Sojabohnen und Blumen wachsen in einem Feld von einem Bio-Bauernhof in Freimersheim in der Nähe von Alzey, Südwest-Deutschland, September 26, 2013. Davon kann man in Argentinien und Brasilien nur träumen. Dort ist das Ackerland für Gen-Soja von Pestiziden verdorben und die Rate an Lungenbeschwerden und Krebsleiden hat unter der einheimische Bevölkerung stark zugenommen.Foto: DANIEL ROLAND / AFP / Getty Images

Wie Gen-Soja Anbau alle krank macht

Von 28. Juli 2015 Aktualisiert: 28. Juli 2015 17:38
Pestizid-resistente Soja-Bohnen werden in Argentinien derart heftig besprüht, dass nicht nur die Äcker zerstört werden, sondern auch die Bevölkerung in der Umgebung häufiger an Krebs leidet.

Schon längst hat die seit Jahrtausenden im asiatischen Raum genutzte Sojabohne, und das Wissen um den Mehrwert dieser Pflanze, auch in Europa ihren festen Platz im Speiseplan gefunden. Besonders für Frauen wird Glycine max empfohlen, soll diese Bohne doch angeblich vor den unerwünschten Nebeneffekten und Problemen während der Wechseljahre schützen.

Diese Frucht, die sich durch ihren hohen Öl- und Eiweißgehalt auszeichnet, wird vor allen Dingen in der veganen Küche aufgrund ihrer Proteine geschätzt, weil diese jenen tierischen Eiweißen sehr ähnlich sind. Die beige Bohne wird zu Tofu verarbeitet, ist allerdings auch in kleinsten Bestandteilen bereits in Margarine, Speiseeis und Fertiggerichten enthalten. Soja wird jedoch am allermeisten zu Bio- Sprit und zu Tierfutter verarbeitet.

Da der Fleischkonsum in China in den letzten Jahren rasant gewachsen ist, wird selbst nach Ostasien hin Soja exportiert. Marktführend hier ist Argentinien. Schon längst haben aber auch andere Länder und Kontinente alles dran gesetzt Soja anzubauen. Dieser Wirtschaftsboom vervierfachte den Weltmarktpreis für Soja während der vergangenen 15 Jahre.

Genmanipulation auf höchster Ebene

Seit 1996 wurde flächendeckend der Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut möglich, und seitdem brach der wirtschaftliche Krieg um dieses Gen-Soja aus, mit dem weltweit gehandelt wird.

Monsanto, einer der größten Konzerne für die chemische Herstellung von Pestiziden wie z.B. Flumetsulam, Stinger oder Glyphosat ist gerade dabei, eine neue transgene Sojabohne zu entwickeln. Ihre Bezeichnung: MON 87708 x MON 89788.

Diese Bezeichnung verdeutlicht umso mehr, dass es sich hier nicht mehr um ein natürliches Produkt handeln kann. Diese neu erschaffene Sojabohne ist gleich gegen zwei Spritzmittel resistent. Einerseits gegen das mittlerweile bekannt gewordene Glyphosat, ein Unkrautvernichtungsmittel, das die Felder „sauber“ macht und hält.

Und sauber bedeutet: Unkrautbereinigt. Hier wächst kein Halm und kein Kraut mehr. Nichts, was die Natur von sich aus hervorbringt, hat hier eine Chance zu gedeihen. Nun können die Felder mit genmanipuliertem Sojaanbau dermaßen bespritzt werden, da das dem Saatgut angeblich nichts mehr anhaben kann.

Nur dass damit die Umwelt, der Boden, das Grundwasser und die Luft verschmutzt und vergiftet werden, das scheint hier aber keinen mehr zu stören. Was tatsächlich dieses genmanipulierte Zeug mit uns macht, auch das scheint sehr viele, die nur an dem wirtschaftlichen Gewinn interessiert sind, nicht zu interessieren.

Glyphosat wurde nach mehreren Tests von der WHO als „möglich krebserregend“ eingestuft. Das andere Unkrautvernichtungsmittel, wogegen die Genbohne ebenfalls resistent ist, heißt Dicamba. Dicamba wird in den Pflanzen unter anderem zu Formaldehyd abgebaut. Seit Jahren ist bekannt, dass diese Chemikalie Karzinome entstehen lassen kann.

