Chinas Kreditkrise

Von 13. Februar 2006 Aktualisiert: 13. Februar 2006 16:58

Es ist ein übliches Phänomen in China, dass Firmen keine besondere Kreditwürdigkeit besitzen. Nicht zurückgezahlte Schulden sind eine der drückendsten Ursachen hierfür. Oft werden Endverkäufer gezwungen, auf Gelder der Großhändler zurückzugreifen, um ihre Firmen am Laufen zu halten. Großhändler ihrerseits werden von Herstellern finanziert, diese nutzen Gelder der Rohstoffverkäufer. So wurde ein Netzwerk der Schulden kreiert.

Um das Problem der ausbleibenden Kredite für chinesische Firmen zu lösen, hat das nationale chinesische Amt für Berichtigung und Standardisierung der Marktwirtschaft zusammen mit der chinesischen Nationalbank, der Reformkommission und dem Amt für Gesetzesvorhaben beim Staatsrat ein neues Model für ein sozialeres Kreditwesen entwickelt. Es wurde berichtet, dass der Vorschlag dem Zentralbüro des Staatsrates vorgelegt wurde, damit dieser weitere Expertenmeinungen einholen kann.

Schuldennetz und faule Kredite

In den Neunzigern setzte die Zentralregierung eine Taskforce unter der Leitung des Premierministers ein, um dieses Problem des Schuldpolygons zu lösen. Das Problem wurde jedoch nie gelöst, im Gegenteil kamen neue Probleme hinzu. Berichten chinesischer Medien zufolge befinden sich 71 Prozent aller chinesischen Firmen in diesem Schuldennetz, der durchschnittliche Zahlungsverzug der Firmen beträgt mehr als vier Monate.

Ein anderes schwerwiegendes Problem des „credit crunch“ ist die hohe Rate fauler Kredite, die chinesische Firmen anhäufen. Einige der Kreditnehmer können nicht mehr zurückzahlen, einige tun es nicht, obwohl sie die finanziellen Mittel hierzu besitzen und einige haben von Anfang an geplant, den Kredit zu prellen. Banken sind von der Funktion her die Verknüpfung zwischen Geldern aus der Gesellschaft und expandierenden Firmen. Die hohe Rate der uneinbringbaren Kredite der Banken ist nur ein Indikator einer die gesamte Gesellschaft durchziehenden Kreditkrise.

Natürlich gibt es andere Probleme bei den Firmen. Die Manager der Firmen betrügen die Investoren, diese betrügen die Kleinanleger, Firmenchefs betrügen ihre Angestellten und die Firmen betrügen alle zusammen ihre Kunden. Die chinesische Geschäftswelt wurde zu einem Schlachtfeld im Kampf jeder gegen jeden. Nicht umsonst heißt ein chinesisches Sprichwort: „Zehn Händler, neun Betrüger“.

Rechtsunsicherheit und Mangel an Vertrauen

Bekommt eine Firma keinen Kredit, ist das ein Zeichen ihres langsamen Todes. Der Mangel an Kreditwürdigkeit bei den chinesischen Firmen bedeutet, dass die Modernisierung der Wirtschaft nicht wirklich begonnen hat. In einer globalisierten Wirtschaft ist es für chinesische Firmen schwer, ohne Kreditwürdigkeit wettbewerbsfähig zu bleiben.

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum Kreditwürdigkeit Wettbewerbsfähigkeit bedeutet. In einem Zeitalter, in dem die meisten Firmen ihre Schulden als etwas Gutes betrachten, ist der Schwierigkeitsgrad, das Vertrauen anderer Firmen zu erlangen, niedrig. Gäbe es kein Vertrauen zwischen den Firmen, dann wären die Kosten des Vertrauen-Beschaffens um ein Vielfaches höher. Die Kosten für ein unkalkulierbares Risiko sind viel höher, wenn kein Vertrauen existiert, die Finanzierungskosten steigen und die Geschäftsmöglichkeiten werden vermindert.

Warum bekommen chinesische Firmen keine Kredite mehr? Es liegt an der gesellschaftlichen Umgebung. Das erste Problem ist das rechtliche Umfeld. Es existieren keine rechtlichen Instrumentarien, die den Unternehmen zu Leibe rücken, die ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen wollen; die Konsequenzen des Betrugs sind kaum abschreckend. Es ist interessant, dass einige der notorischsten Kreditbetrügerfirmen selten ihre Zahlungen verzögern, wenn sie mit ausländischen Firmen Geschäfte machen. Zurückzuführen ist das auf die Durchsetzbarkeit von Gesetzen in diesen Ländern.

Bestechung und Mangel an „Glauben“

Ein anderes Problem ist das wirtschaftliche System in China. Staatseigene Betriebe zahlen die Kredite an die Banken nicht zurück, da diese ja auch staatseigen sind. Permanente Einmischungen seitens der Regierung führen zum Glauben, dass es viel leichter ist, Beamte zu bestechen als sich um Effizienz und Kredite zu bemühen. Die bestochenen Staatsdiener helfen den Unternehmen dabei, Verträge zu bekommen oder Altkredite zu löschen. Der Mangel an durchschaubarer Information macht es der Öffentlichkeit unmöglich, glaubwürdige Informationen über Betriebe zu bekommen. Dies wiederum erleichtert den Betrügern ihr Geschäft.

Ein funktionierendes Kreditwesen ist ein kompliziertes Geschäft, das Änderungen in allen Bereichen der Gesellschaft voraussetzen würde. Ein ganzheitliches Rechtssystem sowie freier Fluss von Informationen sind für ein gutes Kreditsystem notwendig. Hinzukommen müssen Verbesserungen in der gesellschaftlichen Moral und beim politischen System.

Kredite basieren auf Vertrauen, wörtlich heißt es „glauben“. Wenn in der ganzen Gesellschaft Betrug gefördert wird, wieso sollen dann Betriebe ihre Kreditverpflichtungen besonders achten?

Dieser Glaube fehlt dann irgendwann auch denen, die Kredite vergeben könnten.


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