STECKBRIEF: Der Rote Thun – auch Blauflossenthunfisch genannt – Thunnus thynnus, ist den meisten Menschen als Delikatesse bekannt: auf dem Teller liegend zu horrenden Preisen. Sein tiefdunkelrotes Fleisch wird auch beim Braten nicht heller, wird aber meist roh als Sushi oder fast roh als Steak serviert. Lecker? Ja – eindeutig erhaltenswert. - Die größten seiner Art wurden bis zu 4,58 Meter lang und wogen bis zu 684 Kilogramm, die meisten Fänge liegen aber bei der Hälfte dieser Werte. Deshalb wird er von den Japanern in Aquakultur nachgemästet um ihn noch wertvoller zu machen. - Der Rote Thun ist ein Kaltwasserfisch mit riesigem Appetit, der in großen Schwärmen den Atlantik durchwandert. Er benötigt weniger als zwei Monate um den Atlantik zu durchqueren. Die Fische können bis zu 30 Jahre alt werden, beginnen ihr Leben aber als eiergeschlüpfte Mini-Larve von drei Millimetern. Das erklärt, warum es von vierzig Millionen Thunfischen nur einer schafft, erwachsen zu werden und sich weiter fortzupflanzen. So ist es eben in der Natur: Fressen und gefressen werden.Foto: M. San Felix/WWF

Ist der Rote Thunfisch noch zu retten?

Von 23. November 2009 Aktualisiert: 23. November 2009 17:37
WWF sieht Handelsverbot als einzige Maßnahme – Handelsketten unterstützen konsequent und nachhaltig – EU bleibt unentschieden

„Die Fangquoten müssen weit über das kommende Jahr hinaus reduziert werden, ansonsten ist der Rote Tunfisch nicht mehr zu retten“, sagt die WWF-Fischereiexpertin Karoline Schacht. „Auf ICCAT ist kein Verlass mehr, diese Kommission schützt den Roten Tunfisch nicht, sondern riskiert sein Überleben.“

Das letzte Treffen der Kommission zum Schutz des Atlantischen Tunfischs (ICCAT) in Recife, Brasilien hat nach begründeter Meinung des WWF (World Wildlife Fund) zu keinem dem Roten Thunfisch nützlichen Ergebnis geführt.

Die Teilnehmer konnten sich nicht zu den notwendigen Maßnahmen zum Schutz des inzwischen stark gefährdeten Roten Thunfisches entschließen. Die Fangquoten für das Mittelmeer wurden zwar um etwa ein Drittel auf 13.500 Tonnen für das kommende Jahr festgelegt, das reicht aber laut WWF nicht, um den Bestand zu stützen. Deshalb soll eben im kommenden März ein Handelsverbot diskutiert werden.

Appelle blieben ungehört

Bereits seit Jahren unterstützen namhafte deutsche und europäische Unternehmen und Handelsketten die Forderungen des WWF an die europäische Kommission. Die Firmen betonen den Wunsch nach einem nachhaltigen Fischangebot. Dazu gehören auch schonende Fangpraktiken und ein gutes Fischereimanagement. Dafür sei in erster Linie die Politik verantwortlich, hieß es in einem Aufruf.

Im Mittelmeer stehe angesichts der weiterhin zu hohen Fangquoten eine Tragödie bevor. Der Rote Tunfisch drohe zu verschwinden. Es sei „unmoralisch und unverantwortlich“, wenn die EU-Staaten nicht umsteuerten. Die Appelle blieben ungehört. Der Rote Tunfisch wird vor allem in Japan, aber auch in Europa und den USA für Sushi verarbeitet.

„Der Handel und die Fisch verarbeitende Industrie sind auf stabile Fischbestände und gesunde Lebensräume angewiesen“, erläutert Karoline Schacht das Engagement der Unternehmen.

Handelsverbot als Retter

Deshalb ruft jetzt der WWF die Vertragsstaaten des internationalen Artenschutzabkommens CITES auf, sich für ein internationales Handelsverbot und strengere Fangquoten einzusetzen. Es ist zu erwarten, dass der Rote Tunfisch bei der nächsten CITES-Tagung im März 2010 in Doha in die entsprechende Kategorie der Handelsbeschränkungen aufgenommen wird.

„Das Ergebnis der ICCAT-Sitzung ist völlig inakzeptabel“, so Karoline Schacht, Fischereiexpertin beim WWF Deutschland. „Die verabschiedete Fangmenge entspricht politischer Willkür und hält keiner wissenschaftlichen Prüfung stand. Wir halten deswegen ein totales Handelsverbot mehr denn je für unverzichtbar.“

Reaktionen deutscher Handelsketten

Für die Verbraucher ist es aber hilfreich zu sehen, dass sogar selbst auferlegte Verpflichtungen und konsequentes moralisches Handeln engagierter Firmen mittlerweile zur Werbe-Botschaft werden und Handelsketten wie Kaufland/Handelshof regelmäßig in ihren wöchentlichen Werbe-Broschüren die Kunden informieren.

So erfährt man ganz nebenbei: „Weil der Erhalt von Fischarten bei uns seit Jahren im Vordergrund steht, verzichten wir auf den Verkauf stark bedrohter Arten. … Zum Schutz der Umwelt verzichten wir auch auf den Verkauf anderer stark bedrohter Fischarten. Seit längerem führen wir deshalb keinen Dornhai (Schillerlocke), Aal, Roten Thun und Wildstör. Aktuell haben wir neben dem Rotbarsch außerdem Schwertfisch, Weißen Heilbutt, Red Snapper, Marlin, Wittling und Papageifisch aus dem Sortiment genommen.“ Und weiter: „Unser Sortiment umfasst bereits jetzt viele Produkte mit dem MSC-Siegel, das für nachhaltige Fischerei steht. Sie finden bei uns außerdem Fisch und Meeresfrüchte aus ökologischer Aufzucht. Bei Thunfischkonserven – insbesondere bei unserer Eigenmarke K-Classic – legen wir Wert auf das SAFE-Label, das für delfinsicheren Thunfischfang steht.“

Zukunftsweisende Maßnahme

Noch erstaunlicher ist, dass solche Ketten Umwelt-Management als kundenbindende Maßnahme betreiben und wider alles Erwarten sehr erfolgreich sind. Hier ist es kein Widerspruch, bei Greenpeace-Bewertungen in der obersten Liga zu spielen und dennoch auch die allgemeine Wirtschaftskrise erfolgreich zu durchlaufen. Das ist die große Kunst, sich durch Einschränkungen zu stabilisieren und für alle Käuferschichten interessant zu sein.

Fisch des Jahres 2009: Aal-Bestände stark gefährdet

„Mit der Wahl des Europäischen Aals (lat. Anguilla anguilla) zum Fisch des Jahres 2009 soll auf den drastischen Rückgang der Bestände im gesamten Verbreitungsgebiet aufmerksam gemacht werden. Weil für unsere Fisch-Einkaufspolitik der verantwortliche Umgang mit der Ressource Fisch von wesentlicher Bedeutung ist, beziehen wir Stellung: im Dezember 2008 haben wir den Aal aus dem Sortiment genommen. Dies bezieht sich nicht nur auf frischen und geräucherten Aal, sondern auch auf alle Produkte, die Aal enthalten.“ (aus Werbeblatt 48/2009)

Wenn die Politiker keine Vernunft annehmen, müssen es die Verbraucher tun nach dem Motto: „Wir sind das Volk, wir wollen Nachhaltigkeit!“

 


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