Treibstoff für den BMW Hydrogen 7: eine öffentliche Wasserstoff-Tankstelle in Berlin (© BMW AG, München)

Wasserstoffantrieb auf Knopfdruck

Von 1. September 2007 Aktualisiert: 1. September 2007 12:55
Das erste Serienfahrzeug mit Verbrennungsmotor für Wasserstoff und Benzin.

Weltweit gehen rund sechs Prozent der Treibhausgasemissionen auf das Konto von PKW. Da aber kaum jemand auf die automobile Freiheit verzichten will, arbeiten Autohersteller mit Hochdruck an einer klimaschonenden Lösung für den Individualverkehr.

Wasserstoff ist nach Meinung führender Wissenschaftler der einzige Energieträger, der langfristig fossile Kraftstoffe wie Benzin oder Diesel im Straßenverkehr ersetzen kann. Er ist als häufigster Stoff im Universum nahezu unbegrenzt verfügbar und ist als Bestandteil von Wasser in fast allen organischen Verbindungen enthalten. Zwar wird Wasserstoff heute noch zu 95 Prozent aus fossilen Energieträgern gewonnen, doch – eine entsprechende Nachfrage vorausgesetzt – könnte man ihn auch mit Wind- und Sonnenkraft herstellen.

Die Limousine „Hydrogen 7“ des bayerischen Autoherstellers BMW AG nutzt das energiereiche Element in flüssiger Form in einem Verbrennungsmotor. Als weltweit erstes Fahrzeug seiner Art hat die Limousine den Prozess einer Serienentwicklung durchlaufen. 100 Limousinen werden bereits heute im Alltagsbetrieb von Kunden gefahren. Damit sind sie einige Jahre näher an der Marktreife als Brennstoffzellenfahrzeuge, die Wasserstoff in Strom umwandeln.

Flüssiger Wasserstoff hat viele Vorteile: „Wasser ist als Teil des natürlichen biologischen Kreislaufs umweltverträglich, regenerativ erzeugter Wasserstoff ist die alternative Antriebsenergie der Zukunft. Sie ist in großen Mengen erzeugbar und bei der Verbrennung entsteht praktisch nur Wasserdampf“, sagt Daniel Kammerer, Leiter des Referates Alternative Antriebe in der BMW-Kommunikationsabteilung.

In flüssiger Form erreicht Wasserstoff seine höchste Energiedichte. Damit erzielen die BMW-Ingenieure die höchste Reichweite für den Hydrogen 7. Das Element verwandelt sich jedoch unter Umgebungsdruck erst bei einer Temperatur von minus 253 Grad Celsius in eine Flüssigkeit. Um dieses Problem zu lösen, entwickelte BMW einen doppelwandigen Tank. Seine Wände bestehen aus jeweils nur zwei Millimeter dünnem Edelstahl. Dazwischen befindet sich eine 30 Millimeter dicke Spezialschicht, die so gut isoliert wie 17 Meter Styropor. „Heißer Kaffee wäre darin erst nach 80 Tagen auf Trinktemperatur abgekühlt“, sagt Kammerer.

Der Hydrogen 7 ist mit einem „bivalenten“ Motor ausgerüstet und damit nicht auf ein enges Netz von Wasserstofftankstellen angewiesen: Er kann sowohl flüssigen Wasserstoff als auch Benzin verbrennen. Ein Druck auf die H2-Taste im Lenkrad genügt, um dem Motor den Wechsel des Antriebsmittels zu signalisieren. Vom Antriebswechsel merkt der Fahrer nicht viel: Auch im H2-Modus bringt der Motor eine Leistung von 260 PS, beschleunigt die Limousine in 9,5 Sekunden von null auf 100 Kilometer pro Stunde und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h.

Der Zwölfzylinder kommt insgesamt auf eine alltagstaugliche Reichweite von mehr als 700 Kilometern, davon 200 Kilometer im Wasserstoffbetrieb. Eine flächendeckende Versorgung mit dem neuen Treibstoff ist derzeit zwar noch eine Vision, das technische und logistische Know-how ist jedoch bereits vorhanden: Gemeinsam mit Partnern demonstriert BMW den Alltagseinsatz im Projekt „Clean Energy Partnership“ mit vier Wasserstofftankstellen in Berlin und München.

Wasserstoff als alternative Antriebsquelle ermöglicht es, mobil zu bleiben, ohne die Erdatmosphäre zu beschädigen. BMW arbeitet bereits an einem Antriebsstrang, der ausschließlich mit Wasserstoff betrieben wird, basierend auf effizienteren und gleichzeitig deutlich leistungsfähigeren Verbrennungsmotoren.

(dpa) 

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www.bmwgroup.com/scienceclub


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