„Wir waren zu optimistisch“ – Forscherin befürchtet schwere Energiekrise und Blackouts in Irland

Ein einziges Gasfeld liefert 25 Prozent des Bedarfs. Speicher gibt es in Irland nicht, der Rest wird importiert. Doch der Energieverbrauch steigt unaufhörlich – auch durch E-Autos und Wärmepumpen.
Irland steht nach Ansicht von Experten vor einer schweren Energiekrise.
Irland steht nach Ansicht von Experten vor einer schweren Energiekrise.Foto: Jessica Lichetzki/dpa
Von 16. November 2022

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Bereits im bevorstehenden Winter könne es unter bestimmten Umständen zu Stromausfällen kommen, warnte Dr. Muireann Lynch vom Forschungsinstitut Economic and Social Research Institute (ESRI) in Dublin (Irland) im Gespräch mit der „Deutschen Presse-Agentur“. Angesichts geringer Versorgung und fehlender Speicher seien solche Blackouts spätestens im Winter 2023/24 kaum noch zu vermeiden.

Lynch verwies auf das starke Wirtschaftswachstum des EU-Landes sowie die zunehmende Bevölkerung. Zudem würden immer mehr Rechenzentren ans Netz gehen. Außerdem plant die Regierung, die Zahl der E-Autos, -Busse und -LKW von derzeit knapp 50.000 auf eine Million Fahrzeuge bis 2030 zu steigern. Dies alles erhöht die Nachfrage.

Irland ohne eigene Gasspeicher

„Leider haben wir die Versorgung nicht im gleichen Maße erhöht“, sagte Lynch. Es gebe zwar viel erneuerbare Energie – vor allem durch Onshore-Windparks. Allerdings sei sich nicht um die Gaserzeugung gekümmert worden. Vor der irischen Küste gibt es nur ein erschlossenes Gasfeld. Es deckt bisher 25 Prozent des Bedarfs, wird aber Schätzungen zufolge 2030 erschöpft sein. Der Großteil wird aus Großbritannien importiert. Irland selbst hat keine eigenen Gasspeicher.

Doch auch Großbritannien verfügt nur über geringe Speicherkapazitäten. Und obwohl diese derzeit zu 100 Prozent gefüllt sind (Stand 14.11.), umfassen die Speicher gerade einmal 1,36 Prozent des Jahresbedarfs. Das heißt, ohne Nachschub von jenseits des Ärmelkanals wären sie nach weniger als fünf Tagen ohne Gaslieferungen nach Irland leer.

„Wir waren zu optimistisch“

Die Exploration von Ölfeldern hatte die Regierung in Dublin vor einiger Zeit bereits ausgeschlossen, um beim Klimaschutz aufzuholen. In den kommenden zwölf Monaten werde zudem aller Voraussicht nach das mit Öl befeuerte Kraftwerk Tarbert vom Netz gehen.

Wir waren zu optimistisch, dass wir es mit Wärmepumpen und Elektroautos schaffen können“, fasst Dr. Lynch die Situation zusammen.

„Wenn es den Anlagenbetreibern nicht gelingt, ganz schnell neue Notstromaggregate zu errichten, dann wird es im nächsten Winter noch enger, weil wir dann eine noch stärkere Reduzierung auf der Angebotsseite haben und wahrscheinlich keine ausreichende Versorgung ans Netz kommt“, sagte die Expertin. Die Nachfrage werde aber weiter steigen.

Blackout nur mit Glück vermeidbar

Auf der anderen Seite sei schnelle Hilfe nicht in Sicht, sagte Lynch. „Für andere EU-Mitglieder gibt es derzeit keine physische Möglichkeit, mit ihren Gasvorräten zu helfen, da wir kein LNG-Terminal und keine Gasspeicher haben.“ Beides sei dringend notwendig, mahnte die Expertin. Lynch forderte zudem, Planungsprozesse zu verschlanken und Bürokratie abzubauen.

„Vorausgesetzt, dass Tarbert in den Ruhestand geht, weiß ich ehrlich gesagt nicht, wie wir Blackouts vermeiden sollen“, sagte die Expertin. Helfen könne nur Glück mit dem Wetter: „Dann müsste der Wind immer genau dann wehen, wenn wir ihn brauchen.“

(Mit Material von dpa)



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