzusehen, wie lange kritische Fans in den Stadien noch geduldet werden und wie lange sie ihren Protest gegen die völlige Verramschung des ehemaligen Volkssportes Nummer 1 noch in die Stadien tragen können.

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