Die sechs hartnäckigsten Glücksspiel-Mythen „einarmiger Banditen“

Epoch Times4. September 2019 Aktualisiert: 4. September 2019 10:28
Manche Mythen halten sich über Jahrhunderte: Atlantis, das Bernsteinzimmer oder auch, dass ein Casino-Jackpot nie zweimal nacheinander gewonnen werden kann. Die Mathematik beweist jedoch, dass zumindest das Letztere falsch ist.

Egal ob online oder in Monte Carlo, das Glücksspiel zieht seit Jahrhunderten Menschen in ihren Bann. Nicht ohne Grund, denn neben der oft illustren Gesellschaft locken millionenschwere Gewinne. Nicht nur um das Casino in Monaco ranken sich unzählige Mythen, auch der „einarmige Bandit“, diente neben seiner Vergangenheit als Kaugummiautomat, als Grundlage unzähliger (Halb-)Wahrheiten.

Obwohl Black Jack oder Roulette oft bekannter sind und in Filmen wie Casino Royal spektakulär in Szene gesetzt werden, ist nach wie vor der klassische Spielautomat mit seinen drei oder fünf Walzen der Publikumsliebling. Es heißt, dass ein Casino etwa 80 Prozent seiner Umsätze aus Automatenspielen generiert.

Der einfachen Spielweise – dem Ziehen am Hebel oder dem Drücken des „Start“-Knopfes – tut auch die Abwesenheit eines Croupiers nichts ab, im Gegenteil. Durch die unabhängige Spielweise – und das Smartphone – kann jeder Spieler überall und jederzeit in seinem ganz persönlichen Tempo spielen. Dass dabei nicht jeder Spieler erfolgreich ist, ist im wahrsten Sinne des Wortes nur allzu wahrscheinlich – und zugleich Ausgangspunkt schier endloser Mythen über das Glücksspiel am Automaten.

1. „Heiße“ und „Kalte“ Spielautomaten

Der menschliche Verstand sagt, dass ein Spielautomat, der eine Weile bespielt wurde, rein theoretisch, „heiß“ ist und bald einen Gewinn auswerfen müsse. Im Gegenzug  dazu würde ein kürzlicher Gewinn bedeuten, dass dieser Automat „kalt“ ist und man nicht bald einen zweiten Gewinn erwarten kann.

Die Wahrscheinlichkeitsrechnung besagt jedoch, dass dies ein Irrglaube ist und vermutlich von frustrierten Spielern verbreitet wurde. Wenn ein Spielautomat beispielsweise eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 1:1.000 hat, bedeutet dass, dass durchschnittlich eins von Tausend Spielen den Hauptgewinn zieht. Es bedeutet jedoch auch, dass die Gewinnchance bei jedem einzelnen Spiel 1:1.000 beträgt. Unabhängig davon, ob gerade ein Gewinn oder eine Niete gezogen wurde.

Rechnerisch beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Hauptgewinne direkt nach einander gezogen werden 1:1.000.000, ist damit jedoch nicht unmöglich. Andererseits liegt die Wahrscheinlichkeit, dass 13.800 Mal nacheinander KEIN Gewinn gezogen wird, ebenfalls bei 1:1.000.000 und ist damit genauso (un-)wahrscheinlich wie zwei unmittelbar aufeinander folgende Hauptgewinne. Doch auch beim 13.801. Spiel beträgt die Gewinnwahrscheinlichkeit unverändert 1:1.000.

2. „Todsichere“ Gewinnsysteme dank vorhersagbare Auszahlungszyklen

Wie bereits ausgeführt, beruhen Spielautomaten – egal ob online oder im Casino – auf dem Zufallsprinzip. Jeder Spielzyklus beruht, unabhängig vom vorherigen, auf den gleichen Gewinnchancen. Vorhersagbare Auszahlungszyklen wie in „Oceans Eleven“, nach einer gewissen Anzahl Spiele oder nach einer speziellen Münzsequenz, sind, wenn auch verlockend, nur erfunden.

