Burnout für’s Papiergeld

Von 23. August 2010 Aktualisiert: 23. August 2010 10:16

Wie würden Sie einen Wirtschaftstreibenden bezeichnen, der es in knapp hundert Jahren schafft, aus einem Vermögen von 100 US-Dollar fünf US-Dollar zu machen? Versager wahrscheinlich oder Pleitier oder beides. Nennen wir ihn hier jedoch der Einfachheit halber einen Notenbanker.

Die Einführung des Federal Reserve Systems in den USA am 23. Dezember 1913 war rückblickend mehr Kuckucksei denn Weihnachtsgeschenk für die Amerikaner. Und wer sich die Geschichte der vom Staat gegründeten Notenbanken weltweit ansieht, der weiß – anderswo war‘s auch nicht viel besser. Wirtschaftskrisen waren bis dahin zwar nichts Neues; doch in der Heftigkeit und Explosivität, die folgen sollte, ungekannt. Und das geht bis heute munter weiter.

Denn die moderne Volkswirtschaftstheorie geht davon aus, dass Geldentwertung, also Inflation, sein muss. Also dass ein Wirtschaften ohne Inflation nicht möglich wäre. Wie kann es dann sein, dass die Engländer in den ersten 250 Jahren nach der Einführung des Papiergelds in ihrem Königreich, also bis zur Verabschiedung von einer Golddeckung ihrer Währung, praktisch keine Inflation hatten? Also ein Laib Brot im Jahr 1690 den gleichen Preis hatte wie im Jahr 1900? Hm, da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Kann doch gar nicht sein – oder? Oder …?

Der Anfang vom Ende

In den Jahren 1664 bis 1914 war Englands Pfund Sterling an Gold gebunden. Die Preise blieben stabil. Beim französischen Franc war es nicht viel anders: Bis 1914 war die Währung 100 Jahre lang stabil geblieben. Der Anfang vom Ende scheint mit der Verabschiedung von der Deckung des ausgegebenen Papiergeldes durch einen Gegenwert in Gold gekommen zu sein. Franklin D. Roosevelt begann damit im Jahr 1933. Und nicht nur böse Zungen behaupten, er habe das dadurch gewonnene Papiergeld zur Finanzierung der Kriegsaktivitäten genutzt. Eine Vorgehensweise, die uns hier auf der anderen Seite des Atlantiks nur allzu bekannt vorkam. Die Billionen-Reichsmark-Scheine seien hier nur kurz in Erinnerung gerufen.

Die Kritik an der Nichtdeckung unseres Geldes durch Gold ist nicht neu. Vertreter dieser Kritik stammen für gewöhnlich aus dem Lager von Hartgeldinvestoren wie dem Österreicher Walter K. Eichelburg oder dem Wirtschaftshistoriker Ferdinand Lips. Wer die Schriften der österreichischen Schule rund um Friedrich August von Hayek kennt, findet auch eine volkswirtschaftlich fundierte Basis pro Goldstandard – also einer goldgedeckten Währung.

Neuerdings kommt jedoch Unterstützung für das Lager der Goldanhänger von völlig neuer Seite. Analysten großer Banken halten mit ihren Meinungen nicht mehr hinter dem Berg. Und sprechen, wie im Fall von Thorsten Polleit von Barclays Capital, offen darüber, was sie vom derzeitigen Euro halten. Nämlich nicht viel.

In einem Interview mit der Financial Times Deutschland sagte der Barclays-Chefvolkswirt und Ehrenprofessor der Frankfurt School of Finance & Management, dass unser Geld „sehr schlecht“ sei. Nicht, dass der Autor des neuen Buches „Geldreform“ diese Meinung erst seit gestern vertritt. Doch in dieser Vehemenz und Geradlinigkeit wollten seine Meinungen bisher nur wenige Medien abdrucken.

Thorsten Polleit plädiert für einen Rückzug des Staates aus der Geldwirtschaft. Angebot und Nachfrage sollten das Zahlungsmittel bestimmen – was seiner Meinung nach wohl wieder zu einer goldgedeckten Währung führen dürfte. Goldmünzen prägen konnte schon früher ein jeder kleine Landesfürst. Doch die Ausgabe von Papiergeld blieb dem jeweiligen Reichs-Herrscher vorbehalten.

Eine sinnvolle Maßnahme? Solange sich dieser Herrscher wie in China – wo das Papiergeld übrigens erfunden wurde, wie so vieles andere auch – an Edelmetalle zur Deckung hielt, gab es keine Probleme mit der Geldwirtschaft. Das älteste Original eines chinesischen Geldscheins stammt übrigens aus der Ming-Dynastie (1368-1644). Zum ersten Mal verwendet worden sein soll Papiergeld in China jedoch bereits vor knapp 2.000 Jahren, im ersten Jahrhundert nach Christus, zur Zeit der Han-Dynastie (202 v. Chr. – 220 n. Chr.). Da hatte Deutschland noch ein gutes Stück Zeit hinter sich zu bringen, bis hierzulande in Köln im Jahr 1705 der erste Geldschein ausgegeben wurde. Nicht für den Karneval übrigens. Der wurde erst mehr als hundert Jahre später eingeführt. Hätte sonst ja jemand auf die Idee kommen können, das Papiergeld sei dafür eingeführt worden, eine Party zu verlängern, die längst vorbei ist.

An solchen Partys nehmen Investoren bekanntermaßen höchst ungern teil. Die an den Aktienmärkten sind ja schon seit Jahren vorbei. Doch, wenn wir schon mal beim Kalauerdreschen sind: Totgesagte leben bekanntlich länger. Im Jahresvergleich hat der DAX trotz eines leichten Knicks Anfang August dennoch um mehr als 600 Punkte zugelegt und stand per Wochenbeginn weiterhin knapp oberhalb der Marke von 6.000 Zählern.

Die Goldmarie – weiterhin hie

Doch die Kleinanleger misstrauen den Börsen noch immer. Sie steuern verstärkt die „sicheren Häfen“ an. Und damit ist die Goldmarie für Goldinvestoren weiterhin hie. Seit Jahreswechsel hat der Goldpreis in US-Dollar um mehr als zwölf Prozent zugelegt. Wer die Euro-Wechselkursschwankung mit einberechnet, kommt gar auf satte 25 Prozent. Und der Run aufs Gold scheint kein Zwischensprint gewesen zu sein. Mittlerweile steigt der Goldpreis seit dem Jahr 2000 an. Es scheint, als gehöre das neue Jahrtausend dem Gold.

Unter Mitarbeit von Tobias Hofmann

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