Ein Mitglied der Lisu Bergstämme pflückt Thai Arabica Kaffeebohnen auf der Thai High Kaffeefarm in Phrao, Nord-Thailand.Foto: Paula Bronstein / Getty Images

Warum „fair trade“-Kaffee wahre Genießer braucht

Von 3. Juli 2015 Aktualisiert: 3. Juli 2015 15:10

Rund sechzig Kaffeebohnen machen eine Tasse Kaffee aus. Ca. 140 Liter Wasser sind verbraucht worden, bis diese Tasse Kaffee von uns innerhalb von wenigen Minuten ausgetrunken wird.

Kaffee ist das wohl am meisten importierte Produkt überhaupt, weil wir nicht die klimatischen Bedingungen besitzen um es selber anbauen zu können. Die Kaffeebohne wächst in Südamerika, Äthiopien, Afrika und Indien, also in den Ländern, in denen es besonders heiß und trocken ist. Aber es muss auch ein Zusammenspiel von Hitze und Feuchtigkeit geben. Guter Kaffee benötigt beides, Sonne wie Regen, aber nur im rechten Maß. Kaffeepflanzen brauchen tropisches Wetter. Alles Bedingungen die wir in Europa so nicht vorfinden.

Trotz hohem Export wurden die Kaffeebohnenpflücker jahrelang mit einem Hungerlohn abgespeist und in vielen Anbaugebieten ist es auch so geblieben. Die Ernte per Hand ist mehr als mühsam. Das ist tropische Wertarbeit unter extremen Bedingungen, wenn man sich überlegt, dass jede einzelne Bohne gepflückt werden muss.

Die Ureinwohner Mittel- und Südamerikas schuften als billige Arbeitskräfte auf den Kaffeeplantagen. Noch vor Sonnenaufgang machen sie sich von ihren kargen Unterkünften auf in Haine, in denen Tausende Kaffeebäume nebeneinander stehen. In Ländern wie Kolumbien müssen sie oft hohe Berge zu Fuß erklimmen, bis sie die endlosen Plantagen erreichen, da es kein Verkehrsmittel dorthin schafft. Frauen wie Männer tragen an ihrem Gürtel Macheten, um sich ihren Weg freizuschlagen, einen Eimer um den Bauch geschnallt, den sie dann stundenlang mit den reifen Früchten füllen. Die Indios pflücken in mühevoller Arbeit die roten Kaffeekirschen von den Bäumen, dann werden diese gesiebt, um so die Früchte von den Zweigen zu trennen. Diese müssen aber auch noch sorgfältig ausgesucht werden, das heißt, da werden die roten und damit reifen Kaffeekirschen aus den grünen und damit unreifen aussortiert, denn eine einzige schlechte Bohne kann den Geschmack der ganzen Tasse ruinieren.

Ein guter Pflücker schafft vielleicht 140 Kilo am Tag. Die muss er noch schleppen und dann zum Trocknen wieder ausleeren. Danach wird das Fruchtfleisch vom Kern gelöst, wobei das in unterschiedlichen Methoden gehandhabt wird. Entweder trocknen die gepflückten Kaffeekirschen auf großen Planen in der Sonne, bis sich das helle Rot schwarz färbt, erst dann wird das Fruchtfleisch abgeschält. Oder das Fruchtfleisch wird mit einer einfachen Maschine gleich vom Kern getrennt. Nach diesem Procedere werden die Fruchtkerne dann ebenfalls in der Sonne getrocknet. Erst danach ist die Metamorphose in eine wertvolle Kaffeebohne beendet, die dann geröstet wird.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Plantagenarbeiter am Tag 4,50 Euro verdient. Sie leben mit ihren Familien deswegen oft an der Armutsgrenze, obwohl sie den ganzen Tag schuften.

Seit 2008 Jahr hat z. B. die äthiopische Regierung deswegen veranlasst, die internationalen Handelsrechte an äthiopischem Kaffee schützen zu lassen. So sollten die Bauern einen größeren Anteil an den Verkaufspreisen in Europa und Amerika zugeteilt bekommen. Ob das dann allerdings an die Bauern wirklich ausgezahlt wird, ist hier noch die Frage.

Von daher sollte der Endverbraucher überprüfen, seinen Kaffee von Fair-Trade-Anbietern zu kaufen. Fair Trade bedeutet fairen Handel, soziale Verantwortung für alle Beteiligten und den Verkauf zu gerechten Preisen und garantiert eine gemeinsame Qualitätssicherung. Der Begriff wurde 1975 von der Dachorganisation GEPA 1975 geprägt: Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH. Mit dem Kauf von Fair-Trade-Produkten sichert der Endverbraucher den Produzenten einen auskömmlichen Mindestlohn. Damit wird ihnen ein Leben in Würde ermöglicht, zudem können langfristige Handelsbeziehungen aufgebaut und mit dem erwirtschafteten Geld wiederum soziale Projekte finanziert werden, und vor allen werden die Rechte von Kindern gesichert.

…vielleicht sollte man mal wieder die Philosophie des Kaffee-Trinkens auf sich wirken lassen.

Nicht umsonst wird in vielen arabischen Ländern die Kaffeezeremonie durchgeführt, bei der sich Freunde und Verwandte mindestens einmal am Tage treffen und das heiß-süße Elixier genießen. Will man ein fremdes Volk und seine Menschen kennen lernen, so sollte man mit ihnen Kaffee oder Tee trinken. So kann ein kleiner Einblick in die Welt hinter dem Vordergründigen erhascht werden. Auch das Procedere des Zubereitens bestimmt die Qualität eines guten Kaffees. Das langsame Mahlen zerhackt nicht einfach die Bohne, so wie es in den modernen elektrischen Kaffeemühlen geschieht, sondern mahlt diese gleichmäßig. Die Super-Hightechmaschinen erzeugen zudem eine künstliche Hitze, die sich nachteilig auf das Kaffeearoma sowie Öle und Zucker auswirkt.

…vielleicht sich einfach mal wieder hinsetzen, die Bohnen selber mahlen und mit Genuss seinen Kaffee trinken.



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