Kleiner Hurrikan im Mittelmeer: Mindestens zwei Tote in Griechenland

Epoch Times19. September 2020 Aktualisiert: 20. September 2020 6:42
In Griechenland hat am Wochenende ein Medicane mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometer gewütet. Der Begriff Medicane ist eine Wortschöpfung aus "mediterran" und dem englischen Wort "Hurricane".

Durch den hurrikanartigen Sturm „Ianos“ sind in Griechenland mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Bei den zwei Todesopfern handle es sich um eine Frau und einen Mann, teilte die Feuerwehr am Samstag mit. Zudem wurde eine 40-jährige Frau vermisst. Es handelt sich um einen seltenen mediterranen Wirbelsturm – auch Medicane genannt. „Ianos“ zog am Samstag Richtung Kreta im Süden Griechenlands und verlor an Stärke.

Laut dem Bericht des staatlichen Fernsehsenders ERT wurde in Farsala knapp 300 Kilometer nördlich von Athen die Leiche einer Frau gefunden, deren Haus von Wassermassen überflutet war. In der Nähe der Stadt Karditsa starb ein Mann auf einer Farm. In der Nachbarstadt Mouzaki wurde am Samstag nach einer vermissten Frau gesucht. Das Auto der 40-Jährigen war von den über die Ufer getretenen Wassermassen eines Flusses mitgerissen worden.

Die griechische Küstenwache suchte am Samstag weiter nach einem Boot mit 55 Flüchtlingen an Bord, das am Freitag vor der Südküste des Peloponnes einen Notruf abgesetzt hatte. Ein Beamter der Küstenwache sagte: „Es ist möglich, dass das Boot seinen Kurs geändert hat.“

Strom- und Wasserversorgung teilweise zusammengebrochen

„Ianos“ mit seinen heftigen Sturmböen entwurzelte vielerorts Bäume und beschädigte Strommasten; Strom- und Wasserversorgung brachen zusammen. In einigen Ortschaften stand das Wasser bis zu einem Meter hoch in den Straßen. Wegen des Sturms mussten auch mehrere Flüge umgeleitet werden.

Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bekundete per Twitter sein „Beileid“ und rief seine Mitbürger zu „Wachsamkeit“ auf. Er versprach den betroffenen Regionen staatliche Unterstützung.

Wirbelstürme im Mittelmeer hätten ähnliche Eigenschaften wie Hurrikans im Atlantik, seien jedoch „oft kleiner und schwächer“, sagte Kostas Lagouvardos, Forschungsdirektor am Athener Observatorium. Die Stürme seien „selten“ und entstünden vor allem im westlichen und zentralen Mittelmeer. Zuletzt war Griechenland vor zwei Jahren von einem Medicane getroffen worden. Damals starben zwei Menschen.

Medicanes

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) kam der Begriff erst in den 80er Jahren auf, als in den Herbstmonaten über dem Mittelmeer orkanartige Wolkenstrukturen auf Satellitenbildern entdeckt wurden.

Medicanes entstehen nach Angaben des DWD meist dann, wenn es im Herbst einen Kaltluftausbruch aus gemäßigten Breiten in Richtung Äquator gibt und ein Tief in höheren Luftschichten über dem Mittelmeer seine Wirkung entfaltet. Es sorgt dafür, dass über der im Herbst noch warmen Meeresoberfläche die vom Meer verdunstete Luftmasse kondensiert und sich ein Wolkenwirbel bildet.

Medicanes kommen seltener vor als Hurrikans und erreichen auch nur selten die Windgeschwindigkeit eines Hurrikans von mindestens 119 Kilometern pro Stunde – meist haben sie die Stärke eines tropischen Sturms von 63 bis 118 Stundenkilometern. Manchmal entstehen sie auch über dem subtropischen Nordatlantik im Bereich der Inselgruppen Bermudas, Azoren und Kanaren. (afp)

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