Außenhandelsverband: „Politik sollte sich wieder stärker um wirtschaftliche Entwicklung und Standortfragen kümmern“

Epoch Times15. Januar 2019 Aktualisiert: 15. Januar 2019 14:18
Die "rosigen Wachstumszeiten der vergangenen Jahre" seien vorbei, erklärt der Außenhandelsverband zu den neuen Wirtschaftsdaten. "Es wäre daher ein wichtiges Signal, dass sich die Politik wieder stärker um die wirtschaftliche Entwicklung und Standortfragen kümmert."

Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte 2018 mit im Jahresschnitt 44,8 Millionen Menschen einen neuen Höchststand. Das waren rund 562.000 mehr als 2017. Dank der vielen Steuereinnahmen erzielte der Staat im Jahr 2018 erneut einen Rekordüberschuss von 59,2 Milliarden Euro.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, äußerte sich „enttäuscht“ von der Wachstumsdynamik. „Das sollte ein Warnzeichen auch für dieses Jahr sein.“ Wansleben fordert, in Zeiten der schwierigeren politischen Lage den deutschen Standort zu stärken.

Der Außenhandelsverband BGA erklärte, die „rosigen Wachstumszeiten der vergangenen Jahre“ seien nun vorbei. „Es wäre daher ein wichtiges Signal, dass sich die Politik wieder stärker um die wirtschaftliche Entwicklung und Standortfragen kümmert“, erklärte BGA-Präsident Holger Bingmann.

Wirtschaftswachstum lässt nach

Die deutsche Wirtschaft ist 2018 das neunte Jahr in Folge gewachsen – musste aber einen ordentlichen Dämpfer verkraften. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent zu, nach einem Wachstum von jeweils 2,2 Prozent in den beiden Jahren zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Die Exporte und Importe nahmen 2018 nicht mehr so stark zu wie in den Vorjahren.

Angetrieben wurde das Wachstum vor allem durch Impulse aus dem Inland, wie die Statistiker sagten. Die privaten Konsumausgaben legten um 1,0 Prozent zu, die Ausgaben des Staates um 1,1 Prozent. Die Investitionen stiegen um 4,8 Prozent, vor allem im Baubereich und bei Ausrüstungen. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen lagen um 2,4 Prozent höher, die Importe um 3,4 Prozent – allerdings waren diese im Jahr zuvor noch um 4,6 beziehungsweise 4,8 Prozent geklettert.

Zum Wachstum beitragen konnten „nahezu alle Wirtschaftsbereiche“, wie Albert Braakmann vom Statistischen Bundesamt vor Journalisten in Berlin ausführte. Überdurchschnittlich stark wuchsen die Bereiche Information und Kommunikation sowie das Baugewerbe – unter dem Durchschnitt lag das Produzierende Gewerbe ohne Baugewerbe, das immerhin gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht.

Autoindustrie und Binnenschifffahrt mit Produktionsrückgang

Das wiederum lag nach Angaben der Statistiker auch an Produktionsrückgängen in der Automobilindustrie wegen des neuen Abgastests WLTP. Außerdem war die Binnenschifffahrt wegen der niedrigen Flusspegelstände im heißen Sommer eingeschränkt. Das Bundeswirtschaftsministerium gab als weitere Gründe für den Dämpfer eine global schwächere Konjunktur sowie Streiks und die Grippewelle an.

Insgesamt gab es für die deutsche Wirtschaft 2018 ein „schwungvolles erstes Halbjahr“ sowie eine „Delle“ im dritten Quartal. Damals waren die Exporte deutscher Unternehmen geschrumpft, was auch der Hauptgrund dafür war, dass das BIP von Juli bis September um 0,2 Prozent zurückging. Für das vierte Quartal gehen die Statistiker derzeit aber von einer „leichten Erholung im Vergleich zum Vorquartal“ aus, wie sie erklärten. Dies sei aber eine sehr vorläufige Schätzung.

Der Linken-Politiker Klaus Ernst erklärte, die binnenwirtschaftlichen Wachstumskräfte müssten „weiter gestärkt werden“. Steuersenkungen für Unternehmen seien hingegen der falsche Weg. Vielmehr müsse der Überschuss der staatlichen Haushalte in den Aufbau einer funktionierenden modernen öffentlichen Infrastruktur fließen. (afp)

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