Es ist zum ersten Mal möglich, dass diese beiden Spritzmittel im Doppelpack beim Anbau von Soja eingesetzt werden, und zwar schon direkt im Saatgut.

Passend zum Streit über TTIP, lockert die EU weiterhin Gesetze und Bestimmungen in Richtung USA. Die EFSA – europäische Lebensmittelbehörde – stuft die gentechnisch veränderte Soja-Pflanze als sicher ein. Bis heute können keine Langzeitstudien belegen, welche möglichen gesundheitlichen Risiken genmanipulierte Nahrung in sich birgt.

Denn seit Mitte der Neunzigerjahre wird auch Europa mit genmanipulierten Produkten belastet. Mittlerweile werden bis zu 40 Millionen Tonnen Soja von der EU importiert. Es ist längst erwiesen, dass die großen Schifftanks sowohl natürliche Soja wie auch genmanipulierte Soja lagern und transportieren. Und es gibt keine Garantie dafür, dass diese Tanks wirklich hundertprozentig gereinigt werden.

Die EFSA folgt in ihrer Risikobewertung dem Grundsatz, dass die Herbizide, die auf Pflanzen versprüht werden, bereits im Rahmen der Pestizidzulassung geprüft wurden. Von daher sieht sie keinen Anlass, dieser neuen Methode von Monsanto zu widersprechen. Da die meiste Soja weltweit hauptsächlich als Futtermittel für unsere Nutztiere in der Massentierhaltung verabreicht wird, landen diese Chemikalien unweigerlich auch beim Menschen. Drei Viertel der weltweiten Sojaernte wird zu Tierfutter verarbeitet. Für ein Kilo Hühnerfleisch werden ca. 575 g Soja verfüttert. Und in irgendeiner Form gelangt es in unseren Körper.

Immer mehr Giftstoffe beeinflussen unsere Nahrungskette und auch die Umwelt. Auch mit den Gentechnik-Sojabohnen wurden bis dato keine offiziell bekannten Fütterungsstudien durchgeführt.

Die Kombination von chemischen- und Pestizidrückständen ist ebenso wenig untersucht worden, obwohl es längst Beweise gibt, dass Menschen, die in den Anbaugebieten leben, in denen genmanipulierte Landwirtschaft betrieben wird, einem deutlich höheren Krebsrisiko ausgesetzt sind, als in anderen Gebieten. Denn besonders in diesen Anbaugebieten wird wesentlich mehr chemischer Dünger eingesetzt.

Argentinien und seine Killerbohne

In einer Handvoll Gartenerde können mehr Organismen leben als Menschen auf diesem Globus. Eine Tatsache, die die meisten von uns überhaupt nicht wissen. Diese Organismen sind dafür zuständig, den Boden gesund und voller Nährstoffe zu erhalten. Sobald jedoch chemischer Dünger und andere Pestizide in die kostbare Erde gelangen, werden so ziemlich alle Lebewesen abgetötet, die dort existieren. D.h.: kein normaler Anbau von Landwirtschaft ist mehr möglich. Der Boden wird auf Dauer seiner Mikroorganismen beraubt, mit denen er sich zudem auch selbst regenerieren kann.

Inzwischen beansprucht der Anbau von Sojaplantagen rund 60 % der landwirtschaftlichen Flächen Argentiniens. Argentinien ist flächenmäßig das achtgrößte Land der Welt. Nirgendwo anders sind die wirtschaftlichen, politischen, ökologischen und sozialen Folgen der produzierten Soja so dramatisch wie hier. Mittlerweile zählt Argentinien zu den drittgrößten Produzenten der Hülsenfrucht Soja. 23,2 Milliarden $ brachte die Bohne 2013 dem Land an Reingewinn. Aber 10 % der Ernte werden zu Bio- Sprit verarbeitet, Argentinien zählt zu den weltweit größten Exporteuren dieser Treibstoffe.

