„Ein fast normales Ereignis“: Extinction Rebellion-Mitgründer nennt Holocaust „weiteren Sch…“

Von 20. November 2019 Aktualisiert: 20. November 2019 16:38
Mit seinen jüngsten Aussagen zum Holocaust hat der Gründer von "Extinction Rebellion", Roger Hallam, bis in die eigenen Reihen hinein für Aufsehen gesorgt. Kritiker der Ökologiebewegung sehen darin einen weiteren Beweis für deren totalitäres Potenzial.

Karl Marx und Friedrich Engels deuteten in ihrem „Manifest der Kommunistischen Partei“ die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften als eine „Geschichte von Klassenkämpfen“. Der Kommunismus in seiner Urfassung ist vielfach eher zum Ladenhüter geworden. Möglicherweise aber fügt der „menschengemachte Klimawandel“ als die „letzte große Erzählung des Westens“ (Sonja Margolina) dessen Geschichtsbild nun eine entscheidende Modifikation hinzu: nämlich die der modernen Gesellschaftsentwicklung als einer Geschichte von Genoziden.

In einem Gespräch mit der „Zeit“ deutet der Gründer der radikal-ökologischen Bewegung „Extinction Rebellion“ (XR) so etwas zumindest an, als er auf den Holocaust, den industriellen Massenmord der deutschen Nationalsozialisten und ihrer Hilfswilligen in anderen Ländern, an den europäischen Juden zu sprechen kommt.

Hallam zufolge sei die Vernichtung von sechs Millionen europäischer Juden in der Zeit des Zweiten Weltkriegs „nur ein weiterer Sch*** in der Menschheitsgeschichte“ (Original: „just another f***ery in human history“). Die Haltung der Deutschen in diesem Zusammenhang halte er für schädlich. „Das Ausmaß dieses Traumas kann lähmen“, sagte Hallam der „Zeit“. Das verhindere, dass man daraus lerne.

„Nicht gut, dass Deutsche den Holocaust für einzigartig halten“

„Tatsache ist, dass in unserer Geschichte Millionen von Menschen unter schlimmen Umständen regelmäßig umgebracht worden sind“, so Hallam. Als Beispiel nannte er den Völkermord im Kongo: „Die Belgier sind im späten 19. Jahrhundert in den Kongo und haben ihn dezimiert.“ Genozide habe es in den vergangenen fünfhundert Jahren immer wieder gegeben.

Um ehrlich zu sein, könnte man sagen: Das ist fast ein normales Ereignis.“

In dem Gespräch mit der linksgerichteten deutschen Wochenzeitung kommt Hallam immer wieder in relativierender Weise auf den Holocaust zurück. Es tue den Deutschen „nicht gut, dass sie ihn für einzigartig halten“.

Die Intention hinter diesen Aussagen Hallams ist unklar. Dass gerade aus seinem Munde Aussagen kommen, die Genozide zur Normalität erklären und den Holocaust als Sinnbild des Zivilisationsbruchs im 20. Jahrhundert verharmlosen, dürfte Kritiker der Ökologiebewegung, die dieser ein totalitäres Potenzial attestieren, in ihrer Einschätzung bestätigen. Dass Hallam mit seinem Hinweis auf die Häufigkeit von Genoziden seit Beginn der Neuzeit eine ideologiekritisch motivierte Warnung vor den Gefahren fanatisierter Massenbewegungen verbinden will, erscheint als fraglich.

Bereits im Vorfeld der „Woche der Disruption“, die XR Anfang Oktober in mehreren Ländern ausgerufen hatte, war ein Video Hallams aufgetaucht, der auf einer Veranstaltung von „Amnesty International“ im Februar Auskunft über die Strategie seiner Bewegung gab. Das Blog „Ruhrbarone“ hat die Aufnahme dokumentiert und die wesentlichen Aussagen Hallams analysiert, der die Mission seiner Bewegung nach eigenen Angaben für „größer als die Demokratie“ hält.

„Es könnte Tote geben“

Diese werde vielmehr „irrelevant“, wenn eine Gesellschaft so „unmoralisch“ handele wie die gegenwärtige, äußerte er dem „Spiegel“ gegenüber. Dort erklärte er „als struktureller Soziologe, nicht als Revolutionär“, dass es „bald eine Revolution“ geben werde. Im Februar vor Amnesty International erklärte er, dass es in diesem Prozess sogar Tote geben könne:

Wir werden die Regierungen zum Handeln zwingen. Und wenn sie nicht handeln, dann werden wir sie stürzen und eine Demokratie erschaffen, die tauglicher für den Zweck ist. Und ja, manche könnten in diesem Prozess sterben.“

Hallam scheint die deutsche Erinnerungskultur an den Holocaust offenbar als einen Faktor zu betrachten, der die Deutschen dabei hemme, die aus seiner Sicht notwendigen radikalen Maßnahmen umzusetzen, derer es bedürfe, um die angeblich drohende „Klimakatastrophe“ abzuwenden.

