Nürnberg will «letzte Faser» geben – Oral eine «Schlacht»

Für Zweitligist 1. FC Nürnberg geht es in der Relegation um alles. Coach Wiesinger ist mit dem «Club» schon mal in die Drittklassigkeit abgestürzt. So etwas will er nicht noch einmal erleben. Dass er just auf Ingolstadt und Kollege Oral trifft, sorgt für Extra-Würze.
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Will mit Ingolstadt in die 2. Liga zurück: FCI-Coach Tomas Oral.Foto: Stefan Puchner/dpa/dpa
Epoch Times6. Juli 2020

Vor den zwei wichtigsten Spielen der jüngeren Vereinsgeschichte fiebert einer sogar im fernen Südamerika mit dem 1. FC Nürnberg mit.

„Ich bin mir sicher, dass ihr das machen werdet. Auf geht’s, Club! Ich drücke die Daumen aus Argentinien“, sagte FCN-Legende Javier Pinola in einer Grußbotschaft und strich sich mit den Fingern die Clubfarben schwarz und rot ins Gesicht.

Der Abwehr-Altmeister spielte zehn Jahren in Franken. Pinola gewann 2007 mit dem FCN den DFB-Pokal und war bei zwei Relegations- Erfolgen dabei. In einer derart brenzligen Situation aber sah auch er den „Club“ noch nicht.

Im Kampf gegen den ungebremsten Absturz von der ersten in die dritte Liga hoffen die Nürnberger auf jede erdenkliche Unterstützung, und sei sie auch nur moralisch. In der Relegation gegen den FC Ingolstadt soll gleich im Hinspiel am Dienstag (18.15 Uhr/ZDF) ein anderer „Club“ zu sehen sein als in der abgelaufenen Pleite-Saison. „Wir müssen uns aufopfern für den anderen“, sagte Interimscoach Michael Wiesinger im BR-Fernsehen. Er versprach, für ein Happy End alles zu geben, „die letzte Faser, die ich im Körper zur Verfügung habe“.

Die Bilanz spricht für Ingolstadt. In bisher elf Duellen setzte sich gleich achtmal der Drittligist gegen den Zweitligisten durch. Darauf setzt der FCI, der am letzten Drittliga-Spieltag wenige Minuten auf den direkten Aufstieg hoffen konnte, am Schluss aber doch noch von den Würzburger Kickers verdrängt wurde. FCI-Coach Tomas Oral aber glaubt an den Erfolg. „Ich freue mich auf die Schlacht“, sagte er.

Der Ingolstädter Trainer hofft, dass die Nervosität und Unsicherheit beim neunmaligen Meister aus Nürnberg so groß ist, um den Ausschlag zu geben. „Der Drittligist kommt aus einer Siegesserie, hat den Flow, der Teamgeist ist da, und das Wir-Gefühl ist stärker als bei dem Zweitligisten, wo es nur drunter und drüber geht“, sagte Oral. In der vorigen Saison war er mit Ingolstadt in den Playoffs abgestiegen.

Wie man mit dem FCI in der Relegation aufsteigt, das zeigte just Wiesinger als Trainer der Schanzer im Jahr 2010. Deshalb glaubt der Ex-Profi, die Herangehensweise der Oral-Truppe zu kennen, die allerdings fast eine Woche weniger Zeit zur Vorbereitung hatte. „Du darfst nichts unterschätzen“, warnte er. Außerdem muss Wiesinger versuchen, die Köpfe der Nürnberger Spieler frei zu kriegen, um sich „eine positive Stimmung“ zu holen.

Was sonst passiert, das erlebte Wiesinger als Spieler. 1996 stieg der Mittelfeldakteur mit dem FCN in die damalige Regionalliga ab – es war das einzige Mal, dass der Traditionsclub in die Drittklassigkeit durchgereicht worden war. „Das ist schon ein bisschen länger her, aber ich kann mich an die Gefühle und viele Dinge erinnern, wie wir damals in der Kabine damit umgegangen sind“, berichtete Wiesinger.

Der Druck auf die Nürnberger ist riesengroß – lähmen soll er sie nicht. „Du musst es als Mannschaft hinbekommen, diese Partien als riesengroße Chance anzusehen und auf keinen Fall als Belastung, die man jetzt erledigen muss“, sagte der frühere Torhüter Raphael Schäfer der „Bild“-Zeitung. Der Keeper war wie Pinola Teil des Teams der Pokalsieger von 2007. Jetzt braucht der FCN einen ähnlichen Kraftakt. (dpa)



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