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Bildung in der Corona-Krise: Ghostwriter als „Retter in der Not“?

Epoch Times29. September 2020 Aktualisiert: 29. September 2020 11:07
Mehr als zwei Millionen Studierende in Deutschland „besuchen“ ihre Universität seit dem Frühjahr 2020 meist virtuell. Doch das Büffeln im Homeoffice scheint nicht immer reibungslos abzulaufen: Es häufen sich die Berichte von technischen Tücken, von Chaos bei der Abwicklung von Prüfungen und von Professoren, die keine Kapazitäten mehr haben.

Den Studierenden selbst fehlt es zudem an direkten Austauschmöglichkeiten mit Kommilitoninnen und vielen droht, dass sie den Anschluss verlieren. Laut einer Umfrage unter Berliner Studierenden denken bereits 30 Prozent über einen vorzeitigen Abbruch des Studiums nach.

Parallel dazu ist ein nie dagewesener Aufschwung in Deutschlands lebendiger Ghostwriter-Branche zu beobachten, die Studenten schon seit Jahrzehnten mit akademischen Autoren und Coaches zur Seite steht: „Einen so großen Anstieg der Nachfrage hat uns nicht einmal der Bologna-Prozess beschert. Man könnte fast meinen, ohne Ressourcen aus dem Privatsektor wäre der Universitätsbetrieb noch in viel größeren Schwierigkeiten“, so Dr. Thomas Nemet, CEO der Ghostwriter-Agentur ACAD WRITE. Seine Ghostwriter springen dann ein, wenn sich jemand im Studium überfordert fühlt. Seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie ist das verstärkt der Fall.

Auch die Kundenwünsche haben sich geändert. Früher beschränkte sich die Nachfrage hauptsächlich auf das Schreiben und Recherchieren von wissenschaftlichen Arbeiten. Mittlerweile steigt auch der Bedarf für Coaching-Stunden zur Klausurvorbereitung, Hilfe bei Literaturreviews und für gezielte Trainingseinheiten im akademischen Schreiben. Zudem verzeichnet auch der Ratgeberbereich auf der Website von ACAD WRITE, in dem Studenten praktische Anleitungen für unterschiedliche Angelegenheiten des akademischen Arbeitens finden, immer mehr Zugriffe.

„Plötzlich wird den Studierenden bewusst, da gibt es einen riesigen Pool exzellenter Wissenschaftler, mit denen ich mich unterhalten kann, wozu der Prof. auf Zoom nie Zeit hätte. Und es führt zu echten Resultaten“, so Dr. Nemet.

Ist Schummeln im Studium also zum Mainstream geworden?

„So kann man das nicht sehen“, erklärt der Ghostwriter. „Ich würde eher sagen: Es ist die Scheu gefallen, sich die Hilfe zu holen, die man braucht, um das zu erreichen, was man sich wünscht.“

ACAD WRITE bietet seinen Klienten an, eine wissenschaftliche Arbeit zu einem bestimmten Thema zu verfassen. Die Klienten werden darauf hingewiesen, dass es nicht in Ordnung ist, diese Arbeit später als die eigene auszugeben. Was dann tatsächlich damit passiert, ist wiederum nicht die Angelegenheit von ACAD WRITE. Das Coaching-Angebot, bei dem die Ghostwriter mit den Klienten sprechen, anstatt für sie zu schreiben, ist für Ghostwriter wie Klient rechtlich vollkommen unverfänglich. Die akademischen Experten sehen sich dabei den aktuellen Stand der Arbeit an und geben konkrete Verbesserungstipps. Gerade dieser Teil des Geschäfts erlebt seit Beginn der Corona-Krise erheblichen Aufschwung.

In gewisser Weise springt Dr. Nemets Agentur genau da ein, wo die Universitäten gerade scheitern: dabei, den Studierenden das Gefühl zu vermitteln, dass sie mit ihren Aufgaben, Deadlines, Unsicherheiten und Ängsten nicht allein gelassen werden, auch wenn die Hörsäle leer sind.

Die meisten Neukunden von ACAD WRITE suchen nicht nach einem Weg, sich das Studium einfacher zu machen. Sie möchten nur nicht den Anschluss verlieren. Bei den Ghostwritern holen sie sich die Unterstützung und das Fachwissen, um überhaupt die Fähigkeiten zu entwickeln, die notwendig sind, um Schritt zu halten. Das Schummeln an sich sei die Intention der allerwenigsten, versichert uns Dr. Nemet. „Klar, manche hätten am liebsten, dass der Ghostwriter gleich die Onlineklausur für sie ablegt“, verrät er uns. „Was wir anbieten können, ist: Wir bringen dich in wenigen Tagen so weit, dass du die Klausur selbst schaffst. Und das ist doch auch nicht so schlecht!“


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