Tests für alle Fans? Union Berlin will ab September wieder ein volles Stadion

Epoch Times12. Juli 2020 Aktualisiert: 12. Juli 2020 8:46
Union Berlin will mit Corona-Tests für alle Zuschauer ein komplett gefülltes Stadion ermöglichen. Mit seinem in Deutschland bislang einmaligen Vorhaben sorgt Union für mächtig Wirbel.

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hat Zweifel an der Machbarkeit des Plans von Union Berlin zur Rückkehr der Fans in die Stadien geäußert.

„Weil der Test nur eine Momentaufnahme ist, ist aber nicht ausgeschlossen, dass trotzdem Zuschauer nach 24 Stunden positiv werden und somit andere Zuschauer im Stadion anstecken können“, sagte Schmidt-Chanasit der „Bild am Sonntag“ zum Vorstoß des Fußball-Bundesligisten.

Dieser will mit Corona-Tests für alle Zuschauer ein komplett gefülltes Stadion ermöglichen. Die Bewältigung der Menge von rund 22.000 Tests hält er dagegen für kein Problem.

Tests für Fans?

Klaus-Dieter Zastrow vom Hygieneinstitut Berlin brachte jeweils zwei Tests für Fans vor dem Spiel als eine mögliche sicherere Variante ins Gespräch. „Das wäre grundsätzlich technisch möglich. Mit so getesteten Fans wäre Fußball mit vollem Stadion und Fangesängen auch zu verantworten“, sagte er dem Blatt.

Allerdings hält Zastrow den organisatorischen Aufwand für zu groß. „Allein die Zahl der erforderlichen Tests bringt die Berliner Labors an ihre Grenzen, das ginge nur mit Sonderschichten“, urteilte der Professor.

Mit seinem in Deutschland bislang einmaligen Vorhaben sorgt Union für mächtig Wirbel. Der Club will „spätestens“ ab dem ersten Spieltag der kommenden Saison – also ab Mitte September – wieder eine „Vollauslastung“ seines Stadions erreichen. Dazu soll es umfassende Tests auf SARS-CoV-2 für alle Stadionbesucher geben.

Das Konzept will der Club gemeinsam mit dem Berliner Senat und dem zuständigen Gesundheitsamt des Stadtbezirks Treptow-Köpenick ausarbeiten.

Jeden Zuschauer vorher testen?

Der Berliner CDU-Gesundheitspolitiker Tim-Christopher Zeelen reagierte mit Kopfschütteln auf die Pläne des 1. FC Union. „Ich finde es nahezu grotesk, jeden Zuschauer vorab testen zu lassen“, sagte er dpa.

„Wer soll die Tests durchführen? Wer soll das am Einlass kontrollieren? Alles Fragen, die unbeantwortet bleiben“, so Zeelen. „Deshalb halte ich die Diskussion zu diesem Thema für vollkommen verfrüht.“

Für ihn sei im nächsten Schritt entscheidend, „dass unsere Kinder wieder zurück in die Kitas und Schulen können, und unsere Senioren in den Pflegeeinrichtungen zu schützen.“ Dafür würden die geschaffenen Testkapazitäten gebraucht. „Sie haben in jedem Fall Vorrang vor jeglicher Freizeitaktivität“, betonte Zeelen.

Berlins Sportsenator Andreas Geisel hatte sich offen für die gezeigt. „Wir verstehen Unions Ambitionen“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Wir werden uns zeitnah mit der Vereinsführung treffen, um über das Konzept zu sprechen.“ Der Berliner AfD-Sportexperte Frank Scheermesser erklärte, dass seine Partei die Initiative von Union „ausdrücklich unterstützen“ werde. (dpa)

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