Die Mexikanische Rotknie-Vogelspinne verteidigt sich, indem sie mit Widerhaken versehene Brennhaare ausbürstet. (Stephen Dalton)

Sympathie für haarige acht Beine

Von 18. September 2009 Aktualisiert: 18. September 2009 22:26
Spinnen — Das neue Buch des Meisters der High-Speed-Fotografie: Stephen Dalton

„Ganz gleich, wo wir gerade sind – in nächster Nähe befindet sich höchstwahrscheinlich mindestens eine Spinne.“ Stephen Daltons Einleitung seines Buchs „Spinnen: Die erfolgreichen Jäger“ ist schonungslos für alle, die aufschreiend ihre Beine in die Hand nehmen, sobald sie acht Beine sehen. Auf den letzten Seiten des Buches, im Nachwort, verrät der Autor, dass er selbst jahrzehntelang an Arachnophobie (Spinnenangst) litt. Noch immer erschrecke er sich bei großen, schnellen Spinnen, doch schnell siege dann die Vernunft und die Leidenschaft für die Natur. So lesen wir in seinen Beschreibungen, die Spinnen seien „elegant wie eine Raubkatze“, „prachtvoll“ oder „bezaubernd“.

Entzückend und possierlich

Am einfachsten sei es laut Dalton – selbst für hartgesottene Arachnophobiker – sich mit den „entzückenden kleinen Springspinnen“ anzufreunden: „Es ist geradezu possierlich, wie die Spinnen uns beobachten, ja manchmal jede Bewegung verfolgen und dabei den Kopf schräg legen, heben oder senken.“ Dass sie sich hüpfend auf Stechmücken und Blattläuse stürzen, könnte ein weiterer Grund für Sympathie sein.

Willkommen müsste uns auch die Scotophaeus blackwalli sein, eine Plattbauchspinne, die uns nachts vor manchem Mückenstich bewahrt, indem sie an der Zimmerwand patroulliert. Nur sei geraten, die Kleidung nicht achtlos in die Ecke zu werfen oder sie zumindest vor dem Ankleiden auszuschütteln, da diese Spinne sich gern nach ihren nächtlichen Ausflügen in solchen Kleiderhaufen verbirgt. Es mag sein, dass sie einen zwickt, wenn sie sich aus dem Schlummer gerissen in einer Achselhöhle wiederfindet.

Gruseln

Obwohl man weiß, dass der Mensch nicht zu ihrem Beuteschema gehört, gruseln sich sogar Spinnenexperten vor der Großen Winkelspinne, etwa wenn sie mit ihrer Bein-Spannweite von bis zu zehn Zentimetern in der Badewanne sitzt. Für gewöhnlich bleibt sie in ihren Versteck, doch im Herbst schauen sich die Herren halt nach einer Spinnendame um. Dabei werden sie manchmal das Opfer einer weiteren Spinnenart, der man so eine fette Beute gar nicht zutrauen würde: Die spindeldürre, langbeinige Zitterspinne, die manchmal tagelang regungslos in ihrem Netzgespinst an der Zimmerdecke sitzt (bis wir den Staubsauger holen, weil das Gespinst eingestaubt ist). Mit ihren langen Beinen schleudert sie aus sicherer Entfernung Spinnfäden über ihr Opfer. Dalton schreibt: „In Nordamerika scheut sie nicht einmal vor der Schwarzen Witwe zurück!“

Der gefürchtete Biss

Der Biss der großen, haarigen Vogelspinnen sei laut Dalton zu unrecht gefürchtet, da das Gift der meisten Arten beim Menschen kaum wirke. Ärgern sollte man die als Taranteln bezeichneten Tiere trotzdem nicht: Zur Verteidigung bürsten Vogelspinnen kleine Brennhaare aus ihrem Hinterleib. Diese Härchen haben kleine Widerhaken, reizen die Haut und wenn sie in die Augen geraten, soll das zu vorübergehender oder bleibender Blindheit führen.

