Wie geht’s weiter? DFL-Clubs beraten über Corona-Krise

Der Bundesliga-Fußball ruht in Deutschland bis vorerst Ende April. Doch wie geht danach weiter - kurzfristig, mittelfristig und langfristig? Auf der DFL-Tagung am Dienstag suchen die Vereine nach ersten Antworten auf die Zukunftsfrage.
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Die 36 DFL-Clubs beraten am Dienstag, wie es in der Corona-Krise weitergeht.Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa
Epoch Times30. März 2020

Die erste virtuelle Mitgliederversammlung in der Geschichte der Deutschen Fußball Liga hat existenziellen Charakter.

Wenn sich an diesem Dienstag die Bosse der 36 Profivereine der 1. und 2. Bundesliga mit DFL-Chef Christian Seifert wegen der Coronavirus-Pandemie in einer Videokonferenz zusammenschalten, geht es um nichts weniger als die Bewältigung der größten Krise im deutschen Fußball seit dem Zweiten Weltkrieg. „Ohne die Einnahmen aus TV, Ticketing und Sponsoring sind viele Vereine in akuter Gefahr“, hatte Seifert schon vor zwei Wochen gesagt. Ein düsteres Zukunftsbild.

Bei der Tagung werden die Vereine die vom DFL-Präsidium empfohlene Aussetzung des Spielbetriebs mindestens bis zum 30. April beschließen. Viel wichtiger als dieser formelle Akt – der ohnehin durch die Gesamtlage in Deutschland vorgegeben wird – sind aber andere Kernpunkte, die ausführlich diskutiert werden sollen.

SPIELBETRIEB: Schon jetzt ist klar: Sollte die Saison wie von allen Vereinen erhofft zu Ende gespielt werden können, wird dies nur ohne Zuschauer möglich sein. „Bundesliga mit Publikum und Fans wird mit das Letzte sein, was wir wieder öffnen“, sagte FDP-Chef Christian Lindner am Montag im Talk der „Bild“-Zeitung und bekräftigte die Vorgabe der Politik.

Bleiben also nur Geisterspiele, für die es nach Informationen der „Rheinischen Post“ zwei Szenarien gibt. Plan A sieht vor, dass die neun ausstehenden Spieltage plus das Nachholspiel Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt ab dem frühestmöglichen Termin im Mai in englischen Wochen abgewickelt werden. Der DFB-Pokal (Halbfinale und Finale) könnte im Juni zu Ende gespielt werden.

Aufgrund der ständigen Reisen quer durch Deutschland wären die Profis allerdings einem erhöhten Infektionsrisiko mit dem Erreger Sars-CoV-2 ausgesetzt. Die mögliche Erkrankung einzelner Spieler würde eine Quarantäne für die gesamte Mannschaft nach sich ziehen und das Konstrukt zum Einsturz bringen.

Daher gibt es einen Plan B, der eine Austragung der 82 Bundesligaspiele alle zwei Tage an nur vier Standorten (Norden, Osten, Süden, Westen) vorsieht. Die Teams würden vor Ort in Hotels kaserniert sein. Nachteil: Aufgrund des Pensums bestünde eine erhöhte Verletzungsgefahr.

Im Raum steht zudem eine Ausdehnung der Saison in den Sommer, die UEFA-Boss Aleksander Ceferin ins Spiel gebracht hat. Nicht nur Werder Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry hätte dabei aber Bedenken: „Die Herausforderungen dafür wären vor allem in juristischer Hinsicht verdammt hoch.“

FINANZEN: Das gilt noch viel mehr für die wirtschaftliche Situation der Branche, die bei einem kompletten Abbruch der Saison rund 750 Millionen Euro verlieren würde. Alle Vereine haben daher eine von der DFL geforderte Bestandsaufnahme gemacht. Anhand der aktuellen Kennzahlen ergibt sich ein Gesamtbild, wo die finanzielle Not am größten ist. „Die Liga wird Programme auflegen, die diesen Vereinen helfen“, äußerte Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic unlängst beim Pay-TV-Sender Sky. „Vor allem in der Zweiten Liga sehe ich große Probleme.“

Zu erörtern ist die zentrale Frage, ob und wie der Verteilerschlüssel für die TV-Gelder in der Krise verändert wird. „Es wird definitiv weniger Geld im Umlauf sein. Das alles kann man nur solidarisch lösen“, appellierte Werder-Geschäftsführer Filbry an seine Kollegen.

Die großen Vier – Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen – haben in einer Solidaraktion bereits 20 Millionen Euro zur Unterstützung kleinerer Vereine zur Verfügung gestellt. Doch das wird längst nicht reichen. „Die nächste Saison wird vielleicht noch viel härter, weil wir nicht wissen, wann wieder Zuschauer ins Stadion dürfen“, mutmaßte Bobic. Für ihn gibt es keine Alternative zu einer gemeinschaftlichen Rettungsmission für Vereine, die in Existenznöte geraten: „Wir alle leben von dem Wettbewerb. Keiner will eine Liga mit nur noch zwölf Mannschaften.“

TV-GELDER: Bei dem einen oder anderen Verein könnten sich schon kurzfristig Liquiditätsengpässe ergeben, falls die nächste Tranche der Medienpartner ausbleibt. Dabei geht es immerhin um ein Gesamtvolumen von rund 330 Millionen Euro. Die DFL prüft daher Möglichkeiten einer Zwischenfinanzierung, um einen Crash zu vermeiden.

LIZENZIERUNG: Davon berührt ist auch das Lizenzierungsverfahren. Die Vereine haben ihre Unterlagen schon vor dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie eingereicht. Die DFL wird auf dieser Grundlage prüfen und entscheiden. „Alles andere würde die DFL administrativ auch überfordern“, sagte Filbry.

SOLIDARITÄT: Letztlich geht es auch darum, dass sich der Profi-Fußball in der Krise als Einheit präsentiert. Dass dies nicht immer leicht fällt, zeigt das Beispiel des Mannschaftstrainings. Während 15 Bundesligisten ihre Spieler individuell zu Hause beschäftigen, wird beim FC Augsburg und VfL Wolfsburg sowie seit Montag auch bei Borussia Dortmund in Kleingruppen auf dem Vereinsgelände trainiert. Dies hatte zu Kritik geführt. (dpa)



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