Börse: Starinvestor und Soros-Kompagnon Jim Rogers warnt vor baldigem Jahrhundert-Crash

Epoch Times27. Juni 2019 Aktualisiert: 27. Juni 2019 17:03
Seit 50 Jahren ist US-Investor Jim Rogers an der Börse. Zusammen mit George Soros baute er den Quantum-Fonds auf und 2008 warnte er als einer der Ersten vor einer unmittelbar bevorstehenden Krise. Mittlerweile sieht Rogers abermals die Zeichen auf Sturm.

Die Prophezeiungen über unmittelbar bevorstehende, katastrophale Börsencrashes hatten bislang meist eine entscheidende Gemeinsamkeit mit Schreckensszenarien des „Club of Rome“, Weltuntergangsankündigungen der Zeugen Jehovas oder ganz allgemein angekündigten Revolutionen: Sie fanden nicht statt. Vor allem hatten alle bisherigen Börsencrashes gezeigt: Wer auf die langfristige Tragfähigkeit seiner Investitionsentscheidungen vertraut, ausreichend starke Nerven hat, um Krisen auszusitzen und sich nicht von allgemeiner Panik anstecken zu lassen, ging am Ende gestärkt aus diesen hervor.

Dennoch empfiehlt es sich, Warnungen vor potenziellen Risikofaktoren ernst zu nehmen, insbesondere wenn sie von bekannten Investoren mit jahrzehntelanger Börsenerfahrung kommen. Einer davon ist Jim Rogers, dessen Einschätzung, die 2020er Jahre würden zu einem harten Börsenjahrzehnt, „Focus Money“ analysierte. Rogers hatte 1970 zusammen mit dem bekannten Milliardär und selbsternannten „Philanthropen“ George Soros den „Quantum-Fonds“ gegründet, der in den zehn darauffolgenden Jahren immerhin eine Rendite von 4000 Prozent erwirtschaften konnte. Im Jahr 2008 gehörte Rogers zu den Ersten, die vor Ausbruch der Krise das Crashpotenzial hoher Schulden und fauler Kredite im US-Finanzsystem erkannt hatten.

Nichts aus Subprime-Krise gelernt

Die Risiken, die Rogers anspricht, sind nicht neu – und das Befremdlichste daran: Wirklich gelernt aus dem Zusammenbruch vor elf Jahren haben Zentralbanken, Geschäftsbanken und Politiker offenbar nicht. Insbesondere Schulden inklusive fauler Kredite, Überschwemmung der Märkte mit billigem Geld und Blasenbildung seien damals wie heute Themen gewesen. Allerdings kommen heute zusätzliche Risiken infolge von Handelskriegen dazu sowie versteckte Krisenherde, die nicht jeder in der Fachwelt derzeit auf dem Schirm habe, die aber in der Lage wäre, Flächenbrände zu entfachen.

Das Volumen fauler Kredite, die sich in geschönten Bilanzen globaler Geschäftsbanken verbergen, gehe in die zig Billionen US-Dollar, meint der Investor. Nicht nur politisch umstrittene Rettungen von Banken und Großkonzernen, die man zuvor für „too big to fail“ erklärt hatte, habe den Eindruck gestärkt, schlechtes Management habe keine Konsequenzen.

Auch die Notenbanken hätten mit ihrer Politik des ultrabilligen Geldes viele notleidende Staaten und Unternehmen künstlich über Wasser gehalten, die man besser hätte scheitern lassen. Banken hätten daraufhin weitere Kredite gewährt, wenig auf die Qualität der Schuldner geachtet und das Risiko eines Zusammenbruchs weiter gesteigert. Eine besonders unrühmliche Rolle habe dabei auch die EZB gespielt, die neben unverhältnismäßiger Ausweitung der Geldmenge auch noch durch den Ankauf zum Teil minderwertiger Staatsanleihen die Lage verschärft habe.

Die Strategie der Zentralbanken werde nicht aufgehen, warnt Rogers:

Die Notenbanken werden versuchen, uns zu retten, aber diesmal wird es nicht mehr funktionieren. Die Gelddruckerei wird den großen Kollaps an den Finanzmärkten nicht verhindern.“

Märkte neigen derzeit nicht zu Übertreibungen

Blasen seien ebenfalls zu erkennen, wobei Rogers vor allem die Technologieriesen wie Google, Facebook, Apple oder Netflix Sorgen bereiten. Dass diese sich im Grunde nie abwärts entwickeln, sei „an den Aktienmärkten immer ein gefährliches Zeichen“.

Allerdings spricht gegen dieses Szenario, dass die Fundamentaldaten und die Höhe des durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnisses deutscher oder amerikanischer Aktien nicht für übermäßige Übertreibungen sprechen. Auch hatte es nach einem steilen Aufwärtstrend an den Börsen zu Beginn des Jahres auch mehrfach Korrekturen gegeben.

Eine Eskalation des Handelskrieges würde Rogers zufolge ebenfalls zu einem „Desaster“ führen. Allerdings ist davon auszugehen, dass ein erheblicher Teil dieser Risiken längst eingepreist ist und insbesondere US-Präsident Donald Trump im Vorfeld der Präsidentenwahl 2020 keine unkontrollierten Risiken eingehen wird. Deshalb hält auch „Focus Money“ dieses Szenario für unwahrscheinlich.

Ein weiteres Risiko meint Rogers in noch unbemerkten Krisenszenarien zu erblicken, wie diese sich jüngst in der Türkei oder Venezuela gezeigt hätten. Sogar in einigen EU-Staaten seien ähnliche Entwicklungen möglich. Andererseits verhalten sich derzeit auch die Märkte sehr rational und lassen keine Panikreaktionen erkennen. Insgesamt deuten zahlreiche Indikatoren eher auf eine Stabilisierung der Wirtschaftslage denn auf weitere Eskalationen. Das trübt zwar Hoffnungen auf hochdynamische Bullenmärkte, spricht jedoch auch gegen unkontrollierte Abstürze.

Nordkorea als Zukunftsmarkt?

Rogers empfiehlt dennoch, sich einen anlagetechnischen Notvorrat anzulegen. Trailing-Stop-Loss-Konstruktionen zur Absicherung von Kursgewinnen oder inverse ETFs gehören da ebenso dazu wie der Weg hinein in wenig beackerte, aber im Fall eines Zusammenbruchs interessante Klassen wie Agrarrohstoffe.

Auch sollte ein weitsichtiger Anleger den Zusammenbruch von Staaten nutzen, um als Pionier vom Wiederaufbau zu profitieren. Er würde, wäre dies US-Amerikanern erlaubt, „sehr gern in Venezuela investieren“. Auch Nordkorea könnte im Fall einer Wiedervereinigung der Koreanischen Halbinsel ein enormes Potenzial bieten. China und Russland würden bereits jetzt auf Grund von „enormen Bodenschätzen“ und „arbeitswilligen, kostengünstigen und ausgebildeten Arbeitskräften“ dort investieren.

Von US-Aktien rät der Investor ab, weil er diese bereits für überbewertet hält. Der Bitcoin sei ebenfalls keine Alternative, weil er von Regierungen nicht anerkannt werde. Ein Goldanteil von fünf bis 15 Prozent im Depot mache jedoch Sinn. Reich werde man davon nicht, aber ein vorübergehender Rückgang des Preises in einer turbulenten Marktphase würde Chancen bieten, Dollar teuer zu verkaufen und Gold günstig einzukaufen.

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