Es ist egal, wer den Fallschirm hergestellt hat, man wird sicher landen.Foto: iStock

Deutsche Glücksspiel- und Casino-Lizenzen: Ein sehr komplizierter Fallschirm

Epoch Times5. August 2021 Aktualisiert: 5. August 2021 14:03
Online-Casinos und -Spielautomaten in Deutschland befanden sich lange in einer rechtlichen Grauzone. Seit Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags am 1. Juli 2021 sind auch deutsche Casino-Lizenzen möglich. In Verbindung damit stehen im Vorzeigeland der Normung und Vorschriften jedoch strikte Regeln, auch dafür, wie viel man gewinnen darf.

Mit Inkrafttreten des „Staatsvertrag zur Neuregulierung des Glücksspielwesens in Deutschland“ (pdf) Anfang Juli 2021, können – und sollen – Online-Casinos auch deutsche Lizenzen beantragen.

Nicht zuletzt erhofft sich der Gesetzgeber auch finanzielle Vorteile aus der Legalisierung von Online-Casinos und -Wettanbieter. Die Wettsteuer beträgt derzeit zwar „nur“ fünf Prozent, dennoch ist damit zu rechnen, dass sich die zusätzlichen Einnahmen aus deutschen Casinos auf einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag belaufen.

Mit den deutschen Lizenzen verbunden sind eine ganze Reihe von Regelungen zum Schutz der Spieler, aber auch solche, die „alte Hasen“ abschrecken können. Denn auch wie viel man gewinnen darf, ist im Vorzeigeland der Normung und Vorschriften gesetzlich geregelt. Bereits jetzt gibt es daher Anbieter, die Online-Casinos ohne deutsche Lizenz – und ohne die strengen, 70-seitigen  deutschen Richtlinien – betreiben. Ob das legal ist? Jein!

Es ist kompliziert. Aber anders.

Die bisherige Regelung erlaubte den Bundesländern eigene Gesetze und Regeln für Casino- und Glücksspielanbieter festzulegen. Wirklich Gebrauch davon hatte jedoch nur Schleswig-Holstein gemacht. Das heiß aber nicht, dass in den anderen Bundesländern nicht gespielt werden durfte. Einige Lizenzen aus der ehemaligen DDR oder Lizenzen aus anderen Mitgliedsstaaten der EU existieren und sind heute noch gültig sind.

Doch nun gibt es einheitliche – und unbegrenzt viele – deutsche Lizenzen, die jedoch mit einschneidenden Regeln einhergehen. Wer in Deutschland mit einer deutschen Lizenz spielen will, muss sich an sie halten. Ergänzend zum Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) müssen in Deutschland außerdem die Regelungen der „Verordnung über Spielgeräte und andere Spiele mit Gewinnmöglichkeit“ (Spieleverordnung, SpielV) beachtet werden. Darin heißt es unter anderem:

„Ein Spielgerät, bei dem der Gewinn in Geld besteht (Geldspielgerät), […] darf nicht aufgestellt werden in (1) Betrieben auf Volksfesten, Schützenfesten oder ähnlichen Veranstaltungen, Jahrmärkten oder Spezialmärkten, (2) Trinkhallen, Speiseeiswirtschaften, Milchstuben, Betrieben, in denen die Verabreichung von Speisen oder Getränken nur eine untergeordnete Rolle spielt, (3) Schank- oder Speisewirtschaften oder Beherbergungsbetrieben, die sich auf Sportplätzen, in Sporthallen, Tanzschulen, Badeanstalten, Sport- oder Jugendheimen oder Jugendherbergen befinden, oder in anderen Schank- oder Speisewirtschaften oder Beherbergungsbetrieben, die ihrer Art nach oder tatsächlich vorwiegend von Kindern oder Jugendlichen besucht werden oder (4) Betriebsformen, die unter Betriebe im Sinne von § 2 Absatz 2 des Gaststättengesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 20. November 1998 (BGBl. I S. 3418), das zuletzt durch Artikel 10 des Gesetzes vom 7. September 2007 (BGBl. I S. 2246) geändert worden ist, fallen.“

Die Liste, wo „Geldspielgeräte“ aufgestellt werden dürfen, ist nicht einmal halb so lang.

Keine Rücksicht auf Highroller

Ähnliche komplexe Regelungen gelten für Einsatz, Gewinn und Verlust, sowie Pausenzeiten. Der Gewinn richtet sich dabei nach Einsatz und Spielzeit und darf maximal das Zehnfache des Einsatzes betragen. Nach einer Stunde muss „eine Spielpause von mindestens fünf Minuten“ einlegt werden (§13 6. SpielV). Nach drei Stunden muss der Betreiber den Geldspeicher leeren und „aller Anzeigeelemente auf die vordefinierten Anfangswerte“ zurücksetzten.

Vorausgesetzt man könnte eine Stunde lange alle fünf Sekunden spielen und gewinnen – das ist die Mindestdauer eines Spiels –, summieren sich die maximalen Auszahlungen aller Einzelspiele auf 1440 Euro bei 144 Euro Einsatz. Rechnerischer Gewinn pro Stunde: 1.296 Euro.

Das Gesetz schiebt jedoch schon eher einen Riegel vor und limitiert den stündlichen Gewinn auf 400 Euro. Im Gegenzug begrenzt das Gesetz auch den maximalen Verlust, (Einsatz minus Gewinn), auf 60 Euro pro Stunde. Wer nur verliert, muss somit nach 25 bis knapp 40 Minuten – je nach Spieldauer und Einsatz – aufhören und den Rest der Stunde etwas anderes tun.

Casino-Lizenzen als Fallschirm

Diese Beschränkungen nehmen vielen Spielen den Nervenkitzel und damit den Spielern den Anreiz. Konnte ein Spieler, der den Jackpot knackte, früher zum Millionär werden, muss man heute eher mit Verlusten rechnen. Zu gering ist der Maximalgewinn. Die Wahrscheinlichkeit nach 60 Spielen überhaupt einen Gewinn in der Tasche zu haben, liegt bei unter zwei Prozent.

Wer dennoch mehr Geld gewinnen möchte und dafür größer Verluste in Kauf nehmen will – und kann – wird sich wohl auch in Zukunft an Anbieter ohne deutsche Lizenz halten. Das ist legal, solange das Casino eine andere in der EU gültige Lizenz besitzt. Ein Punkt auf den Spieler unbedingt achten sollten, denn bei Anbietern ohne Lizenz ist nicht nur das Risiko größer, an einen Betrüger zu geraten. Da das Spielen in einem Casino ohne Lizenz tatsächlich illegal und strafbar ist, kann es auch passieren, dass ausgezahlt Gewinne komplett vom Zoll konfisziert werden. Auch, wenn sie in die Millionen gehen sollten.

Eine (ausländische) Lizenz hat zudem zum Vorteil, dass Spielmechanismen oder -software regelmäßig geprüft werden und gewisse Standards erfüllen. Man könnte es ein bisschen mit einem Fallschirm vergleichen: Es ist egal, wer ihn hergestellt hat, mit Fallschirm landet man sicher, egal, ob in Deutschland, Malta, Gibraltar oder der Isle of Man.



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