Der deutsche Ableger von „Extinction Rebellion“ distanzierte sich unterdessen „entschieden“ von „Roger Hallams verharmlosenden und relativierenden Äußerungen zum Holocaust“. Er verstoße damit „gegen die Prinzipien von XR, die Antisemitismus nicht dulden, und ist bei XR Germany nicht mehr willkommen“.

Extinction Rebellion sei dezentral organisiert und werde dabei lediglich durch einen Minimalkonsens aus drei Forderungen zusammengehalten, erklärte das deutsche Presseteam dazu weiter. Hallam spreche nicht für den deutschen Ableger und habe seine Aussagen auch nicht mit diesem abgestimmt. Hallam polarisiere zudem „seit Monaten“ bereits intern.

Totalitarismus und Antisemitismus ökologistischem Denken nicht fremd

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Die europäische Geschichte der vergangenen 200 Jahre im Allgemeinen und die deutsche im Besonderen vermögen jedoch den Eindruck nicht zu widerlegen, dass totalitäre und antisemitische Tendenzen der Ökologiebewegung grundsätzlich fremd wären.

Vielmehr verband sich darin der Mythos der „Überbevölkerung“, den der britische Ökonom Thomas Malthus zu Beginn des 19. Jahrhunderts begründet hatte, mit neuheidnischer oder okkultistischer Naturmystik und Ernst Haeckels Streben nach Schaffung einer „naturgemäßen Gesellschaftsordnung“, die „ewigen Naturgesetzen“ entsprechen solle. Gestützt auf Darwins Lehren vom „Survival of the Fittest“ beinhalte dies, die Schwachen innerhalb dieses Mechanismus zu eliminieren.

Der Ökologismus vereinte vormoderne Vorstellungen, die in Teilen der Romantik als Ausdruck der Kritik am urbanen Leben des Industriezeitalters entstanden waren, mit materialistischen Ansätzen über eine planvolle Optimierung der Bevölkerung – durch „Rassenhygiene“, Verhinderung der Vermehrung bestimmter Bevölkerungsgruppen oder Euthanasie von Behinderten und Erbkranken. Erst mit der Niederlage der Nationalsozialisten, die durch Völkermord und umfassende Programme zur Zwangssterilisation und Euthanasie „unerwünschter“ Bevölkerungsteile diesen Denkansatz in ungebremster Form zum Wesenselement ihrer Politik gemacht hatten, galten Vorstellungen dieser Art vorübergehend als diskreditiert.

In Deutschland lebte der Ökologismus nach 1945 vor allem davon, dass er zur Projektionsfläche für Menschen unterschiedlichster weltanschaulicher Lager wurde. Dies zeigte sich auch an der Gründungsgeschichte der Grünen. Neben Maoisten, die im Ökologismus einen vielversprechenden Ansatz zur Kapitalismuskritik sahen, spielten dort auch Alt-Nationalsozialisten wie Werner Haverbeck oder Werner Vogel und Neo-Malthusianer wie Herbert Gruhl eine wichtige Rolle. Haverbecks Witwe Ursula Haverbeck-Wetzel verbüßt derzeit eine mehrjährige Haftstrafe wegen wiederholter öffentlicher Leugnung des Holocausts.

Freiheit als einigendes Feindbild

Dazu kamen elitäre Oberschichtzirkel wie der „Club of Rome“, die mithilfe ökologischer Katastrophenszenarien – von denen sich keines verwirklichte – versuchten, auf die Politik Einfluss zu gewinnen. Diese zielten anders als linke und rechte Ideologen zwar auf die bürgerliche Mitte. Alle diese Bestrebungen einte, dass sie im Kapitalismus und in der Freiheit und dem Wohlstand, den dieser bewirkte, eine Gefahr für den „Primat der Politik“ sahen, der in Europa anders als in den USA seit der Französischen Revolution als Wesenselement der abendländischen Demokratie galt.

Die Botschaft von Konsumverzicht, einem angeblich „geplünderten“ Planeten, Zukunftsangst, Kapitalismuskritik und einer angeblich unkontrollierten Vermehrung in der Dritten Welt fiel auch nach 1945 in Deutschland und auch anderen westlichen Ländern auf fruchtbaren Boden.

Auch der Gedanke, dass die „falschen“ Menschen zu viele Kinder bekämen und dass die Erde „überbevölkert“ wäre, findet links wie rechts wieder zunehmend Anhänger. Hallams Aussage, Völkermorde seien in den vergangenen 500 Jahren zur Normalität geworden, klingt vor dem Hintergrund der Geschichte des 20. Jahrhunderts weniger wie eine Feststellung, denn wie eine Drohung.

(Mit Material von dts)

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