Mit der Rodung der Regenwälder werden viele Tier- und Pflanzenarten für immer zerstört und vernichtet. Aber auch die dort lebenden Menschen und teilweise auch die Ureinwohner werden ihrer Lebensräume beraubt. Der hemmungslose Einsatz von Spritzmitteln aller Art hat die Krebsrate in manchen Gegenden auf das Fünffache des Durchschnittswertes hinaufschnellen lassen.

Die Bewirtschaftung dieser Felder kommt fast ohne Personal aus. Deshalb gibt es nur wenige, die von diesem gigantischen Reichtum profitieren. Aber immer mehr Menschen verarmen, um die sich keiner kümmert. 22.000.000 Hektar Land wurden bereits in Argentinien mit Gensoja bepflanzt. Allein 26.000 Liter Pestizide werden pro Hektar von oben versprüht. Und hier wird nicht drauf geachtet, ob ein Dorf darunter liegt, oder ein Bauer versucht mit seiner kleinen Landwirtschaft zu überleben.

Das Herbizid steckt im Boden und im Staub, und oftmals wird sich nicht einmal die Mühe gemacht, die leeren Kanister zu beseitigen. Mehr als die Hälfte aller Kinder unter acht Jahren hat Probleme mit den Atemwegen. Und die Rate der Fehlgeburten liegt mittlerweile dreimal so hoch wie der nationale Durchschnittswert. Das sind die neuesten Studien und Forschungsergebnisse, die Andreas Fink im Terra Mater veröffentlicht hat. (Ausgabe 4, Juni und Juli 2015).

Roundup eine perfide Erfindung von Monsanto

Um Pflanzen unkrautresistent zu machen entwickelte der Konzern Monsanto Roundup und brachte es 1974 auf den Markt. Ein Unkrautvernichtungsmittel. Nur wird nicht nur das Unkraut vernichtet, sondern auch alles andere, was den Boden eigentlich fruchtbar macht. Dieses Roundup wirkt ausschließlich über die Grünpflanzenanteile, nicht über die Wurzel. Diese Entwicklung reichte Monsanto aber nicht aus. 1995 entwickelten sie dann das Roundup ready. Das bedeutet genau: in Sojakörnern wird ein Gen eingesetzt, das die Pflanze unempfindlich gegen Pflanzengift macht.

Heute werden fast 100 % aller Sojakulturen Argentiniens gentechnisch verändert. Schon bei der Aussaat ist zu erkennen, dass die Sojabohne nicht mehr ihrem natürlichen Ursprung entstammen kann. Sojabohnen sind von Natur aus gelblich, hier in Argentinien sind sie rot eingefärbt, weil sie mit Insektiziden und Fungiziden behandelt werden. Das bedeutet genau genommen: diese Saat ist giftig.

In der Provinz Córdoba, mitten im Herzen von Argentinien, haben mittlerweile zwei Drittel der Bauern ihre Grundstücke verkauft oder vermietet. Die Obst und Gemüseproduzenten gaben auf, weil das gespritzte Unkrautvernichtungsmittel über den Regen und Wind auch auf ihre Äcker gelangte. Was die Flugzeuge nicht schaffen, gelingt dann den Spritzfahrzeugen auf den Feldern mit ihren bis zu 40 m Spannweite.

Auch tausende Milchproduzenten mussten aufgeben, denn sie konnten ihre Kühe nicht mehr auf ihre Weiden hinaus treiben. Mittlerweile ist kein Platz mehr für den traditionellen Bauern, die Menschen ziehen in die Städte, wo sie zum Teil verarmen, weil nur ein paar an den lukrativen Sojaplantagen verdienen. Inzwischen wohnen 38 der 40 Millionen Menschen Argentiniens vielfach in sehr beengten Stadtgebieten. Es gibt eine regelrechte Landflucht, da die Sojaplantagen den Menschen immer mehr beiseite drängen. Sie sind nicht nur unkrautbereinigt, sondern auch menschenbereinigt.

