Hertha-Stürmer Krzysztof Piatek (l) im Kopfballduell mit dem Hoffenheimer Marco John.Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/dpa

Hoeneß schickt Hertha Richtung Abstiegszone

Epoch Times19. Januar 2021 Aktualisiert: 19. Januar 2021 22:27
Beide Mannschaften waren bislang deutlich unter den Erwartungen geblieben, beide Trainer verspürten durchaus Druck. Nach dem Duell zwischen Hertha BSC und der TSG 1899 Hoffenheim hat sich die Lage für die Berliner und Chefcoach Bruno Labbadia verschärft.

Befreiungsschlag für Sebastian Hoeneß, krasser Rückschlag für Bruno Labbadia: In der Stadt seiner Jugend hat Trainer-Neuling Hoeneß mit dem ersten Sieg des Jahres seinen Posten bei der TSG 1899 Hoffenheim eindrucksvoll gefestigt.

Für seinen Kollegen Labbadia stehen nach dem 3:0 (1:0) der Kraichgauer gegen Hertha BSC in Berlin hingegen richtig schwere Tage bevor.

Sebastian Rudy (33. Minute) und Andrej Kramaric (68./88.) erzielten am Dienstagabend im Olympiastadion die Treffer zum versöhnlichen Hinrunden-Abschluss für Hoffenheim in der Fußball-Bundesliga und beendeten vorerst die Diskussionen um die Trainer-Zukunft von Hoeneß bei der TSG. Torwart Oliver Baumann (11.) parierte einen Foulelfmeter von Hertha-Stürmer Krzysztof Piatek.

Hoffenheim sprang durch den Sieg vorerst auf Platz elf. Bei der Hertha verschärft sich hingegen die Lage nach dem dritten Spiel in Serie ohne Erfolgserlebnis gravierend. Statt in Europacup-Regionen vorzustoßen, beenden die Berliner die erste Halbserie nur wenige Punkte vor der Abstiegszone. Der versprochene Januar-Aufschwung ist verpufft. Zum Rückrundenauftakt gegen Werder Bremen muss Labbadia Punkte liefern. „Wir sind gefordert heute, wir wollen unbedingt den zweiten Heimsieg in diesem Jahr, das würde uns gut tun“, sagte Labbadia kurz vor dem Anpfiff im TV-Sender Sky.

Der unbedingte Wille war den Gastgebern zunächst anzumerken. Die Hertha bestimmte die Anfangsphase, das Bemühen um einen geordneten Spielaufbau war deutlich zu erkennen. Umso bitterer für die Berliner, dass Piatek früh mit dem Elfmeter an Baumann scheiterte. Der Hoffenheimer Torwart unterstrich seinen Ruf als Elfmeter-Killer: Seit Saisonstart 2011/12 hat in der Bundesliga nur der Ex-Leverkusener Bernd Leno mehr Elfmeter (9) gehalten als Baumann (8).

Ob Bluff oder Wunderheilung – überraschend stand Matheus Cunha in der Startelf der Berliner. Tags zuvor hatte Labbadia einen Einsatz des Brasilianers in der Anfangsformation wegen dessen Leistenproblemen noch kategorisch ausgeschlossen. Der 21-Jährige ersetzte im offensiven Mittelfeld Dodi Lukebakio, mit dem Labbadia zuletzt unzufrieden war. Lukebakio wurde in der 60. Minute ebenso wie der 17 Jahre alte Luca Netz eingewechselt. Cunha fing ganz gut an und versuchte, das Spiel der Gastgeber zu beleben und zu inspirieren, leiste sich aber auch die eine oder andere Schwäche wie bei einem Fehlpass auf Hoffenheims Andrej Kramaric, der folgenlos blieb (42.).

„Es wäre natürlich super, wenn wir heute hinten zu Null spielen und vorne eine oder zwei reinmachen würden“, hatte Labbadia gesagt. Die Null stand aber nur für eine halbe Stunde. Bei der ersten Hoffenheimer Chance klärte Niklas Stark noch gut (19.), bei der zweiten sah dann Hertha-Torwart Alexander Schwolow nicht so gut aus.

Maximilian Mittelstädt ließ sich von Christoph Baumgartner düpieren – und Rudy überrumpelte den Berliner Schlussmann mit einem zwar harten, aber nicht unhaltbar platzierten Schuss. Die Führung der Gäste war mindestens so überraschend wie der Startelf-Einsatz von Matheus Cunha. Dass dieser nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, zeigte sich auch an seiner niedrigen Frustrationsschwelle. Eine Entscheidung von Schiedsrichter Harm Osmers kurz vor der Pause quittierte der Brasilianer mit einer Geste des Handschuh-Wegpfefferns.

Doch Hertha hatte nicht nur wegen des Elfmeters die besseren Möglichkeiten – vor allem durch Jhon Cordoba (17./Ball nicht getroffen, 22./Fallrückzieher, 31./Kopfball). „Da hat uns der nötige Killerinstinkt gefehlt. Aus den Chancen muss man dann auch mal ein Tor machen“, sagte Hertha-Sportdirektor Arne Friedrich zur Pause.

Nach dem Wechsel war es zwar erneut Cordoba, der Chance Nummer eins hatte, aber insgesamt war das Auftreten der Berliner zu ideenlos und unkreativ. So sehr Labbadia an der Linie auch gestikulierte, seine Mannschaft schien er nicht so recht zu erreichen. Hoeneß dagegen, der mit 17 Jahren nach Berlin kam, durfte noch über zwei weitere Treffer jubeln, als Kramaric sieben Meter vor dem Tor aus der Drehung traf und kurz vor dem Ende per Freistoß auf 3:0 erhöhte. (dpa)


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