Deutsche Wirtschaft beklagt: DSGVO hat Verwirrung, Unsicherheit und hohe Kosten gebracht

"Die DSGVO ist wie die Büchse der Pandora - alles, was sie gebracht hat, ist Verwirrung und Unsicherheit auf Seiten der Unternehmen", sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, dem "Handelsblatt".
Titelbild
Bei einem Treffen (von links): Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Hans Peter Wollseifer; Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Eric Schweitzer, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Dieter Kempf Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).Foto: CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images
Epoch Times21. Mai 2019

Auch ein Jahr nach Inkrafttreten der europaweit einheitlichen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) tun sich Unternehmen in Deutschland weiter schwer mit den Regeln. „Die DSGVO ist wie die Büchse der Pandora – alles, was sie gebracht hat, ist Verwirrung und Unsicherheit auf Seiten der Unternehmen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, dem „Handelsblatt“. Unzählige unbeantwortete Fragen lägen weiterhin stapelweise auf den Schreibtischen der Aufsichtsbehörden.

„Die Rechtsunsicherheit für Unternehmen ist enorm“, so Kampeter. Wer im globalen Wettbewerb bestehen will, müsse aber schnell agieren. „Undurchsichtige Regelwerke wie die DSGVO schränken Unternehmen in ihrer Handlungsfreiheit ein und sind kontraproduktiv.“ Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zog anlässlich des bevorstehenden Jahrestags der DSGVO am 25. Mai eine ernüchternde Bilanz.

BDI: „DSGVO könnte sich zu einem weltweiten Standard entwickeln – ist aber teuer für die Unternehmen“

Das neue Regelwerk lege zwar den Grundstein für einen gemeinsamen Markt in der EU. „Sie hat das Zeug, sich zu einem weltweiten Standard zu entwickeln“, sagte Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, dem „Handelsblatt“. Die DSGVO sei aber teuer für die Unternehmen. „Sie greift mit umfassenden Dokumentations- und Informationspflichten oder Datenschutz-Folgenabschätzungen tief in Unternehmensprozesse ein“, bemängelte Plöger. Dass es „vielfach“ noch keine Rechtssicherheit gebe, zeige der massive Anstieg der Beratungsanfragen bei den Aufsichtsbehörden.

Datenschutz in der EU darf kein Standortnachteil werden“, warnte die BDI-Expertin.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht sich in seinen Vorbehalten gegen die Vorschriften bestätigt. „Die DSGVO ist das befürchtete Bürokratiemonster geworden“, sagte DIHK-Chefjustiziar Stephan Wernicke dem „Handelsblatt“. Der DIHK hat gemeinsam mit den IHKs im April dieses Jahres eine Umfrage unter 4.500 Unternehmen durchgeführt, um die aktuellen Probleme der Praxis festzustellen. Nach einer ersten Auswertung lasse sich sagen, so Wernicke: „An der durch die DSGVO geschaffenen Rechtsunsicherheit hat sich auch ein Jahr nach Inkrafttreten nichts geändert.“

Präsident der Familienunternehmer: „Nicht jedes Unternehmen ist ein Datenkrake“

Reinhold von Eben-Worlée, Präsident der Familienunternehmer forderte als Konsequenz ein Datenschutzrecht, welches die Verhältnismäßigkeit wahrt – „denn nicht jedes Unternehmen ist ein Datenkrake“, sagte von Eben-Worlée der Zeitung. Daher müsse die Bändigung der Plattform-Ökonomie richtig adressiert werden.

Sie [die DSGVO] darf nicht dazu führen, dass mittelständische, familiengeführte Unternehmen genau wie die Datengiganten Amazon und Co. behandelt werden“, so Eben-Worlée

Daher sollten Unternehmen mit beispielsweise weniger als 50.000 Datensätzen aus dem Anwendungsbereich der DSGVO herausgenommen werden, schlägt der Verbands-Präsident vor. Zudem plädiert von Eben-Worlée für eine längere Schonfrist für kleine und mittlere Unternehmen. Wenigstens bei Bagatellverstößen sollte eine erste Ermahnung durch die Aufsichtsbehörden bußgeldfrei bleiben. „Dies auch, um Abmahnvereinen nicht den roten Teppich auszurollen.“ (dts)



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion