Ein Stück Kultur- und Ingenieursgeschichte: Vom einarmigen Banditen zum Kaugummiautomaten und zurück

Epoch Times18. März 2019 Aktualisiert: 11. August 2020 15:41
Alles wird kleiner, schlanker und verschwindet schließlich in einen Computer, auch die berühmten "einarmigen Banditen" in den Casinos weichen mehr und mehr ihren digitalen Zwillingen. Dabei waren die klobigen Maschinen mehr als nur Zeitvertreib, Spielautomaten sind Kult- und Kulturobjekte.

James Bond ist der wohl bekannteste Geheimagent der Welt, außerdem ist 007 ein notorischer Frauenheld und Glücksspieler. Doch nicht nur 007 muss um sein Leben spielen. Neben „Casino Royal“ gibt es unzählige Hollywood-Filme, die auf das Thema Glücksspiel und Spielautomaten zurückgreifen, allen voran „Casino“ von Martin Scorsese mit Robert De Niro, Sharon Stone und Joe Pesci.

In Steven Soderberghs „Ocean’s Eleven“ spielt sogar nicht nur ein Casino die Hauptrolle, sondern gleich drei große Casinos in Las Vegas, die George Clooney, Brad Pitt, Julia Roberts und Matt Damon in den Hauptrollen ausrauben wollen. Alle Filme haben jedoch eins gemeinsam: Glücksspiele und Casinos sind mehr als eine Quelle unerschöpflichen Reichtums. Sie sind eine Lebenseinstellung.

Ein Stück Kultur- und Ingenieursgeschichte

In Zeiten der Digitalisierung bleibt jedoch kein Bereich außen vor, auch nicht das Glücksspiel. Standen früher reihenweise mechanische Spielautomaten in den Casinos nebeneinander, können Sie heute bequem von zu Hause aus spielen. Auch wenn online Spielautomaten – abgesehen von der Tatsache, dass sie auf dem Handy oder dem Computer angezeigt werden – wie ihre mechanischen Vorbilder aussehen, geht mit dem digitalen Glücksspiel ein Stück Kultur- und Ingenieursgeschichte verloren.

Früher, als man noch Dampflokomotiven und mechanische Registerkassen hatte, war an den Spielautomaten im Hosentaschenformat alias Smartphone noch lange nicht zu denken. Der deutsche Maschinenbauer Charles August Fey brauchte immerhin zehn Jahre, bis er 1897 den ersten Spielautomaten der Welt schuf. Er griff dabei jedoch auf technische Errungenschaften der Gebrüder Caille zurück, die ihrerseits 1889 die entsprechende Mechanik entwickelten. Einen Gewinn konnte ihr Automat jedoch nicht auszahlen, dies übernahm meist der Barbesitzer.

Charles Fey reduzierte die Kombinationsmöglichkeiten soweit, dass er die Gewinnsituation mechanisch erfassen und einen Gewinn auszahlen konnte. Wie genau das funktioniert hat, ist jedoch nicht überliefert. Berichten zufolge soll die „Liberty Bell“ genannte Maschine mehrere Fächer gehabt haben, die sich im Gewinnfall öffnen ließen. Andere Berichte deuten jedoch darauf hin, dass der Barbesitzer weiterhin die Gewinne – Speisen, Getränke oder kleinere Sachpreise – selbst ausgeben musste.

So komplex die Mechanik hinter „Liberty Bell“ war, so einfach war sie auch. Zog der Spieler am Hebel, der den Spielautomaten den Beinamen einarmiger Bandit einbrachte, setzten sich drei zylindrische Trommeln in Bewegung. Auf ihnen hatte der Maschinenbauer je vier Symbole angebracht, darunter auch die namensgebende Liberty Bell. Ziel war und ist es bis heute, dass die Trommeln, wenn sie stehen bleiben, das Gewinnsymbol zeigen. Da die Walzen sich jedoch anfangs „nicht sehr schnell“ drehten und durch den Zug am Hebel nahezu sofort gestoppt werden konnten, war es nicht sonderlich schwer die Maschine zu schlagen. Der Gewinn in Höhe von einem halben Dollar fiel entsprechend gering aus.

Vom einarmigen Banditen zum Kaugummiautomaten und zurück

Während des Glücksspielverbotes Anfang des 19. Jahrhunderts wurden viele Glücksspielautomaten zu Kaugummiautomaten umgebaut und die Symbole auf den Trommeln gegen Früchte ausgetauscht. Die Kaugummiautomaten erfreuten sich einer solchen Beliebtheit, dass bis heute auf den Trommeln oft Fruchtsymbole zu finden sind. Damals sollten sie lediglich den Geschmack der Kaugummis signalisieren. Das BAR-Symbol, wie es teilweise noch heute zu finden ist, stellte dabei nichts anderes als das Logo der Bell-Fruit Company dar, die die Kaugummis produzierte.

Aber auch an der Spielweise hat sich bis heute nichts wesentlich verändert, nur der typische seitliche Hebel wäre nicht mehr zwingend erforderlich. Die Menschen hatten sich jedoch bereits 1963 so daran gewöhnt, dass die Firma Bally ihn auch in den ersten elektronischen Spielautomaten „Money Honey“ integrierte, der bis zu 500 Münzen Gewinn ausschütten konnte. Nach diesem Prinzip funktionieren Spielautomaten in Casinos bis heute noch und während die verbaute Hardware immer kleiner wurde, konnte die Menge der gespeicherten Münzen immer größer werden.

In modernen Spielautomaten und bei Automatenspielen im Internet drehen sich selbstverständlich keine Trommeln mit Symbolen mehr. Die Bildchen werden digital erzeugt und bleiben nach dem Zufallsprinzip stehen. So können Spieler an ein und demselben Gerät mehr als ein Spiel spielen, lediglich die Bilder und Spielmodi variieren. So ist es möglich das eigentliche Spielerlebnis mit einer interaktiven Geschichte, Bonusrunden oder anderen Mini-Spielen zu verbinden und attraktiver zu gestalten.

Am Ende ist und bleibt der Spielautomat ein unterhaltsames Glücksspiel und verspricht echte Gewinne. Jedoch kann kein Casinobetreiber immer nur Gewinne auszahlen, sodass auch Spielautomaten einen kleinen Bankvorteil haben. Aber egal, ob im Kino, Kabarett oder im Casino, für gute Unterhaltung zahlt man gern ein paar Euro mehr.

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