Die meisten Spinnen sind harmlos. Dalton beschreibt, welche Spinne mal zwickt und vor welcher Art wir tatsächlich die Finger lassen sollten. Im Grunde haben die meisten Spinnen mehr Furcht vor uns als wir vor ihnen. Zur Wolfspinne Arctosa perita schreibt Dalton: „Um Filmaufnahmen von ihr zu machen, musste ich flach im Sand liegend stundenlang bewegungslos verharren. Schon das Krümmen eines Fingers ließ die Spinne in ihre Röhre flüchten.“

Spinnen ‒ Die erfolgreichen Jäger: Stephen Dalton, Gebundene Ausgabe, 208 Seiten, Haupt Verlag, 1. Auflage vom 1. April 2009, ISBN-10: 3258074453, ISBN-13: 978-3258074450, Originaltitel: Spiders. The Ultimate Predators, Format: 28,4 x 22 x 1,8 cm, Preis: EUR: 29,90Spinnen ‒ Die erfolgreichen Jäger: Stephen Dalton, Gebundene Ausgabe, 208 Seiten, Haupt Verlag, 1. Auflage vom 1. April 2009, ISBN-10: 3258074453, ISBN-13: 978-3258074450, Originaltitel: Spiders. The Ultimate Predators, Format: 28,4 x 22 x 1,8 cm, Preis: EUR: 29,90

Ausgefeilte Jagdstrategien

Das Hauptthema des Buches sind die erstaunlichen Jagdtechniken der Spinnen: Wolfspinnen etwa jagen im schnellen Lauf, „vergleichbar einem Geparden bei der Antilopenjagd“. Dalton beschreibt wie Spinnen ihren Opfern Fallen stellen, ihnen auflauern, sie mit giftigem Leim bespucken oder den Spinnfaden als Lasso benutzen. Es gibt eine tropische Springspinnenart, die ahmt den Balzcode eines Netzspinnenmännchens nach, den jene ins Netz ihrer Angebeteten tippen. Kommt die paarungsbereite Dame hervor, um ihren vermeintlichen Geliebten zu empfangen, wird sie angesprungen und verspeist.

Neidisch auf den seidenen Faden

Mit bis zu sechs unterschiedlichen Spinndrüsen produzieren Spinnen allerlei Seidenarten:
zum Einwickeln ihrer Beute, für Eikokons, für Netze, für Schleppleinen, Sicherheitsleinen, klebrigen Leim … Geradezu neidisch sind Wissenschaftler auf dieses Material. Wie gern würde man es nachbauen: Es dehnt sich bis zur dreifachen Länge und ist fünfmal belastbarer als Stahlseile desselben Durchmessers.

Brillante Detail-Aufnahmen

Brillant sind die 250 gestochen scharfen Nahaufnahmen, die Dalton mit seiner Hochgeschwindigkeitskamera eingefangen hat. In zigfacher Vergrößerung erkennt man problemlos die Spinnwarzen oder die Krallen am Ende der Beine, mit denen sich die Spinnen am Seidenfaden festhalten. Und man kann den Spinnen auf den Bildern in die Augen schauen, wobei manche Arten mit ihren Knopfaugen geradezu niedlich wirken – man muss sich nur entscheiden, in welche der drei bis vier Augenpaare man schauen will. Tatsächlich entdeckt man in diesen Aufnahmen sogar die Schönheit mancher Art. In einem Extra-Kapitel gibt Dalton ausgiebig Tipps, wie man selbst gelungene Aufnahmen von Spinnen machen kann.

Schwierig für Querleser sind einzelne Fachbegriffe, die nur bei der ersten Verwendung erklärt werden. Doch die phänomenalen Bilder, die eingestreuten privaten Anekdoten des Autors und seine erfrischend liebevolle Betrachtungsweise der rufgeschädigten Tiere machen das lehrreiche Buch zu einer kurzweiligen Lektüre.

Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 35/09

 


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