Grünen-Politiker bedauert Vergleich von Klimaskeptikern mit Holocaustleugnern

Es ging thematisch nicht einmal um Zweifel an der These, die derzeitigen Veränderungen des sich stetig wandelnden komplexen Systems „Klima“ seien in wesentlicher Weise durch menschliche Aktivitäten beeinflusst, als Grünen-MdEP Michael Cramer in einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“ (DLF) seine umstrittene Aussage traf.

Thema war eigentlich die Kritik an den seit 1999 geltenden EU-Grenzwerten für Feinstaub, die jüngst Fahrverbote in Deutschland zur Folge hatten und an deren Sinnhaftigkeit jüngst mehr als 100 Lungenfachärzte Zweifel äußerten. Nachdem Cramer erst reklamiert hatte, bereits die Masse von 70 000 wissenschaftlichen Gutachten, die den Standpunkt der WHO stütze, die Grenzwerte müssten sogar noch strenger werden, würde den kritischen Vorstoß entwerten, wies der Interviewer des DLF auf die Situation in den USA hin.

Dort gelten höhere Grenzwerte – und das, obwohl die US-amerikanische Umweltbehörde EPA regelmäßig noch deutlich restriktiver agiert als europäische Einrichtungen. Auf diesen Einwand antwortete Cramer mit den Worten:

Dass man unterschiedliche Positionen hat, das gehört dazu. Es gibt Leute, die leugnen den Klimawandel. Es gibt Leute, die leugnen den Holocaust. Es gibt Leute, die leugnen, dass Feinstaub und Feinstaubpartikel und CO2 und Stickoxide gesundheitsschädlich sind, das gehört dazu.“

Die Aussage hatte heftige Reaktionen zur Folge. In der „Bild“ übte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, scharfe Kritik an Cramer und erklärte:

Dieser Vergleich ist absolut indiskutabel und unerträglich. Am Sonntag war ich noch in Auschwitz. Das größte Menschheitsverbrechen in einem Atemzug mit Feinstaubpartikeln und der aktuellen Diesel-Diskussion zu bringen, überschreitet jede Grenze. Die Grünen scheinen jegliches Maß bei ihren Kampagnen zu verlieren.“

„Bin selbst enttäuscht von mir“

Cramer selbst ruderte gegenüber dem Boulevardblatt von seinem Vergleich zurück und meinte, keine Verharmlosung des Holocausts beabsichtigt zu haben:

Selbstverständlich kann man das Leugnen des Holocausts nicht in einen Zusammenhang stellen mit dem Leugnen des Klimawandels. Das war dumm und falsch von mir.“

Auch auf Facebook zeigte er sich in einem Beitrag reuig:

„Selbstverständlich kann man Menschen, die den Holocaust leugnen, nicht mit Menschen vergleichen, die den Klimawandel leugnen. Dass ich diese in einen Zusammenhang gebracht habe war dumm und falsch! Der Holocaust ist in seiner Dimension und Grausamkeit einzigartig und in keinster Weise beabsichtigte ich eine Verharmlosung der Gräueltaten der Nationalsozialisten. Der Einsatz für das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust sind der wichtigste Grund für mein politisches Engagement. Eine Relativierung dessen ist das Letzte, was ich möchte. Ich bedauere meine Aussage zutiefst, bitte dafür in aller Form um Entschuldigung und bin selbst enttäuscht von mir.“

Publizist Henryk M. Broder kommentierte auf der „Achse des Guten“ dazu:

Einen Tag zuvor, am Sonntag verharrte noch das ganze Land in einer Post-Auschwitz-Schockstarre, am Montag fand es wieder zur Normalität zurück. Es ist an der Zeit, Klimaleugnung ebenso unter Strafe zu stellen, wie es Holocaustlegung bereits ist. Falls dafür eine eigene Behörde nötig wäre, würde sich der Ex-Lehrer Cramer dafür bestens eignen. Und vielleicht bekommt er noch ein Bundesverdienstkreuz als Entschädigung dafür, dass er sich beim Radeln um den Verstand gebracht hat.“

Ob die Aussage Cramers nun dem – wohl eher nur bedingt geglückten – Versuch geschuldet war, im Gespräch originell rüberzukommen, ob er die damit verbundene Verharmlosung des Holocausts billigend in Kauf genommen hat oder ob er eine sogenannte „Dog Whistle“ an seine Anhänger richten wollte, bleibt unklar.

