Tretboote und Stand-Up-Paddler sind auf dem Kiessee bei Göttingen unterwegs.Foto: Swen Pförtner/dpa

Sommerwetter: Hitzerekord 38,9 Grad in Rheinland-Pfalz – Gewittergefahr steigt – Ab Montag Temperatursturz

Epoch Times28. Juni 2019 Aktualisiert: 30. Juni 2019 16:33
Der Wetterdienst rechnet für Sonntag mit bis zu 39 Grad und einer "starken Wärmebelastung" im ganzen Land. Ab Montag gehen die Temperaturen zurück, im Norden fallen die Werte teilweise unter die 20-Grad-Marke. Im Süden drohen schwere Gewitter. Ansonsten erwartet uns angenehmes Sommerwetter.

Hitze-Rekord für Juni am letzten Tag des Monats: In Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz sind am Nachmittag 38,9 Grad gemessen worden, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Damit wurde die bisherige Höchstmarke von 38,6 Grad vom vergangenen Mittwoch im brandenburgischen Coschen und im sächsischen Bad Muskau bereits wieder geknackt.

Der Allzeit-Temperaturrekord von 40,3 Grad für Deutschland blieb aber noch unerreicht.

Die Aussichten

Am Wochenende wird es erneut heiß, vor allem im Südwesten Deutschland seien hohe Temperaturen bis an die 38 und 39 Grad zu erwarten. Die Meteorologen warnen vor hoher UV-Belastung. Möglich sind die hohen Temperaturen bis zu 39 Grad nach Auskunft des DWD in einem breiten Streifen von Ostdeutschland bis ins Rhein-Main-Gebiet und an den Oberrhein. Im Nordwesten werden gemäßigtere 25 bis 32 Grad erwartet.

Der Wetterdienst rechnet für Sonntag mit bis zu 39 Grad und einer „starken Wärmebelastung“ im ganzen Land. Dabei drohten insbesondere im Westen, in den Mittelgebirgen und am Alpenrand Gewitter.

Die höchste Temperatur am Samstag wurde laut DWD mit 36,2 Grad im niedersächsischen Lingen gemessen. Auf Platz 2 und 3 kamen die beiden rheinland-pfälzischen Städte Trier (35,9 Grad) und Andernach (35,0 Grad).

Nach der Wetterdienst-Vorhersage gehen die Temperaturen ab Montag schrittweise zurück, außer im Norden sehe es nach schönem Sommerwetter bei 24 bis 29 Grad aus.

Durch die andauernde Hitzewelle sind in Frankreich drei weitere Menschen gestorben. Wie am Samstag bekannt wurde, hatten bereits am Donnerstag zwei Menschen im ostfranzösischen Cernay tödliche Schwächeanfälle erlitten.

Einen weiteren hitzebedingten Todesfall meldeten die Behörden im südfranzösischen Département Vaucluse, wo seit Freitag sechs Menschen wegen den Folgen von Temperaturen von weit über 40 Grad im Krankenhaus behandelt werden mussten.

Temperatursturz um örtlich mehr als 10 Grad zu erwarten

Die Meteorologen warnten vor hoher Wärme- und UV-Belastung. Ungewöhnlich kühle 17 bis 24 Grad lassen dann Ostseeurlauber in den ersten Julitagen schon fast frösteln. Dazu steigt die Gewittergefahr: Südlich der Donau ist am Montag mit Unwettern zu rechnen.

Derartige Hitzewellen gehen meist mit Gewittern zu Ende. Am Montag entwickeln sich weitere Gewitter im Südosten, es kann zu Starkregen, Sturmböen und Hagel kommen. An den Küsten sind zeitweise stürmische Böen zu erwarten. Auch am Dienstag kann es noch im äußersten Süden zu Unwettern kommen.

Zuvor ist bei 33 bis 39 Grad noch einmal Schwitzen angesagt, nur im Nordwesten werden gemäßigtere 25 bis 32 Grad erwartet. DWD-Meteorologin Jacqueline Kernn rief dazu auf, die starke Mittagssonne zu meiden und besonders auf Ältere, Kranke sowie Kinder zu achten. „Sie haben oft ein gestörtes Wärmeempfinden und können die Gefahr eines Sonnenstichs oder Hitzschlags nicht erkennen“, sagte Kernn. UV-Strahlung erhöht auch das Risiko von Hautkrebs.

Arbeitgeber fordern weniger Tempo

Ärztepräsident Klaus Reinhardt forderte angesichts der hohen Werte in den vergangenen Tagen Hitzepausen. „Arbeitgeber sollten es aus Fürsorge für ihre Mitarbeiter ermöglichen, dass bei extremer Hitze das Tempo gebremst wird“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Industriegewerkschaft BAU beklagte, es gebe zwar Regelungen, diese würden aber von zahlreichen Bauunternehmern gebrochen.

Hitzewellen bedeuten Experten zufolge für ältere Menschen ab 75 Jahren ein hohes Risiko. Mit einer aktuellen Zunahme der Todesfälle in Deutschland wegen der Juni-Hitze sei zu rechnen, sagte Matthias an der Heiden vom Robert Koch-Institut. Studien zeigen, dass solche Perioden in den vergangenen Jahren in Deutschland für Tausende Todesfälle gesorgt haben.

Oberbayern schickt Feuerwehr-Flieger zur Beobachtung aus

Wegen der Hitzewelle und der hohen Waldbrandgefahr setzt die Bayern in Oberbayern Flieger ein, die bedrohte Wälder beobachten soll. Die Flieger starten jeweils nachmittags am Sonntag, 30. Juni, und am Montag, 1. Juli.

Vor allem sollen keine offenen Feuer in einem Abstand von 100 Metern zu einem Waldgebiet entzündet werden.