Sollte ein Spielautomat tatsächlich vorhersehbare Auszahlungszyklen besitzen, verletzt er geltendes Recht und ist illegal. Egal wer dabei seine Finger im Spiel hat, hegt betrügerische Absichten, weshalb man besser die Finger davon lassen sollte. Dass Spielautomaten tatsächlich zufällig agieren, wird von unabhängigen Institutionen wie eCOGRA (eCommerce Online Gaming Regulation and Assurance) oder Microgaming regelmäßig geprüft.

Trotzdem bieten diverse Anbieter, oft gegen einen gewissen Geldbetrag, „todsichere“ Gewinnsystem. Das Ziel ist jedoch nicht, dass Sie gewinnen, sondern dass Sie dafür bezahlen. Solange Spielautomaten nicht manipuliert sind, kann es keine garantierten Gewinne geben. Jeder, der etwas anderes behauptet, erzählt nicht die ganze Wahrheit.

3. „Echte“ einarmige Banditen sind besser als Elektronische

Ob Spieler nun am Hebel ziehen, einen Knopf drücken oder die Walzen virtuell drehen, ist egal. Jede einzelne Aktion startet den Zufallsgenerator, der dann das Spielergebnis bestimmt.

Übrigens ist der Hebel bei heutigen Spielautomaten – obwohl funktionsfähig – lediglich Beiwerk. Die Mechanik zum Drehen der Walzen wird elektronisch gesteuert und angetrieben. Da sich die Spieler jedoch bereits vor Einführung des ersten elektromechanischen Spielautomaten so an das Erscheinungsbild des „einarmigen Banditen“ gewöhnt haben, wurde es über die Jahre beibehalten.

4. Auszahlungsraten verändern sich während des Spielens und garantieren eine bestimmte Auszahlung

Erneut gilt, es ist alles eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Die angegebene Auszahlungsquote errechnet sich aus Millionen einzelner Spiele und gibt einen Durchschnittswert an, der genauso interpretiert werden muss, wie die Gewinnwahrscheinlichkeit. Da die Auszahlungsquoten auf Millionen von Spielen beruhen, können sie sich auch nicht plötzlich ändern. Finger weg, falls es doch so sein sollte, es wird nicht zu Ihrem Vorteil sein!

Eine Auszahlungsquote von beispielsweise 96 Prozent besagt, dass durchschnittliche 96 Prozent aller Spiele gewinnbringend waren. Das heißt aber nicht, dass 96 von 100 Spielen, die Sie spielen, erfolgreich sein müssen. Es wäre jedoch unwahrscheinlich (1:60), dass kein einziges von 100 Spielen zu einem Gewinn führt.

5. Münze um Münze, Spiel um Spiel zum Jackpot

Eine Münze nach der anderen zu spielen steigert leider nicht die Chance, den Jackpot zu knacken. Zum einen ist die Wahrscheinlichkeit bei jedem Spiel gleich, zum anderen muss oft der maximale Einsatz gesetzt werden, um eine Chance auf den Jackpot zu haben. Die genauen Bedingungen im Spiel um den Jackpot stehen in den Auszahlungstabellen und Spielinformationen.

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Das Gleiche gilt übrigens auch für den Glauben, mit jedem weiteren Spiel dem Jackpot näherzukommen und fußt oft auf dem Verlangen seinen Einsatz mit einem Gewinn wiedergutzumachen. Da die Gewinnchancen bei jedem Drehen gleich sind, ist dieser Gedanke lediglich ein Warnzeichen an den Spieler, dass er mal eine Pause machen sollte.

6. Der „unerreichbare“ Jackpot

Auch wenn in den vorangegangenen Spielen „schon fast alle“ Jackpot-Symbole gezeigt wurde, heißt das keineswegs, dass der ultimative Gewinn kurz bevorsteht. Da Jackpots oft progressiv sind und damit mit jedem Spiel größer werden – einige wurden seit Jahren nicht geknackt und betragen mehrere Millionen Euro – sind die Gewinnchancen entsprechend gering.

Der höchste jemals gewonnen online-Jackpot wurde von einem Norweger gewonnen und betrug sagenhaft 11,7 Millionen Euro. Wer glaubt, dieser Automat hätte am nächsten Tag unmöglich erneut den Jackpot erbringen können, der irrt. Wieder greift der Mythos von „heißen“ und „kalten“ Spielautomaten. Da alles eine Frage der Wahrscheinlichkeit ist, ist es nicht unmöglich, nur unwahrscheinlich.