Stirbt der Mauerpark am ehemaligen Todesstreifen in Berlin jetzt einen Klima-Tod?

Epoch Times1. Juni 2019 Aktualisiert: 1. Juni 2019 23:07
Auch wenn gerade der Berliner Mauerpark Touristen als Reiseziel empfohlen wird, werden keine Volksfeste mehr in den Pankower Parks genehmigt - wegen den Folgen des Klimawandels. Bezirksbürgermeister Benn (Linke) verlangt eine eingeschränkte Nutzung, beispielsweise gegen Eintrittsgeld.

Bereits seit Frühjahr werden Volksfeste in den Pankower Parks nicht mehr genehmigt, zum Schutz des Stadtgrüns – vor den Folgen des Klimawandels. Aufgrund zunehmender klimatischer Veränderungen und extremer Wetterlagen hätten die natürlichen Belastungen deutlich zugenommen, sagte Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke) laut „Berliner Morgenpost“.

Dabei wird gerade der Berliner Mauerpark den Touristen in Reiseführern empfohlen. An manchen Sonntagen strömen mehrere Zehntausend Parkbesucher in den früheren Todesstreifen zwischen Eberswalder Straße und Gleimtunnel.

Um diesen Besucheransturm nun einzudämmen, gibt es erste Überlegungen. So denke man über Eintrittsgelder für die Parkbesucher oder Einlassbeschränkungen nach. So sieht es das „Tourismuskonzept Pankow 2018“ vor, das von der BTE Tourismus- und Regionalberatung im Auftrag des Bezirksamtes erstellt hat.

Als wesentlicher Punkt ist im Konzept die „Sicherung der Aufenthaltsqualität der Stadt“ benannt. Es entstünden „Konflikte, durch die sich viele Anwohner mehr und mehr zurückgedrängt und in ihrem Alltag beeinträchtigt fühlen“, hieß es im „Tagesspiegel“. So hätte es etwa in der Vergangenheit „massiv Anzeigen wegen Lärmbelästigung“ gegeben, sagte Pankows Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (parteilos/für AfD) im September 2018 laut „Tagesspiegel“.

Zur Steuerung von „lokalen Overcrowding-Effekten“ (overcrowding = Überlastung) und deren Folgen soll darüber hinaus eine „lokale Konferenz Bürger und Tourist zur Erarbeitung gemeinschaftlicher Lösungen“ stattfinden.

Eintrittsgeld für Park

Laut „Tourismuskonzept Pankow 2018“ könnten die angedachten Eintrittsgelder zum Teil für die „Infrastrukturpflege des Parks“ aufgewendet werden, der andere Teil des Geldes könne in Form eines Gutscheins bei „teilnehmenden Leistungsträgern und im Einzelhandel als Rabatt eingelöst werden“.

Wie tatsächlich sich eine Einnahme von Eintrittsgeldern realisieren lässt, ist fraglich. Denn dazu müsste das Gebiet eingezäunt werden.

Kein Mensch will den Mauerpark einzäunen“, widersprach Matthias Zarbock, der Vorsitzende der Linksfraktion laut „Berliner Morgenpost“.

Das sei nur eine Idee. In jedem Fall sollten Grünanlagen als „offene, nicht kommerzielle Orte“ erhalten bleiben.

Das Konzept mit „Spaß am Besonderen“ will „Flugverkehr eliminieren“

Ziel des 244 Seiten umfassenden Dokument sei es, „ein individuelles und qualitativ auf die Region zugeschnittenes Tourismus-Entwicklungskonzept, das „Spaß am Besonderen“ erkennen lässt, zu erarbeiten“.

Dazu wurden in dem Konzept folgender Handlungsbedarf konkretisiert:

  • Ausbau von Radwegen („Der Mauerradweg ist derzeit an einigen Stellen eine Zumutung!“)
  • Andere Busparkplätze als der Wohnbezirk
  • Durchsetzung des Zweckentfremdungsverbots
  • Bessere Müllbeseitigung
  • Einschränkung des Tourismus
  • Entwicklung von touristischen Zielen, wie beispielsweise die Arkenberge als höchste Erhebung Berlins
  • Flugverkehr eliminieren
  • Bahnhof Pankow komplett sanieren und neu gestalten
  • Haltung, Stärkung, Erweiterung der Grünflächen und Naturangebote
  • Rollkofferverbot
  • Tourismus und Einheimische miteinander verbinden
  • Tourismus und Anwohneranliegen in Einklang bringen.

Die Wünsche der Konzeptersteller für die Tourismusentwicklung sind unter anderem:

  • Digitalisierung vorantreiben
  • Nachhaltige Finanzierung des TIC (Tourist Information Center)
  • Ausbau der Radwege
  • Dass der Tourist kein Partytourist, sondern ein an Berlin kulturell und historisch interessierter Tourist ist
  • Barrierefreie Angebote/Infrastruktur
  • Verbesserte Fahrradinfrastruktur
  • Positionierung als Vorreiter für nachhaltige Tourismus-Angebote
  • Heterogene, qualitative Angebote

Zugrunde liegt dem Konzept (siehe Seite 212) eine Umfrage, an der ursprünglich 617 Personen teilgenommen hatten. Sie hatten jeweils im Internet den Fragebogen angeklickt. 346 von ihnen haben dann tatsächlich begonnen, den Fragebogen auszufüllen. Davon waren 51 Personen „keine Einwohner und touristischen Akteure bzw. Unternehmer im Bezirk Pankow“. 103 dieser Personen haben den Fragebogen abgebrochen.

Lediglich 192 Personen haben bis zum Ende durchgehalten. „Sie bilden die Grundlage der Auswertung“, heißt es im Konzept.

Der Großteil der Befragten, nämlich fast 70 Einwohner, kamen vom Prenzlauer Berg, ungefähr 35 aus Pankow. Sie bilden die breite Masse, denn schließlich sind das immerhin die Hälfte der Befragten. Dabei hat allein Pankow (Stand 30. Juni 3012) über 400.000 Einwohner. Immerhin stimmten 55 Prozent der 192 Befragten zu, dass „Der Bezirk Pankow vom Tourismus profitiert“. (sua)

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