Der Hausgarten im Herbst – Erntezeit und letzte Aussaaten

Von 16. September 2015 Aktualisiert: 16. September 2015 17:20
Selbstversorgung macht Spaß und unabhängig - Frisches Blattgrün im Hausgarten anbauen und ernten - Wir zeigen wie es geht!

In Zeiten drohender Wirtschaftskrisen ist es nicht die schlechteste Idee sich über Selbstversorgung aus dem Hausgarten Gedanken zu machen, aber nicht nur aus Sorge, im Gegenteil, aus reiner Freude und einem Wohlgefühl heraus, entdecken selbst hochdekorierte Manager die Arbeit im Pflanzenreich. War es die letzten Jahre eine Domäne türkischer Gastarbeiterfamilien, verwaiste Vorstadtgärten zu bebauen, so gibt es heute für Schrebergärten lange Wartezeiten. Anstatt sich im Fitnessstudio auszupumpen, entdecken viele Menschen Erholung und Regeneration im Grünen.

Herbstzeit ist Erntezeit

Wenn wir im Sommer alles gut bestellt haben, können wir im September eine reiche Ernte einfahren. Je nach unseren Vorlieben bereitet, haben wir nun gute Mengen reife Kartoffeln und Möhren, Zwiebeln und Kürbisse auf dem Beet. Die Gemüseflächen werden jetzt leergeräumt und sogleich mit einer Gründüngung besäet. Die geernteten Früchte können im Keller, Schuppen oder in Mieten eingelagert werden. Im Gewächshaus sollten noch ein paar Wochen leckere Gurken und Tomaten geerntet werden, es sei denn wir planen noch den Anbau von z.B. Feldsalat, dann ist es an der Zeit die Sommerkulturen zu beenden.

Wer keine Verluste durch Spätfröste Anfang Mai dieses Jahres erlitten hatte, ist jetzt mit spätem Obst gesegnet. Die letzten Zwetschgen hängen noch im Baum und die spätreifenden Apfelbäume sind voll. Die Äpfel sind nun aufzusammeln. Im Sack werden sie zur Kelterei gebracht. Sehr lecker, so ein frisch gepresster Apfelsaft. Ein Paradies! Auch Großvater ist glücklich, denn er ist einer der letzten seines Schlages, der noch sein Mostfäßchen im Keller füllt. Nun hat er wieder seinen geliebten sauren, für moderne Menschen kaum trinkbaren, Apfelmost angesetzt. Krug für Krug, übers Jahr verteilt, holt er in aus dem Keller. Großvater ist für sein Alter erstaunlich fit. Ob das mit dem Apfelmost zusammenhängt?

Rapunzeln, Spinat und Co. – Aussaaten nicht verpassen!

„Grün ist Leben“ und seit der „Greensmoothie – Revolution“, initiiert von Frau Boutenko, dauergefragt. Deswegen wissen wir: Es ist gut eine Versorgung mit grünen Blättern über den Winter sicherzustellen. Was da jetzt noch geht, sag’ ich nun konkret: Auf einem Freilandbeet, bei lang anhaltend mildem Wetter und unter Vliesabdeckung, können wir im September noch Feldsalat, Überwinterungsspinat, Rucola, Asiasalate und vor allem den schnellsten Blattsalat, die Kresse, aussäen.

Gartenkresse

Gartenkresse ist im Herbst immer noch schnell: Von der Aussaat bis zur Ernte nur 9 bis 10 Tage. Breitwürfig aufs saubere Saatbeet gesäet, gut angegossen und dann mit Folie oder Vlies abgedeckt. Nehmen sie etwa 80 Gramm Saatgut je 1 Quadratmeter Beet. Sie sollten wieder aufdecken, wenn die Keimlinge die ersten Blätter (Primärblätter) bilden. Kresse wird geerntet wenn sie etwa 5 cm groß ist und bevor sie ins nächste Blattstadium (Sekundärblattstadium) wächst. Schneiden und als Salat essen. Von einem Quadratmeter Beet erhalten sie bis zu 1 kg Salat. Super!

