Nicht mehr Hertha-Coach, aber weiter im Fokus: Jürgen Klinsmann.Foto: Britta Pedersen/dpa/dpa

«Zuerst kommt Jürgen»: Klinsmann-Tagebücher als Hertha-Last

Epoch Times27. Februar 2020 Aktualisiert: 27. Februar 2020 13:32
Egoismusvorwürfe gegen Jürgen Klinsmann, der Investor schweigt, Ralf Rangnick sieht sich zu einer Klarstellung genötigt: Die Angriffe in den Protokollen erschüttern Hertha BSC weiter. Dabei suchen die Berliner die nötige Konzentration für den Abstiegskampf.

Die vernichtende Kritik aus den Klinsmann-Tagebüchern wird in den Chaos-Wochen von Hertha BSC zur schweren Last für den Abstiegskampf.

Fast schon flehentlich beschwor der in den Protokollen für den früheren Trainer Jürgen Klinsmann scharf attackierte Manager Michael Preetz die Konzentration auf das direkte Duell bei Fortuna Düsseldorf. „Wir wollen versuchen, den Spagat hinzukriegen, den Fokus auf das schwere Auswärtsspiel zu richten“, sagte der Geschäftsführer vor der Partie am Freitagabend (20.30 Uhr/DAZN).

Doch auch mehr als zwei Wochen nach dem völlig überraschenden Rücktritt von Klinsmann dreht sich beim Berliner Fußball-Bundesligisten alles wieder um den Ex-Bundestrainer. Lothar Matthäus unterstellte seinem früheren Mitspieler aufgrund der an die Öffentlichkeit geratenen Aufzeichnungen Egoismus. „Er ist eben, wie er ist. Zuerst kommt Jürgen, dann Jürgen, dann nochmal Jürgen und dann der Rest. Er sucht keine Schuld bei sich, sondern nur bei den anderen“, sagte der Rekord-Nationalspieler bei Sky.

Investor Lars Windhorst, der seinem einstigen Vertrauensmann zuletzt mit deutlichen Worten die Rückkehr in den Hertha-Aufsichtsrat versagt hatte, hüllte sich am Donnerstag auf Anfrage in Schweigen. Nach dem Knall beim Klinsmann-Aus als Trainer hatte der Geldgeber noch demonstrativ den Schulterschluss mit Preetz und Hertha-Präsident Werner Gegenbauer geübt. Die in den Protokollen erhobenen Vorwürfe klassifizierte Gegenbauer nun pauschal in einem Brief an die Mitglieder als „falsch oder einfach nur unsinnig“.

Ralf Rangnick sah sich zumindest zu einer Klarstellung genötigt. Nach Kontaktaufnahme durch Klinsmann sei Preetz nicht der Grund gewesen, warum er Hertha im vergangenen Herbst abgesagt habe, ließ der Ex-Bundesligatrainer ausrichten. Rangnick habe auf seinen laufenden Vertrag bei RB Leipzig verwiesen, sagte Marc Kosicke der „Bild“.

„In keiner Weise hat Ralf davon gesprochen, dass er ein Engagement ausschließt, weil Michael Preetz dort Geschäftsführer Sport ist und damit sein Vorgesetzter wäre.“ In dem durch die „Sport Bild“ veröffentlichten Protokoll hieß es, dass Rangnick mitgeteilt hätte, dass er mit Preetz als seinem Vorgesetzten nicht kommen werde. Der Manager befindet sich für kommende Saison erneut auf Trainersuche.

Nicht nur die Abrechnung mit Preetz, dem in dem 22-seitigen Papier unter anderem „jahrelange katastrophale Versäumnisse“ und „katastrophale aktuelle Kaderplanung“ vorgeworfen werden, sowie der gesamten Club-Spitze („keine Leistungskultur“, „Lügenkultur“) hallen nach. Auch die Spieler dürften die teils harschen Urteile über sie vernommen haben.

Klinsmanns früherer Assistent Alexander Nouri setzt auch deshalb auf eine Trotzreaktion. Man hoffe auf „Geschlossenheit und Spirit“ und „dass uns das ein stückweit noch mehr vereint“, sagte der Klinsmann-Nachfolger. Beim 2:1-Sieg beim Schlusslicht SC Paderborn vor zwei Wochen hatte sich sein Team vom Wirbel um den Klinsmann-Abgang zunächst weitgehend unbeeindruckt gezeigt, leistete sich dann durch das 0:5 gegen den 1. FC Köln aber einen fußballerischen Offenbarungseid.

Schon mit diesem desaströsen Auftritt war die Stimmung bei Hertha eigentlich am Tiefpunkt angekommen. Sollte auf das nächste Nachbeben der Kurzzeit-Ära von Klinsmann nun der neuerliche sportliche Absturz folgen, wäre der Vorsprung auf den derzeitigen Tabellen-16. aus Düsseldorf auf nur noch drei Punkte geschrumpft. „Wir wollen die Hertha unbedingt mit unten reinziehen“, betonte Fortuna-Coach Uwe Rösler deshalb. Die neuen Schlagzeilen abseits des Platzes bei Hertha ließ Düsseldorfs neuer Trainer unkommentiert – zur Ruhe kommen dürften die Berliner dadurch aber noch lange nicht. (dpa)


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