Steht bei Hertha BSC unter Druck: Manager Michael Preetz.Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa/dpa

Mr. Mittelmaß: Passt Preetz noch zu Herthas Ambitionen?

Epoch Times22. Januar 2021 Aktualisiert: 22. Januar 2021 11:17
Michael Preetz gehört zum Inventar von Hertha BSC. Als Manager hat er Höhen und Tiefen verantwortet. Die neueste Berliner Krise könnte eine zu viel sein. Der einstige Torjäger muss sich dem Vorwurf stellen, im eigenen Mittelmaß gefangen zu sein.

Bruno Labbadia krempelte symbolisch die Ärmel hoch. Michael Preetz wirkte neben dem weiter kämpferischen Hertha-Trainer hingegen ziemlich zugeknöpft. Passiv, defensiv, immer relativierend.

So wird der Manager des Berliner Fußball-Bundesligisten inmitten der großen Ergebniskrise wahrgenommen. Auch vor dem möglicherweise für ihn wegweisenden Spiel gegen Werder Bremen am Samstag (18.30 Uhr/Sky) verfing sich der 53-Jährige in mancher Phrase. „Es gibt nicht nur Sonnenschein, auch Schattenseiten“, sagte Preetz. Im Moment braut sich über ihm ein ziemliches Donnerwetter zusammen.

Vor dem Bremen-Spiel wollen Hertha-Fans für seinen Rücktritt und das Ende der Ära von Club-Präsident Werner Gegenbauer demonstrieren. Wie viele blau-weiße Anhänger sich tatsächlich auf dem Olympischen Platz versammeln werden, ist offen. Mehr als 3800 haben die Online-Petition mit dem provokanten Titel „Genug ist genug! 11 Jahre schlechte Arbeit und trotzdem noch im Amt“ in diesem Monat unterzeichnet. Preetz reagierte immerhin souverän auf die von der Hauptstadt-Polizei genehmigte ungewöhnliche Aktion.

„Wer in der Verantwortung steht, muss sich auch Kritik stellen“, sagte der 53-Jährige. Dass jetzt Gegenwind auch aus der Fan-Szene kommt, sollte dem einstigen Top-Angreifer aber zu denken geben. In der treuen Anhängerschaft, die mehr in Vereins-Klischees denn in Investment-Kategorien von Geldgeber Lars Windhorst denkt, hatte Preetz als Traditionalist und Club-Ikone noch viel Rückhalt.

„Der kann sich tatsächlich mit dem Verein identifizieren. Ich kenne den noch als Torschützenkönig, wenn so einer noch beim Verein ist und dieses Amt ausübt, mehr schlecht als recht, zugegebenermaßen, ist es ein Stück weit was Positives“, sagte ein führender Ultra-Vertreter, genannt Kreisel, zum Jahresende in einer ZDF-„Reportage“. Selbiger Kreisel sagte auch, ihm wäre das Verharren auf Platz 9 bis 13 lieber, als eine mit Windhorst-Millionen erkaufte Fußball-Glitzerwelt.

Diese Grauzone ist genau die Region, in der auch Preetz chronisch verortet wird. Mit ihm als Manager schaffte die Hertha zweimal die Qualifikation für die Europa League und stieg zweimal aus der Bundesliga ab. Im Durchschnitt reichte es zu Platz zwölf. Der Spitzname Mr. Mittelmaß steht den Königsklassen-Phantasien von Windhorst entgegen. Das Spannungsfeld zwischen Vereinsführung und Geldgeber ist massiv.

Auf eine „partnerschaftliche Zusammenarbeit“ verweist Preetz stets. Wie ein dröhnender Gegensatz klingt Windhorsts Aussage: „Natürlich komme ich aus einer anderen Welt, als Leute die 20 Jahre in dem Verein sind.“ Preetz ist schon fast 25 Jahre da, in verschiedenen Funktionen. In Präsident Gegenbauer hat er einen Schutzpatron. Dennoch soll der Unternehmer jüngst die Berufung von Carsten Schmidt zum Chef der Geschäftsführung mitbetrieben haben. Bislang konnten Preetz und Finanzboss Ingo Schiller dort recht autark wirken.

Mit Spannung wird erwartet, wie und wann sich der einstige Sky-Chef Schmidt positioniert. Manche sehen in ihm einen verlängerten Arm von Windhorst, der selbst nicht aktiv Vereinspolitik machen kann. Das wäre für Preetz fatal.

Preetz überstand auch die Hertha-Episode unter Jürgen Klinsmann. Als dieser vor einem Jahr erkannte, dass er gegen die Hausmacht der Traditionalisten nicht ankam, floh er wieder nach Kalifornien. Seine später via „Sport Bild“ publik gewordene Hertha-Akte hatte als Kernstück ein vernichtendes Preetz-Urteil. Von „Lügenkultur“ und „katastrophalen Versäumnissen“ war die Rede.

Katastrophale Versäumnisse werfen Preetz nun seine Kritiker bei der Ausgabe des Windhorst-Geldes in dreistelliger Millionen-Höhe vor. Während Lokalrivale Union Berlin als Schnäppchenjäger Richtung Europa marschiert, befindet sich die Hertha als Tabellen-14. nur zwei Punkte vor der Abstiegszone schon wieder im Bundesliga-Existenzkampf. Weitere Investitionen hat Preetz dennoch gestoppt. Der von ihm zusammengestellte teuerste Kader der Club-Historie erweist sich als eine Ansammlung von Durchschnittsware – ganz viel Mittelmaß eben. (dpa)


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