Spielautomaten zwischen Kult und Mythos: Alles eine Frage der Wahrscheinlichkeit

Epoch Times27. August 2020 Aktualisiert: 27. August 2020 10:44
In den letzten Jahren hat sich alles verändert? Nein, ein Stamm einarmiger Banditen leistet erbitterten Widerstand gegen den digitalen Eindringling. Trotzdem – oder gerade weil sich die Welt immer schneller ändert – sind Spielautomaten ein beliebter Zeitvertreib. Und nicht immer geht es ums Gewinnen.

Was früher Mensch-Ärgere-dich-Nicht, Skat oder Monopoly war, ist heute Angry Birds, Candy Crush und Pokémon Go. Das Spielprinzip hat sich jedoch seit Jahrzehnten wenig verändert. Besser, schneller oder reicher als seine Mitspieler zu sein, fasziniert auch im 21. Jahrhundert – und das nicht ohne Grund. Denn neben der oft illustren Gesellschaft – auf der Gartenparty mit Freunden gleichermaßen wie im Casino in Las Vegas oder Monaco – locken millionenschwere Gewinne.

Obwohl Black Jack oder Roulette in Filmen wie Casino Royal spektakulär in Szene gesetzt werden, bleiben Online Spielautomaten der Publikumsliebling. Das lohnt sich auch für die Betreiber. Es heißt, dass ein Casino etwa 80 Prozent seiner Umsätze aus Automatenspielen generiert. Dabei ist Spielen viel mehr als Gewinnen, und es ist eine Menge Mathematik.

Spielautomaten: Ein Stück Kulturgeschichte

Früher, als Züge von Dampflokomotiven gezogen und Registerkassen mechanisch funktionierten, war an den Spielautomaten im Hosentaschenformat alias Smartphone noch lange nicht zu denken. Den ersten mechanischen Spielautomaten mit dem klanghaften Namen „Liberty Bell“ erschuf der deutsche Maschinenbauer Charles August Fey 1897 nach fast zehnjähriger Entwicklungszeit.

So komplex die Mechanik hinter „Liberty Bell“ war, so einfach war sie auch. Zog der Spieler am Hebel, der den Spielautomaten den Beinamen einarmiger Bandit einbrachte, setzten sich drei zylindrische Trommeln in Bewegung. Auf ihnen hatte der Maschinenbauer je vier Symbole angebracht, darunter auch die namensgebende Freiheitsglocke.

Während des Glücksspielverbotes Anfang des 19. Jahrhunderts wurden viele Glücksspielautomaten zu Kaugummiautomaten umgebaut. Weil diese so beliebt waren, zieren bis heute oft Fruchtsymbole die Walzen. Auch das BAR-Logo ist noch oft zu finden, dabei signalisiert es nicht etwa einen Geldgewinn, sondern diente als Werbung. Es war das Firmenlogo des Kaugummiherstellers.

Auch an der Spielweise hat sich bis heute kaum etwas verändert, nur der typische seitliche Hebel wäre nicht mehr zwingend erforderlich. Während die verbaute Hardware immer kleiner wurde, stieg die Menge der gespeicherten Kaugummis – oder Münzen – kontinuierlich. In modernen Spielautomaten und bei Automatenspielen im Internet drehen sich selbstverständlich keine Trommeln mit Symbolen mehr. Die Bildchen werden digital erzeugt und bleiben nach dem Zufallsprinzip stehen.

Der Mythos vom unerreichbaren Jackpot

Obwohl die menschliche Logik etwas anders sagt, haben Spielautomaten keine Emotionen. Sie sind weder „heiß“ noch „kalt“ und unterscheiden – im besten Fall – nicht zwischen dem ersten, hundertsten oder millionsten Spiel. Sowohl Gewinnchancen als auch Auszahlungsquoten errechnen sich als Durchschnittswert aus Millionen von Spielen und können sich daher nicht plötzlich ändern. Sollten sie sich die Gewinnchancen im Spielverlauf ändern: Finger weg! Entweder ist der Automat manipuliert oder reizt illegal zu unvorsichtigem Spielen.

Auch von „todsicheren Gewinnsystemen“, die oft gegen Geld angeboten werden, sollte man besser die Finger lassen. Das Ziel ist nicht, dass Spieler damit gewinnen, sondern, dass Spieler dafür bezahlen. Solange Spielautomaten nicht manipuliert sind, kann es keine garantierten Gewinne oder immer erfolgreiche Gewinnstrategien geben. Jeder, der etwas anderes behauptet, erzählt nicht die ganze Wahrheit.

Wenn ein Spielautomat beispielsweise eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 1:1.000 hat, bedeutet dass, dass durchschnittlich eins von Tausend Spielen den Hauptgewinn zieht. Es bedeutet jedoch auch, dass die Gewinnchance bei jedem einzelnen Spiel 1:1.000 beträgt. Unabhängig davon, ob gerade ein Gewinn oder eine Niete gezogen wurde.

Rechnerisch beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Hauptgewinne direkt nach einander gezogen werden 1:1.000.000, ist damit jedoch nicht unmöglich. Andererseits liegt die Wahrscheinlichkeit, dass 13.800 Mal nacheinander KEIN Gewinn gezogen wird, ebenfalls bei 1:1.000.000 und ist damit genauso (un-)wahrscheinlich wie zwei unmittelbar aufeinander folgende Hauptgewinne. Doch auch beim 13.801. Spiel beträgt die Gewinnwahrscheinlichkeit unverändert 1:1.000.

Sowohl in realen Casinos als auch online speisen oft mehrere Spielautomaten einen gemeinsamen Jackpot. Dieser kann mitunter auch mehrere Millionen Euro betragen und ist – wie ein norwegischer Spieler mit einem 11,7-Millionen-Euro-Gewinn bewies – alles andere als unerreichbar. Es ist nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit.

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