Wo die Bohne noch hingelangt

Es gibt kaum noch ein Nahrungsmittel, das nicht mit irgendwelchen Anteilen gentechnisch veränderter Soja belastet ist. In Deutschland wird seit ein paar Jahren darauf geachtet vor allen Dingen natürliche Soja anzubauen. Mittlerweile gibt es mehr als 11.000 Hektar Sojaplantagen. Diese Landwirte versuchen mit dem hiesigen Sojaanbau, die Abhängigkeit von Importen aus Amerika zu reduzieren und hier hat man noch die Garantie, dass das Soja nicht gentechnisch verändert ist. Nur gibt es in unzähligen Produkten Derivate von Soja, und hier ist es nicht geklärt, inwieweit dieses Soja aus genmanipuliertem Anbau stammt. Zudem ist nie ganz erwiesen, inwieweit die importierte asiatische Soja in diversen Asia-Märkten tatsächlich frei von genmanipulierten Pflanzen ist. Auch für die in den Plastiktüten abgepackten frischen Sojabohnen gibt es meistens keine Garantie, dass sie wirklich natürlichen Ursprungs sind.

Wer sich genau erkundigen will, sollte vor allen Dingen auf den Lebensmittelzusatzstoff E 426 achten. Das ist das Kürzel für Sojabestandteile auf verpackten Lebensmitteln.

E426 bedeutet konkret: Sojabohnen-Polyose, als Stabilisator und Trennmittel genutzt.

Zudem gibt es das 479B: Thermooxidiertes Sojaöl als Trennmitteln und Emulgator.

E322 bedeutet: Lecithin kann aus Soja bestehen.

Auch mit Eiweiß angereicherte Erfrischungsgetränke, wie zum Beispiel Bier, Sojamilch, Sojajoghurt, Sojakäse, Sojaöl und Tofu können genmanipulierte Soja enthalten. Auch Würzmischungen und Saucen oder Pasten sind nicht frei davon. Hier sind Bestandteile in Mayonnaise, Ketschup, Margarine und Sportgetränken zu finden.

Sojaöl dient auch als Rohstoff für Harze, Farben und Druckfarben, mit denen hauptsächlich Tageszeitungen gedruckt werden. Auch in den Kosmetika dient Sojaöl unter anderem zu Haut- und Haarpflege, als Quellstoff und Feuchtigkeitsspender. Auf der Packung sind die Sojabestandteile dann ausgewiesen als Glycine. Auch in der Zahnpasta und in Lederpflegemitteln ist Soja nachgewiesen worden.

Abgepackte Brot- und Backwaren, sowie Süßwaren, Schokolade, Nougatcreme, Eiscreme, Milchersatzprodukte, Milchmixgetränke, Kakaoprodukte, vegetarischen Produkte, Kartoffelfertigprodukte, Wurstaufschnitt, Suppen und Salatsaucen enthalten meistens ebenfalls Sojabestandteile.

Das Unternehmen Testbiotech

Das Unternehmen Testbiotech startet einen Aufruf an die EU Kommission, damit diese die Gentechnik-Soja nicht zulässt und spezielle Prüfverfahren für herbizidresistente, gentechnisch veränderte Pflanzen und die möglichen Kombinationswirkungen festlegt. Hier der Appell, und jeder von uns kann sich an diesem Appell beteiligen.

Sehr geehrter Herr EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis,

Dear EU Commissioner Vytenis Andriukaitis

wir fordern Sie auf, die EU-Zulassung der gentechnisch veränderten Sojabohne MON 87708 × MON 89788 zu stoppen, die gegen die Spritzmittel Glyphosat und Dicamba resistent gemacht wurde. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat die Risiken dieser Sojabohne nicht ausreichend geprüft. Unter anderem wurden die Wechselwirkungen von Rückständen der Unkrautvernichtungsmittel nicht bewertet, obwohl Glyphosat und Dicamba im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Offensichtlich reichen die derzeitigen Standards der EFSA zur Risikoprüfung gentechnisch veränderter Pflanzen nicht aus, um die Sicherheit von Mensch und Tier zu gewährleisten. Es ist daher Aufgabe der EU-Kommission, für ausreichende Standards zu sorgen, die den Anforderungen der EU-Gesetze (wie die Richtlinie 2001/18 und die EU-Verordnung 1829/2003) genügen: Sie bauen auf dem Vorsorgeprinzip auf und müssen hohe wissenschaftliche Ansprüche erfüllen.



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion