Pater Anselm Grün: Theologie und Betriebswirtschaft

Spirituelle Werte – der Schlüssel für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg
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Foto: The Epoch Times
Epoch Times26. Januar 2011

Interview mit Pater Anselm Grün:

Theologie und Betriebswirtschaft – das war am Anfang für mich eine Krise


The Epoch Times: Pater Anselm, mit 19 Jahren wurden Sie Benediktinerpater und seit mehr als 30 Jahren sind Sie Cellerar der Abtei Münsterschwarzach. Theologie und Betriebswirtschaft – wie passt das zusammen und wie sind Sie dazu gekommen?

Pater Anselm Grün: Gut, ich habe mit Theologie angefangen und dann kam der Abt auf die Idee, dass ich die Wirtschaftsverwaltung der Abtei Münsterschwarzach übernehmen solle. So habe ich dann Betriebswirtschaft studiert.

Das war am Anfang für mich eine Krise, aber jetzt merke ich, dass es ganz gut ist, die beiden Fächer zusammen zu haben. Denn für mich ist ganz wichtig, dass das Wirtschaften auch eine spirituelle Grundlage hat, das heißt, wie ich mit Menschen umgehe, wie ich mit Geld umgehe, das hat immer auch eine spirituelle Grundlage.

Manager können nur von Gewinnmaximierung her arbeiten oder sie versuchen ein Klima zu schaffen, wo die Menschen gerne arbeiten, wo sie das Leben wecken, wo sie ihnen ein Gefühl von Werthaltigkeit und Wertschätzung geben. Für mich gilt immer: Wertschöpfung durch Wertschätzung, indem ich die Menschen schätze und Werte achte, schöpfe ich auch auf Dauer finanzielle Werte.

The Epoch Times: Wie können spirituelle Werte in konkretem Verhalten, zum Beispiel im Umgang mit Geld, Menschen und Ressourcen, Gestalt annehmen?

Pater Anselm: Im Kloster Münsterschwarzach haben wir 300 Angestellte. Das ist auch eine Realität wie wir miteinander arbeiten und wenn es bei uns anders geht, dann wirkt es sich auch aus auf andere Menschen. Dann gewinnen wir 110 Prozent der benötigten Energien aus regenerativen Quellen, das ist ja auch Ansporn für die Menschen in unserer Umgebung, auf diesen Zug aufzuspringen.

Aus meiner Erfahrung als wirtschaftlicher Leiter des Klosters und Chef von 300 Angestellten kann ich auch glaubwürdig zu anderen Unternehmern sprechen.

Für mich ist ganz wichtig, dass ich die Menschen ermutige, ihren eigenen Werten zu vertrauen. Viele haben das Gefühl von Werten, werden aber von der Öffentlichkeit nicht ganz ernst genommen. Es ist mein Anliegen, mehr Selbstbewusstsein, mehr Selbstvertrauen zu fördern.

The Epoch Times: Bei vielen Menschen entsteht der Eindruck, es gäbe eine Trennung zwischen gelebten spirituellen Werten und Glauben und wirtschaftlichem Erfolg, dies sei unvereinbar. Dann gibt es Vorreiter wie Sie und Herrn Zeitz, die zeigen, dass beides sehr wohl möglich ist.

Pater Anselm: Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Firmen, die auf Dauer Werte achten, auch erfolgreicher sind. Aber viele glauben dem kaum. Deswegen ist es wichtig, dass die Menschen, die Werte achten und auch Erfolg haben, zeigen, dass es geht! Und, dieser Weg ist auf Dauer auch für die Menschen besser. Ich kann vielleicht kurzfristig ohne Werte mehr Geld verdienen, aber es geht auf Kosten der Menschen, auf Kosten der Umwelt. Ich muss auch nachhaltig mit meinen Kräften umgehen. Nur wenn ich letztlich auf einer inneren, spirituellen Grundlage arbeite, kann ich dauerhaft gut arbeiten. Wer powert und powert, der ist bald ausgepowert. Erschöpfung und Burnout sind für mich immer auch ein spirituelles Thema.

The Epoch Times: Ja, das ist es.

Fortsetzung:   2. Teil des Interviews mit Pater Anselm Grün

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