Noch zwei Sommer bis zur Revolution? Forscher wollen Dienstreisen für „Klimaschutz“ beschränken

Von 3. Juli 2019 Aktualisiert: 3. Juli 2019 18:41
Grünen-Sprecherin Annalena Baerbock zufolge ist der diesjährige Sommer jetzt schon ein „Klimasommer“. Auch der Linguist Dr. Stefan Müller von der Humboldt-Universität geht davon aus und befürchtet, dass weitere heiße Sommer unkontrollierbare Proteste hervorrufen könnte. Mit einem „Forschungsstrejk“ will er der drohenden Katastrophe entgegenwirken.

Der Linguist Prof. Dr. Stefan Müller von der Humboldt-Universität Berlin ist enttäuscht darüber, dass der Rückhalt für die Klimaproteste von „Fridays for Future“ nicht breiter ist. Zwar genießen die „Schulstreiks für das Klima“, die von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg initiiert wurden, enorme Aufmerksamkeit in Medien und Politik. Dennoch erachtet Müller das Publikum bei den Protestkundgebungen als zu wenig breit gefächert.

„Im Februar habe ich meine Tochter zu einer Fridays-For-Future-Demonstration begleitet und mich gefragt: Warum sind hier fast nur Kinder und Jugendliche?“, schildert er in einem Beitrag auf der Seite der Hochschule. Die Erklärung, dass viele Schüler die Aufmärsche als willkommene Abwechslung zum Schulalltag betrachten, während viele Berufstätige es sich gar nicht erlauben könnten, sich eben mal vom Dienst abzumelden, um für eine Ideologie auf die Straße zu gehen, will er augenscheinlich nicht gelten lassen.

Der „Klimaschutz“ sei kein Thema, das ausschließlich Experten anginge, vielmehr sei ein „gesamtgesellschaftlicher Einsatz“ zur „Rettung des Planeten“ erforderlich.

Wir wollen erreichen, dass es aus der Gesellschaft breite Unterstützung für die Klimaproteste gibt“, erklärt Müller.

Das darf nicht nur von den Jungen gefordert, sondern muss von allen mitgetragen werden – vom Verkäufer über die Bankangestellte bis hin zur Arbeiterin und Hochschulprofessorin. Jeder und jede kann sichtbar werden. Während der Mittagspause oder wann auch immer.“

„Unsere Gesellschaft steht vor einem großen Umbruch“

Um mit eigenem Beispiel voranzugehen, haben Müller und einige andere zumeist im Beamtenverhältnis stehende Forscher den „Forschungsstrejk“ – hat nichts mit einem braven Soldaten zu tun, sondern ist von Gretas „Skolstrejk“ abgeleitet – ins Leben gerufen.

Er und sein Kollege Prof. Dr. Gisbert Fanselow von der Universität Potsdam positionieren sich nun im Rahmen ihrer Initiative „Wednesdays for Climate“ jeden Mittwoch zur Mittagszeit vor den Haupteingängen der Universitäten in Berlin und Potsdam – immerhin dürften sie optisch von allfälligen Teilnehmern möglicher Couleurbummel, die mancherorts um diese Zeit angesetzt sind, deutlich zu unterscheiden sein.

Waren zu Beginn lediglich Sprachwissenschaftler an den Zusammenkünften beteiligt, sollen nun auch Forscher aus anderen Disziplinen mit von der Partie sein. Da der derzeitige Sommer offenbar wieder die erforderlichen Qualifikationen für einen „Klimasommer“ (Annalena Baerbock) erfüllt, sieht Initiator Dr. Müller erhöhten Handlungsbedarf. Wird es in den kommenden Jahren im Sommer wieder so warm, könnte eine revolutionäre Situation entstehen, deutet der Forscher an:

Es kommen jetzt noch ein, zwei solcher Extremsommer, und spätestens dann werden sich die Proteste ausweiten. […] Ich glaube, unsere Gesellschaft steht vor einem großen Umbruch.“

Verantwortlich ist nach seiner Überzeugung die aktuelle Politik westlicher Industrienationen. Damit es gelingen kann, die Kontrolle über die Klimasysteme zurückzuerlangen, will Müller auch seine Kollegen dazu verpflichten, ihren Beitrag zu leisten.

Forscher fordern Aus für Kongresstourismus

Insbesondere das in deren Reihen verbreitete „hochfrequente Fliegen“ treibe die Emissionsbilanzen von Universitäten in die Höhe und trage damit zu einer Entwicklung bei, „die die letzten vier Jahre zu den heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemacht hat“. Für einen Meeresbiologen mag eine Studienreise auf die Malediven auf angenehme Weise Forschung und Erholung verbinden, ebenso mag ein Archäologenkongress in Kappadokien fachlich gerechtfertigt werden können – sie sind jedoch beide, dessen ist sich der Forscher sicher, für „Extremwetterlagen, Dürre und Überschwemmungen“ mitverantwortlich.

Um den internationalen Austausch unter Wissenschaftlern nicht ganz abreißen zu lassen, wollen die „Forschungsstrejk“-Protagonisten nun Lösungen finden. So soll das verstärkte Abhalten von Video- und Telefonkonferenzen das Reiseaufkommen reduzieren helfen, ohne die Forschungstätigkeit infrage zu stellen. Offenbar soll künftig ausreichen, dass nur ein Archäologe nach Kappadokien fliegt und den Kollegen zu Hause einen Eindruck von dortigen Ausgrabungen mittels GoPro-Cam vermittelt.

Auch wolle man eine „freiwillige Selbstverpflichtung von Forschenden“ erreichen: Diese sollen Strecken unter 1500 Kilometer künftig mit dem Zug zurücklegen. Aus der Studentenschaft soll es Zuspruch für die Anliegen der streikenden Forscher geben.

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