Anonymität im Internet: Anwendungen und Grenzen eines VPN

Epoch Times15. Januar 2020 Aktualisiert: 12. August 2020 11:02
Spätestens seit der Vorratsdatenspeicherung ist Datenschutz nicht mehr nur ein Thema für Firmen mit sensiblen Daten, sondern für jeden Internetnutzer. Virtuelle private Netzwerke (VPN) können helfen, anonym im Internet zu surfen – wenn Nutzer wissen, wo ihre Grenzen liegen.

Hier etwas googeln, da den Fahrplan checken, die Firmen-E-Mails abrufen oder auf Facebook etwas liken – das Internet ist allgegenwärtig und mit ihm unzählige Gefahren. Ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) kann Ihnen helfen, Ihre Daten zu schützen. Alles, was sie dafür brauchen, ist die passende Software – und etwas Wissen über die Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen der Technik.

Stark vereinfacht dargestellt ist ein VPN nichts anders als ein Tunnel ins Internet, der eine gewisse Anonymität bietet. Durch den Tunnel sehen Webseiten nicht mehr, wo man herkommt oder wer man ist und so können Nutzer beispielsweise Geoblocking oder lästige Werbung umgehen. Noch einfacher: Zwischen zwei VPN-Knoten wird das Internet auf die Datenübertragung, auf die Funktionen eines LAN-Kabels beschränkt.

Ein virtuelles privates Netzwerk erfordert jedoch keine besondere Hardware, Ihr Smartphone, Computer oder andere Internet-fähige Geräte reichen vollkommen aus. Es ist lediglich eine Software nötig, die die VPN-Verbindung herstellt. Meist genügt ein leicht modifizierter Webbrowser – Opera hat diese Funktion bereits integriert – um eine anonymisierte Verbindung ins Internet herzustellen.

VPN: Ein Tunnel ins Internet

Wenn Sie direkt von Ihrem Gerät im Internet surfen, erhalten verschiedene Stellen bestimmte Daten: Ihre IP-Adresse, Betriebssystem, Größe des Bildschirms, etc. Diese  Daten sind notwendig, damit die aufgerufene Seite auf Ihrem Gerät richtig angezeigt wird. Auch bei der Verbindung über VPN sendet Ihr Gerät all diese Daten, doch die laden zuerst durch den Tunnel bei einem VPN-Anbieter.

In diesem Tunnel ersetzt der Anbieter Ihre Daten mit seinen Daten, sodass Webseitenbetreiber nicht mehr wissen, wer hinter der Anfrage an ihre Seite steckt. Die Webseite wird dann an den VPN-Anbieter geschickt, der sie Ihnen durch den Tunnel weiterleitet. Diesen Tunnel – dazu später mehr – kann man von außen nicht einsehen, sodass niemand weiß, wer sie sind.

Diese Anonymität erschwert es Werbetreibenden erheblich, Sie mit gezielter Werbung voll zu spammen – egal ob Sie kürzlich etwas auf Amazon gekauft oder nach einer Reise im Internet gesucht haben.

Anwendungsmöglichkeiten von VPN

Die Hauptaufgabe eines VPN ist, Ihre IP-Adresse zu verschleiern, sodass sowohl Ihr Standort, Ihre Gerätedaten oder Ihr Verlauf nicht direkt mit Ihnen verknüpft werden kann. So kann Ihr Internetanbieter nicht sehen, was sie machen und beispielsweise Ihre Bandbreite drosseln, wenn Sie zu viel streamen oder herunterladen. Das Datenlimit Ihres Vertrages bleibt jedoch bestehen.

Außerdem ermöglicht VPN die sichere Nutzung öffentlicher WLAN-Netzwerke und verhindert, dass andere Nutzer sehen können, was Sie tun oder welche Seiten Sie besuchen.

Durch das Ersetzen Ihrer IP-Adresse ist es zudem möglich, für Sie oder Ihren Standort blockierte Webseiten zu besuchen. Damit können Sie zum Beispiel Inhalte, „die nur in den USA verfügbar“ sind, auch aus Deutschland erreichen, wenn die angefragte Webseite glaubt, die Anfrage kommt aus den USA. Das tut sie auch, nur werden die Daten dann an sie weiter „getunnelt“.

Auf dieselbe Art und Weise kann man seinen eigenen Standort verschleiern und durch den des VPN-Anbieters ersetzten. Dies ist zwar meist nicht ausdrücklich verboten, muss aber vom Anbieter nicht geduldet werden und führt im schlimmsten Fall zur Kündigung des VPN-Services.

Grenzen und Alternativen

Um die Sicherheit weiter zu erhöhen, können VPN-Verbindungen verschlüsselt werden, dennoch ist es möglich anhand der Größe der Datenpakete Rückschlüsse auf den Inhalt zu ziehen. Datenpakete mit Streaming-Inhalten sind zum Beispiel deutlich größer als Text-Daten. Der „Tunnel“ ist also eher eine Milchglasröhre, in der man zumindest Umrisse erkennen kann.

Daraus folgt auch, dass ein VPN keine 100-prozentige Sicherheit oder Anonymität bieten kann. Es ist für andere zwar deutlich schwieriger Sie zu verfolgen, aber es ist möglich. Außerdem müssen Sie sich bewusst sein, das Ihre Aktivitäten im Internet selbst auf Sie schließen lassen. Wer ein VPN nutzt, um ständig auf Facebook zu posten, ist fast genauso durchsichtig, wie jemand ohne VPN.

Selbstverständlich gibt es Alternativen zu (kostenfreien) VPN-Anbietern. Im Allgemeinen gilt aber, je größer der Aufwand zur Verschleierung, desto langsamer wird die Internetverbindung, da die Daten über mehrere Stationen umgeleitet werden. Auch der Tor-Browser nutzt eine, beziehungsweise mehrere VPN-Verbindungen, um Daten über verschiedene Server umzuleiten, doch auch das ist nur unwahrscheinlich kompliziert nachzuvollziehen. Die einzige echte Möglichkeit im Netz gar keine Spuren zu hinterlassen, ist das Internet zu meiden.

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