WM-Randerscheinungen: Wo sind denn die Paraguayos?

Von 10. Juni 2006 Aktualisiert: 10. Juni 2006 17:43

Gleich wird das erste WM-Spiel im Frankfurter Waldstadion beginnen, England gegen Paraguay. Aber wo sind die Paraguayos, die ihr Team unterstützen?

Ein silberner Polizei-Hubschrauber steht über dem Main in der Luft, während ich mich am Boden auf die Suche nach Gästen aus dem fernen Südamerika begebe. Ich schlängele mich mit meinem Fahrrad durch unzählige gut gelaunte Fans aus England, die das Mainufer überfluten. Das Mainufer, wo die WM-Übertragung auf riesigen Leinwänden alle die zusammenführt, die keine Karten für das Spiel ergattern konnten oder wollten. Engländer in Hülle und Fülle, dies auch wörtlich zu nehmen, nämlich oft eingewickelt in die Fahnen ihrer Clubs.

Aber wo sind Paraguayos? Aha, endlich eine Gruppe von jungen Männern in rot-weiß gestreiften T-Shirts mit dem Aufdruck Paraguay. Doch sie entpuppen sich als Studenten der Fachhochschule Darmstadt. Sie wissen aber wenigstens, dass doch einige aus Paraguay angereist sind, denn mit denen sind sie seit einem Studentenaustausch befreundet, die Paraguayos haben sogar Eintrittskarten. Die Deutschen waren schon zweimal in Paraguay, und nun werden sie die Freunde zwei Wochen lang durch Deutschland begleiten. Fußball ist eben nicht nur Fußball.

Die falsche Frage

Auch auf der Terrasse der Jugendherberge haben sich Fans postiert, vor sich eine englische Fahne, deren Symbole sie mir bereitwillig erklären. Eins für England, eins für Nottingham, eins heißt „Forest“. Messerscharf schließe ich auf einen Umwelt-Club. Schallendes Gelächter! Sie kommen vom Nottingham Forest Football Club, einem der berühmtesten in England. Er besteht schon seit 1865 und verdankt  seinen Namen einem weitläufigen Wald in der Nähe der Stadt. Wir stellen amüsiert fest, auch Unwissenheit verbindet.

Ein Hauch von Exotik

Die Ära der Bratwürste ist  vorbei. Auf der Fan-Meile am Mainufer ist Exotisches angesagt, brasilianische Caipirinhas oder  cubanische Margaritas (in memoriam Ernest Hemingway), Baba Ganoogh (ägyptische Auberginenpaste), äthiopische Gemüsepfanne, nordafrikanischer  Couscous und auf dem Grill gebratene Sardinen aus Portugal laden Neugierige und Feinschmecker ein. Wem das noch nicht ausgefallen genug ist, der lässt sich neben der Bühne mit Folklore aus Dubai lässig zum Zug aus der dort gebotenen Wasserpfeife nieder, Männlein und Weiblein gleichermaßen. – Ich erinnere mich an das Bild arabischer Männer auf einem Basar in Tunesien: Die Wasserpfeife fast ein Kultgegenstand, dazu ein Glas Tee und die Sicht auf das weite Meer, lebhafte Unterhaltung, ein laufendes Fernsehgerät und doch das Gefühl von Ruhe. – Hier das Vorbeiströmen der Fußballbegeisterten und die unüberhörbare Übertragung des laufenden Fußballspiels. Der Blick fällt auf den Main, wo die Schwäne unberührt ihre Runden ziehen.

Ich bin kein Fußball-Fan.



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