Nicht nur Dramatisierung als Ziel

Der erste Exponent der Ökologiebewegung, der einen Vergleich zwischen dem Holocaust und dem angeblich menschengemachten Klimawandel zieht oder Skeptiker dieses Narrativs in Dämonisierungsabsicht mit Holocaust-Leugnern in Verbindung bringt, ist er jedoch nicht. Und die sarkastische Bemerkung Broders über eine Strafverfolgung von „Klimaleugnern“ illustriert in diesem Zusammenhang möglicherweise mehr als nur ein Gedankenspiel mit Blick auf die politischen Ziele der Ökologiebewegung.

Während manche Anti-Abtreibungs- oder Tierschutzgruppen durch unüberlegte Holocaust-Vergleiche auf eine kontraproduktive Art und Weise versuchen, ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, steckt hinter Vergleichen von Klimaskeptikern mit Holocaust-Leugnern bei Wortführern der Ökologiebewegung oftmals mehr als nur das Bestreben, durch Dramatisierung Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Vor dem Hintergrund, dass die Leugnung des Holocausts in vielen Ländern der Welt eine strafbare Handlung darstellt, suggeriert die Herstellung einer Analogie zwischen Holocaust-Leugnern und Klimaskeptikern auch die vermeintliche Notwendigkeit, beide Gruppen von Gesetzes wegen gleich zu behandeln.

Im Jahr 2015 erklärte beispielsweise der frühere US-Vizepräsident Al Gore einem Bericht der „Chicago Tribune“ zufolge auf einem Unternehmertreffen, es sei erforderlich, „Klimawandelleugner“ zu „bestrafen“. Politiker sollten „einen Preis dafür bezahlen“, dass sie „akzeptierte Wissenschaft“ zurückwiesen.

Ob Gore damit einer – der US-Verfassung zufolge unzulässige – gerichtliche Bestrafung von Skeptikern biozentrischer Narrative wie der These vom „menschengemachten“ Klimawandel das Wort reden wollte, blieb ungeklärt.

Professor forderte Todesstrafe für „Klimaleugner“

Deutlich wurde demgegenüber ein Jahr später hingegen Wolf von Fabeck, Geschäftsführer des als gemeinnützig anerkannten Solarenergie-Fördervereins Deutschland e.V., der diesbezüglich eine Rechtslücke sieht. Da, wie er in einem Artikel auf der Seite des Vereins zum Ausdruck bringt, die „Verharmlosung des Klimawandels“ als „Menschheitsverbrechen“ betrachtet, hält er „wohl eine Ergänzung des Strafgesetzbuches“ für erforderlich.

Den UN-Weltklimavertrag von Paris hält er für eine taugliche Grundlage, um eine solche „Reform“ anzugehen. Denn: „Wenn es nicht gelingt, sehr schnell den ‚Brandstiftern‘ das Handwerk zu legen, dann sind wir verloren.“

Während sich von Fabeck damit begnügen möchte, Klimaskeptiker, die im öffentlichen Rampenlicht stehen, nur ins Gefängnis zu werfen, hielt Musikwissenschaftler (!) Richard Parncutt auch dies für nicht ausreichend, um die Menschheit vor dem vermeintlichen selbstgemachten Untergang zu bewahren.

Er meinte bereits 2012 in einem Beitrag auf seiner offiziellen Universitätsseite, Skeptiker der „menschengemachten Erderwärmung“ sollten zum Tode verurteilt werden, mit lediglich einer Begnadigungsoption zu lebenslanger Haftstrafe im Fall eines öffentlichen Widerrufs ihrer Thesen. Gleiches solle für Personen gelten, die sich als Befürworter der Lehren der Katholischen Kirche zur Sexualmoral outen, die den Gebrauch von Kondomen verwirft. Die „enorme Anzahl geretteter künftiger Leben“ durch eine solche Maßnahme würde diese Sanktion rechtfertigen.

Im Jahr 2050 würde man ihn, so Parncutt, für seine jetzt kontroversen Thesen öffentlich als couragierten Verfechter der Wahrheit und der Veränderung feiern. Die Universität Graz, an der er lehrte, distanzierte sich von den Thesen Parncutts und drohte ein Disziplinarverfahren an. Auch Parncutt selbst äußerte nach Bekanntwerden des Skandals Bedauern und nahm den Text von seiner Seite. Er unterrichtet allerdings bis heute.

Quelle: https://www.epochtimes.de/umwelt/klima/gruenen-politiker-bedauert-vergleich-von-klimaskeptikern-mit-holocaustleugnern-doch-er-war-nicht-der-erste-a2780101.html