Überwinterungsspinat

Besonders reich an gesundem Chlorophyll sind Spinatblätter. Spinat ist winterhart und wir können in der dunklen Jahreszeit, vorausgesetzt es ist nicht gefroren, immer davon ernten. Ein Holzscheit angelegt und mit dem bloßen Finger ausgeführt, ziehen wir 2 cm tiefe Furchen. Alle 3 cm legen wir den Spinatsamen rein, wieder zudecken, andrücken, wässern und alles ist gut. Auch hier empfiehlt sich, aufgrund der schon fortgeschrittenen Jahreszeit, der Einsatz eines Verfrühungsvlieses.

Rapunzeln

Rapunzeln, Feldsalat, oder Nüsslisalat, wie in der Schweiz genannt, ist der beliebteste Wintersalat im deutschsprachigen Raum. Da sind wir bereit in der Vorweihnachtswoche bis zu 3 Euro je 100 Gramm hinzublättern. Wir Gärtner sagen auch „grünes Gold“ dazu. Nicht nur aus wirtschaftlichem Interesse, er ist besonders Vitamin C haltig und köstlich im Aroma. Feldsalat gehört zur Familie der Baldriangewächse. Ob er eine beruhigende Wirkung auf unser Gemüt hat? Es scheint so zu sein, denn die Kunden sind verrückt danach. Feldsalat wird in unseren Breitengraden im August bis Anfang September ausgesät. Wenn wir ein Verfrühungsvlies verwenden, können wir auch noch spätere Aussaaten wagen. Im Oktober ist eine Freilandaussaat definitiv zu spät.

So gehts: Wir bereiten ein sauberes Saatbeet und säen breitwürfig, sodass alle 4 bis 5 cm ein Körnchen liegt. Dann den Rechen in die Hand nehmen und mit sanften Strichen einmal Kreuz, einmal Quer, oberflächlich eingerecht. Mit der flachen Schaufel etwas rückverfestig, wässern, Vlies drauf. Feucht halten und nach 8 bis 10 Tagen sind die Keimblätter da.

Salatrauke, zu neudeutsch: Rucola

Die italienische Küche hat sie wieder nach Deutschland zurückgebracht: Die Salatrauke. Sie gehört zur Familie der Kohlgewächse und besticht durch ihr würziges Aroma. Noch wenig verzüchtet ist die Wildform, „wilde Rauke genannt“. Sie ist auf sandigen Böden naturwüchsig zu finden. Als Saatgut ist die sehr empfehlenswerte Varietät auch erhältlich. Die Aussaat funktioniert genauso in Reihen, wie oben beim Spinat beschrieben.

Erdbeeren und Steckzwiebeln fürs nächste Jahr

Im Gartencenter sind aus gutem Grund noch verschiedene Sorten Erdbeeren im Angebot. Wenn wir im Herbst Erdbeeren pflanzen, können diese über die Herbst- und Winterzeit schon anwachsen und sich kräftigen. Im Folgejahr können wir dann mit guten Erträgen rechnen. Geben sie eine ordentliche Hand voll Kompost ins Pflanzloch. Denkbar ist auch eine Handvoll Hornspäne oder gepressten Rinderdung, beides in Handel erhältlich. Nehmen sie früh- mittel- und spätabreifende Sorten um ein breites Erntefenster zu erzielen. Erdbeeren freuen sich auch über eine Mulchabdeckung. Diese hält die Bodenfeuchte und schützt wichtige Bodenorganismen.

Wintersteckzwiebeln sind frosthart und sollten jetzt noch gesteckt werden. Wichtiger Tipp: Bitte mit der Wurzel nach unten stecken, den Blattansatz nach oben! Wir können im Lauf des Winterhalbjahres immer Zwiebeln ernten. Als junge Bundzwiebeln für das Laub, und, im darauffolgenden Jahr, als große Küchenzwiebel. Sie können die Zwiebeln dicht auf dicht stecken, in Reihe, oder auch übers ganze Beet. Abstand ist eine Küchenzwiebelbreite.

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