Theresa Stoll im direkten Duell gegen ihre Zwillingsschwester Amelie.Foto: Lau/dpa

Judo-Zwillinge kämpfen um Olympia-Ticket

Epoch Times18. September 2018 Aktualisiert: 18. September 2018 9:48
Sie wohnen zusammen, trainieren zusammen, fahren nun gemeinsam zur Judo-WM nach Baku. Die Zwillingsschwestern Amelie und Theresa Stoll gelten als große Zukunftshoffnungen des deutschen Judos. Den Traum von Olympia 2020 kann sich aber nur eine der beiden erfüllen.

Über ihr großes Dilemma wollen Amelie und Theresa Stoll gar nicht so viel nachdenken. „Klar ist es eine doofe Situation, aber es ist nicht zu ändern“, sagt Amelie über den Konkurrenzkampf der Zwillingsschwestern in der Judo-Qualifikation für Olympia 2020.

„Es ist blöd, dass es am Ende nur eine schaffen kann, aber das ist eine Tatsache und das haben wir akzeptiert“, ergänzt Theresa. Seit 15 Jahren verlaufen die Karrieren der beiden Judo-Talente parallel – zu den Olympischen Spielen in Tokio wird es aber nur eine schaffen.

Die Münchnerinnen kämpfen beide in der Klasse bis 57 Kilogramm – und pro Gewichtsklasse darf aus jeder Nation nur ein Athlet zu Olympia. „Wir versuchen immer beide, das Beste rauszuholen und die Bessere wird es dann machen“, sagt Amelie. Der Sportdirektor des Deutschen Judo-Bundes (DJB), Ruben Goebel, sagt der Deutschen Presse-Agentur: „Die beiden sind sich bewusst, dass nur eine von beiden zu Olympia fahren wird. Amelie weiß, dass Theresa im Moment die Nase vorn hat, aber sie weiß auch, dass sich das schnell ändern kann.“

Der nächste gemeinsame Schritt – bei dem es auch um ordentlich Punkte in der Olympia-Qualifikation geht – ist die am Donnerstag beginnende Judo-Weltmeisterschaft in Baku. „Ich will einfach meine bestmögliche Leistung abrufen“, sagt die Weltranglisten-22. Amelie zu ihrem zweiten WM-Wettkampf nach Platz 17 im vergangenen Jahr. „Im besten Fall peile ich eine Medaille an, aber es hängt einiges vom Los ab.“

Theresa verzichtete 2017 wegen ihres Medizin-Studiums auf die WM. Sie hat sich als Weltranglisten-Vierte in der Weltspitze etabliert und reist als Mitfavoritin zur WM-Premiere. „Wenn ich einen guten Tag habe, traue ich mir alles zu“, sagt die zweimalige EM-Zweite. „Mein Ziel ist es, eine Medaille mit nach Hause zu nehmen.“

Eins wollen die beiden in den WM-Kämpfen am Samstag so lange wie möglich verhindern: Ein direktes Duell. „Das wäre der Worst Case“, sagt Theresa der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist einfach eine dumme Situation, früh gegeneinander zu kämpfen, weil dann eine ausscheiden muss.“ Von den bisherigen fünf direkten Duellen gewann Theresa vier.

So ungern Theresa und Amelie sich in Wettkämpfen gegenüberstehen – in der Trainingshalle sind sie Partnerinnen und auch immer wieder Gegnerinnen. „Wir machen viel Techniktraining zusammen, im Training machen wir immer den ersten Kampf gegeneinander“, berichtet Theresa. Im Alter von acht Jahren begannen beide gemeinsam mit dem Judo. „Es ist interessant, die beiden gegeneinander kämpfen zu sehen. Die haben eine ganz besondere Art“, sagt DJB-Präsident Peter Frese.

Im Training und auch bei Reisen zu Wettkämpfen unterstützen die beiden sich gegenseitig. „Klar profitieren wir voneinander, es ist schön, wenn man jemanden dabei hat, mit dem man sich gut versteht. Wir können uns dann immer gegenseitig pushen“, sagt Amelie. Die Schwestern teilen sich eine Wohnung, die 200 Meter von der Judohalle in München entfernt ist. Zweimal täglich trainieren sie dort.

Dazwischen geht es meist in die Uni. Theresa studiert Medizin, Amelie Sportwissenschaften. Sie hat vor dem Abflug nach Baku am Mittwoch noch ihre Bachelorarbeit abgegeben. Ab Oktober geht es dann mit dem Management-Master in München weiter. Für beide ist klar, dass ein Leben nur im Sport für sie nicht infrage käme. „Man muss ja auch einfach sagen, das man von unserem Sport nicht leben kann, also ohne zweites Standbein ist man da falsch“, sagt Amelie. Theresa ergänzt: „Ich brauche auch noch was für den Kopf. Ich mag die Abwechslung.“

Bislang gelingt es beiden, Leistungssport und Studium zu vereinbaren. Für den großen Traum von Olympia will Theresa ihr Medizin-Studium in den nächsten Jahren aber etwas mehr zurückstellen. „Derzeit bin ich noch halbwegs in der Regelstudienzeit, das wird definitiv nicht so bleiben, aber das ist auch okay“, sagt sie. „Einmal bei Olympia dabei zu sein, das ist sowieso die Grundmotivation, die man hat.“ (dpa)


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