In Berlin setzt die Polizei Wasserwerfer mit 10.000 Liter Fassungsvermögen ein, um ihren Baumbestand zu gießen.

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Die anhaltende Hitze lässt keinen Platz mehr für Schüchternheit und darum verpassen unsere Sprengmeister vom Blauflächenamt heute mal dem Grünstreifen an der Bornholmer Straße eine kalte Dusche“, twittert die Berliner Polizei.

Der Juni war bisher etwas zu trocken

Der Juni war bisher der wärmste und sonnigste seit Beginn flächendeckender Wetteraufzeichnungen in Deutschland vor fast 140 Jahren. Nach einem zu nassen Mai sei der Juni zudem deutlich zu trocken ausgefallen. Mit 19,8 Grad Celsius lag der Temperaturdurchschnitt den Angaben zufolge um 0,4 Grad über dem bisherigen Temperaturrekord aus dem Jahr 2003.

Im langfristigen Vergleich habe die Durchschnittstemperatur im Vergleich zur international gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990 um 4,4 Grad höher gelegen und im Vergleich zur wärmeren Periode 1981 bis 2010 um vier Grad.

Mit einem Niederschlag von nur rund 55 Litern pro Quadratmeter erreichte der Juni laut DWD zudem nur 64 Prozent der für diesen Monat üblichen Regenmenge. Mit rund 300 Stunden Sonnenschein sei die Sonnenscheindauer gleichzeitig um etwa fünfzig Prozent höher gewesen als das Soll von 198 Stunden. Damit sei der bisherige Juni-Sonnenrekord von 1976 mit damals 287 Stunden deutlich übertroffen worden. Am sonnigsten war es in Ostdeutschland mit bis zu 370 Sonnenstunden.

Fünf Tote bei Hitzewelle mit Rekordtemperaturen in Europa

Durch die Rekord-Hitzewelle in Europa sind in den vergangenen zwei Tagen fünf Menschen gestorben.

Im südspanischen Andalusien erlitt unterdessen ein 17-jähriger Erntehelfer einen tödlichen Hitzschlag, in der Stadt Valladolid im Norden Spanien brach ein 93-jähriger Mann ebenfalls nach einem Hitzschlag auf der Straße tot zusammen.

Am Freitag erlitt in der Nähe von Rennes im Westen Frankreichs ein 33-jähriger Dachdecker einen tödlichen Schwächeanfall, als er auf einem Dach bei 35 Grad im Schatten seiner Arbeit nachging. In Italien starb ein 60-jähriger Gerüstbauer, der einen Tag zuvor in Rimini während der Arbeit zusammengebrochen war.

Bereits am Donnerstag war ein 72-jähriger Obdachloser in der italienischen Stadt Mailand gestorben.

45,9 Grad Celsius – neuer Hitzerekord in Frankreich gemessen

45,9 Grad Celsius wurde am Freitag der höchste jemals in Frankreich gemessene Wert registriert, wie das Meteorologie-Institut Météo France mitteilte. Er wurde demnach aus Gallargues-le-Montueux im südlichen Département Gard gemeldet.

Der bisherige Hitzerekord in Frankreich war im August 2003 mit 44,1 Grad Celsius gemessen worden. Dieser Wert wurde am Freitag mehrfach übertroffen: Zunächst wurden im südlichen Carpentras am frühen Nachmittag 44,3 Grad Celsius gemessen. Kurz darauf wurden aus Villevieille in Gard 45,1 Grad Celsius gemeldet.

Für vier Départements im Süden Frankreichs, darunter auch in Gard, galt angesichts der Hitzewelle erstmals Alarmstufe „rot“ und damit besondere Schutzmaßnahmen gegen die Hitze. Besonders alte Menschen und kleine Kinder gelten als gefährdet: Im August 2003 wurden in Frankreich rund 15.000 Todesfälle mit der Hitze in Verbindung gebracht.

Wegen der Hitze haben in Frankreich Tausende Schulen geschlossen. Heute hätten 4000 Schulen nicht geöffnet oder eine Notfallbetreuung eingerichtet, teilte Frankreichs Premier Édouard Philippe mit. Er rief die Bevölkerung auf, wachsam und vorsichtig zu sein – und auch auf Familienmitglieder und Nachbarn zu achten.

Auch in anderen Städten der Mittelmeerregion wie Sète und Nîmes wurden Temperaturen deutlich über 40 Grad erwartet.

Die Regierung appellierte an Autofahrer, auf nicht notwendige Fahrten zu verzichten. Die französische Bahngesellschaft bot kostenlose Stornierungen von Tickets für das gesamte Wochenende an.

Spanien: Großer Waldbrand in Katalonien

Seit Tagen leiden weite Teile des Landes unter einer für Juni unüblichen Hitze mit Temperaturen von über 40 Grad Celsius. Nach Angaben der Wetterdienste dürfte sie bis Samstag andauern. Im Nordosten des Landes gilt bereits höchste Hitze-Warnstufe. 34 der insgesamt 50 Provinzen, darunter vor allem in Katalonien, warnen zudem vor Waldbränden.

In der südkatalanischen Provinz Tarragona versuchten hunderte Feuerwehrleute den dritten Tag in Folge, einen verheerenden Waldbrand in den Griff zu bekommen. Immer wieder angefacht von starken Winden, zerstörten die Flammen bereits über 6500 Hektar Land. Dutzende Menschen, darunter auch Engländer und Deutsche, wurden in Sicherheit gebracht.

Auslöser war offenbar eine Hühnerzucht der Gemeinde Torre del Español: Nach Angaben der Forstbehörde geriet der dort angesammelte Hühnerkot in der Hitze in Gärung und entzündete sich dabei selbst. (ks/mit Material von afp)