Börsen auf der ganzen Welt auf Talfahrt. (AP Photo/New Zealand Herlad, Richard Robinson)

Wurzelbehandlung

Von 30. September 2008

Kennen Sie den kürzesten Börsenwitz? „Fort is´ (in Anlehnung an die erste europäische Bank Fortis, die im Zuge der aktuellen Finanzkrise in Schieflage geraten ist)!“ Ja, so schnell kann es gehen an den Aktienmärkten. Wer zu Beginn des Jahres gewagt hätte, die Prognose abzugeben, dass noch vor Jahresende US-Branchenriesen wie Lehman Brothers, die größte US-Sparkasse Washington Mutual und der Versicherungsriese AIG zu Insolvenzfällen werden, deren Schulden das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands bei weitem übersteigen, dem hätte im besten Fall schallendes Gelächter und im schlimmsten Fall wohl die Bekanntschaft mit der Gummizelle gedroht. Doch nun hat die Realität all diejenigen als Phantasten abgestraft, die an die Einbahnstraße Börse, ewigen Konsum auf Pump und den Weihnachtsmann geglaubt haben.

Gewusst hat man es ja eigentlich schon lange, dass es all das nicht gibt. Aber wie mit dem Weihnachtsmann lässt man manche Illusion nur ungern los. Und dann wird das Erwachen eben umso unsanfter. Der Krug geht eben auch im 21. Jahrhundert noch immer so lange zum Brunnen, bis er bricht. Daran ändern auch die unterschiedlichsten Flicktechniken und Auffanggefäße nichts, die man in Form von Strukturierten Finanzprodukten und Weiß-der-Kuckuck welchen undurchsichtigen Kreditverschachtelungen in den Banken kreiert hat.

Nun ist der Krug zerbrochen, soviel kann gesagt werden. Doch wie es weitergehen soll, daran scheiden sich die Geister, und auch der Weihnachtsmann kann da wohl nur noch wenig helfen. Während die einen nach Staatshilfe schreien, mahnen die anderen zur Vorsicht. Auch Staaten können nicht unbegrenzt Schulden machen. Doch hat sich schon jemand die Mühe gemacht, für die Lösung des Problems die Wurzel desselbigen zu suchen? Ökonomen kommen dann gerne mit komplizierten mathematischen Modellen, klugen Berechnungen und anderen Methoden, das Aussehen des Elefanten durch das Ertasten eines seiner Beine zu begreifen. Dabei liegt es doch auf der Hand und ist jedem kleinen Kind (das ruhig auch noch an den Weihnachtsmann glauben darf) klarer als allen brillanten Mathematikern und Börsengurus: Wer Schulden macht, der muss sie zurückzahlen. Und eigentlich, das weiß auch jeder, lebt es sich ohne besser. Wenn wir unsere Daseinszeit nur damit zubringen, uns zu überlegen, wie wir noch mehr Geld für noch mehr Konsumwünsche bekommen können, jeder jeden für den eigenen Vorteil belügt und Maß und Ziel nur noch beim Oktoberfest ein Begriff sind, dann sind wir genau da, wo wir jetzt sind. Wo Wirtschaftskapitäne und Politiker dem Rest der Menschheit ungeniert ins Gesicht lügen und keiner keinem traut. Da hilft wohl nur noch eine Wurzelbehandlung an den Werten, die wir in unserer heutigen Gesellschaft leben und haben wollen. Mehr Sein als Schein. Mehr Menschsein als Geldschein. Das ist keine Sache von „denen da oben“, das geht jeden an. Wurzelbehandlungen tun weh.

Text erschienen in Epoch Times Deutschland Nr. 40/08



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