Ein Eimerkettenbagger trägt Erde im Braunkohletagebau Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) ab.Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/dpa

Alle natürlichen Ressourcen verbraucht: Erdüberlastungstag gut drei Wochen früher als 2020

Epoch Times28. Juli 2021 Aktualisiert: 28. Juli 2021 19:00
Ende des Monats hat die Menschheit so viel Natur verbraucht, wie alle Ökosysteme in diesem Jahr erneuern können. Hoffnungsschimmer, dass infolge der Pandemie weniger CO2 ausgestoßen würde, sind erloschen.

Der weltweite Ressourcenverbrauch nähert sich nach Schätzungen von Wissenschaftlern wieder dem Stand vor Beginn der Corona-Pandemie an.

Das geht aus Berechnungen des Global Footprint Networks mit Sitz in den USA und der Schweiz hervor. Demzufolge liegt der sogenannte Erdüberlastungstag in 2021 auf diesem Donnerstag, 29. Juli. „Ab dem 29. Juli übernutzen wir die Erde also – wir nehmen ihr Ressourcen, die sie in diesem Jahr nicht mehr regenerieren kann“, sagte der Sprecher der Organisation Germanwatch, Steffen Vogel, der „Deutschen Presse-Agentur“.

Im Vorjahr fiel der Erdüberlastungstag den Berechnungen zufolge auf den 22. August, mehr als drei Wochen später als 2019 – damals war er schon am 26. Juli erreicht. „Das ist tatsächlich eine Auswirkung von Corona gewesen“, sagte Rolf Buschmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) der „dpa“. So seien vor allem in den ersten Wellen der Pandemie deutlich weniger Ressourcen verbraucht worden. „Und das hat viel damit zu tun, dass wir im Lockdown waren.“

Doch welches Ausmaß der Raubbau an den natürlichen Grundlagen mittlerweile tatsächlich angenommen hat, zeigt ein Blick zurück: 2000 waren die nachwachsenden Ressourcen des gesamten Jahres erst am 22. September erschöpft. In den 1970er Jahren lag der Tag sogar noch im Dezember. Als Grund nennen die Umweltorganisationen BUND und Germanwatch neben dem starken Anstieg der CO2-Emissionen um prognostizierte 6,6 Prozent gegenüber 2020 auch den Verlust von 0,5 Prozent Biokapazität der Wälder, vor allem durch die rasante Abholzung des Amazonas-Regenwaldes.

Um ihren Ressourcenbedarf nachhaltig zu decken, bräuchte die Weltbevölkerung den Angaben zufolge derzeit rechnerisch 1,6 Planeten. Würden alle Länder so wirtschaften wie Deutschland, wären sogar drei Erden nötig.

Laut der Analyse des Global Footprint Networks war hierzulande der nationale Erdüberlastungstag bereits Anfang Mai erreicht. „Wenn alle Länder so wirtschaften würden wie Deutschland, bräuchten wir nicht einen, sondern knapp drei Planeten“, betonte Germanwatch-Sprecher Vogel. „Unsere Lebens- und Wirtschaftsweise ist alles andere als nachhaltig.“

Pflanzliche Alternativen zum Fleisch dringend geboten

Interessant: Nach Berechnungen des World Wide Fund For Nature (WWF) ließe sich der Erdüberlastungstag jedoch um 17 Tage verschieben, würde die Menschheit den Fleischkonsum global um 50 Prozent reduzieren. Das ist jedoch nur Wunschdenken, denn Prognosen der Kapitalanlagegesellschaft DWS zufolge soll der Fleischkonsum bis 2050 im Zuge der steigenden Weltbevölkerung und eines zunehmenden Wohlstands weltweit um weitere 75 Prozent steigen.

Schon jetzt, so DWS, werden jährlich weltweit geschätzt 60 bis 70 Milliarden Tiere geschlachtet – wobei 40 bis 50 Prozent dieser Menge in Form von Knochen und Sehnen in den Müll wandern. Und was nicht weggeworfen wird, ist verderblich und muss ununterbrochen kühl transportiert und gelagert werden. „Unter dem Strich gehört die Landwirtschaft damit zu den fünf größten Emittenten von Treibhausgasen weltweit“, so DWS-Fondsmanager Tim Bachmann.

Hinzu kommt, dass für die Viehzucht enorme Mengen von Soja und Mais als Futtermittel von den Anbauflächen vor allem in Lateinamerika per Seefracht an Großabnehmer wie China und die USA verschifft werden müssen. Zugleich übersäuern die Böden bei den Futtermittelerzeugern durch den übermäßigen Einsatz von Düngemitteln, was langfristig die Verfügbarkeit von fruchtbarem Land reduziert.

Last but not least stößt eine Milchkuh täglich etwa 235 Liter Methan aus, was der Füllung von rund eineinhalb Badewannen entspricht. Weltweit stehen Nutztiere derzeit für etwa ein Viertel aller Methanemissionen.

Einen möglichen Lösungsweg sieht Nachhaltigkeitsexperte Tim Bachmann in pflanzlichen Alternativen. Für besonders attraktiv hält er die Produktion von Speisepilzen als Proteinersatz. Dabei denkt er nicht nur an heimische Arten wie Champignons und Pfifferlinge, sondern auch an Shiitake, Maitake und Eringi aus Japan. Diese Speisepilze sind seiner Ansicht nach nicht nur hochwertige Nahrungsmittel, sondern auch sehr wirtschaftlich zu züchten und zu vertreiben: So sind beispielsweise für den Herstellungs- und Kühlprozess von 100 Gramm Speisepilzen gerade einmal 0,2 Kilowattstunden Energie nötig, bei 100 Gramm Fleisch sind es sieben Kilowattstunden. (ce/dpa)



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