Die Wahrheit der gefühlten Inflation

Von 30. Januar 2005 Aktualisiert: 30. Januar 2005 10:00
Taschenspielertricks bei der Inflationsberechnung

Winston Churchill wird der allseits bekannte Ausspruch zugeschrieben:

„Ich glaube nur an Statistiken, die ich selbst gefälscht habe.“

Nun ist zwar dieser Ausspruch nachweislich nicht von ihm, sondern er kann auf den Propagandakrieg zwischen Deutschland und England zu Beginn des zweiten Weltkrieges zurückgeführt werden. Damals wollte Propagandaminister Goebbels Premier Churchill als das Paradebeispiel aller Lügner vorführen, deshalb paßte dieses Zitat in das Bild, das von ihm gezeichnet wurde. Aber leider ist es mit Statistiken oft wirklich nicht einfach.

Wenn Statistiken nicht angenehm sind, werden sie flugs an die Realitäten angepaßt; man könnte für diese Vorgehensweise viele Länder herausgreifen, manche fälschen vollkommen nach politischem Kalkül, so wie die VR China, manche passen nur subtil an. Ein Beispiel für letzere subtilere „Anpassung“ ist der offizielle amerikanische Consumer Price-Index CPI, der Gradmesser der Inflation.

Hier werden seit einiger Zeit zwei neue Berechnungsmethoden bei der Berechnung hinzugefügt:„geometrische Gewichtung“ und „Hedonics“. Zunächst zur geometrischen Gewichtung.

Geometrische Gewichtung

Geometrische Gewichtung heißt einfach gesagt, wenn ein Produkt teurer wird, wird dessen Anteil am Warenkorb, der den Index darstellt, verringert.

Bevor Alan Greenspan in den USA die Führung der Federal Reserve Bank übernahm, wurde einfacher gerechnet: es gab einen fixen Warenkorb, ein einfaches, unkompliziertes System. Wenn ein Artikel aus diesem Korb herausfiel, kam ein anderer hinzu. So wurden Lebenshaltungskosten immer relativ genau berechnet. Dieser Index galt beim US-Arbeitsministerium als sakrosankt, da eine Vielzahl von Verträgen und politischen Entscheidungen davon abhängt, wie hoch die Inflation wirklich ist.

Unter der Clinton-Administration änderte sich diese Vorgehensweise leicht, man fing an, einen variablen Warenkorb einzuführen; dieser änderte sich schließlich erneut und wurde zum „geometrisch gewichteten“ Warenkorb. Der Vorteil dieser Berechnung des Warenkorbes ist ganz einfach: Waren mit sinkenden Preisen bekommen einen höheren Anteil darin, Waren mit steigenden Preisen einen niedrigeren Anteil.

Der Lebensstandard sinkt

Die Begründung hierfür lautet: Wird ein Produkt teurer, wird es weniger vom Kunden gekauft. Demzufolge wird ein billigeres Produkt höher anteilig im Index gewichtet. Die Begründung ist ähnlich: Billigere Produkte werden mehr gekauft, also steigt der Gesamtanteil an den verkauften Waren. Jemand, der früher also Steaks kaufte, wird demzufolge mehr Hamburger kaufen, wenn Steaks teurer werden, lautet die Schlußfolgerung. So sei der Preisanstieg bei Steaks für die Allgemeinheit bedeutungslos und wird nicht in der Statistik erscheinen. Ob das ein Steakliebhaber auch so sieht, ist dann allerdings keine einfache Frage mehr.

Dessen Lebensstandard sinkt dadurch ab, dass er jetzt billigere Hamburger kaufen soll, die eine geringere Qualität als Steaks aufweisen. Übertragen wir ein Beispiel auf Deutschland: Im Dezember erhöhte die Deutsche Bahn einige Preise um bis zu 20 %, z.B. ein Länderticket Single. Der geometrischen Gewichtungstheorie zufolge würde der Kunde dann durch diesen Preisanstieg abgeschreckt und ein Alternativticket kaufen, das nicht teurer geworden ist oder aber mit dem Auto fahren – ob er überhaupt eins besitzt ist eine andere Frage. Natürlich kann es aber sein, dass das Alternativticket oder die Fahrt mit dem Auto an sich schon teurer ist, er also mehr bezahlen muß.

In der Inflationsstatistik jedoch erschiene kein Anstieg, denn beim anderen, im Vergleich teureren Alternativticket gab es keinen Preisanstieg – sollte der Benzinpreis in der Phase gar gefallen sein, so könnte die Inflation durch die geometrische Gewichtung sogar gesunken sein.

„Hedonics“

Der andere mögliche Grund, warum die vom Bürger „gefühlte“ Inflation höher liegt als die amtliche, sind die „Hedonics“. Abgeleitet vom Begriff Hedonismus geht diese mittlerweile bei der Inflationsberechnung angewendete Theorie davon aus, dass der Konsument an verschiedenen Produkten erhöhte Freude empfindet, meist ausgelöst durch technischen Fortschritt. Dieser verbessere die Produkte ständig; es betrifft etliche Bereiche, Computer, Fernseher, DVDs, Viddeokameras und selbst Artikel wie Bügeleisen oder Waschmaschinen. Hätte sich bei einem Nachfolgemodell eines Bügeleisen der Preis um 20 % erhöht, würde der Konsument laut Hedonics ebenfalls 20 % mehr „Lust“ (also hedonistische Gefühle) empfinden, wenn eine neue Funktion das Bügeln gleichzeitig angenehmer macht, z.B. Einstellungstasten sind leichter zu bedienen als bei dem alten Vergleichsbügeleisen.

Lustgewinn

Hedonismus paßt automatisch den Index um diese 20 % Lustgewinn an, einfacher gesagt erscheint beim Fallbeispiel Bügeleisen keinerlei Anstieg der Preise. Wenn auch eine gewisse Logik darin zu liegen scheint, muß man sich dennoch fragen, welche Bemessungsgrundlage beim Lustgewinn angelegt wird, ob der Airbag z.B. dem Käufer wirklich mehr Freude macht. Vielleicht sind die neuen Funktionen für ihn nicht relevant oder sogar umständlicher zu bedienen. Demzufolge hätte er vielleicht einen „negativen“ Hedonismusfaktor.

Ein anderes Beispiel wäre ein Auto, das durch den Einbau eines Airbags um einige Prozent im Preis gestiegen ist. Durch die verbesserte Sicherheit erhöht sich die Fahrfreude und der erhöhte Preis wäre gerechtfertigt, würde also die Inflationsstatistik nicht verändern. Gegenwärtig werden offiziellen Angaben zufolge 33% des CPI in den USA mit Hilfe von Hedonismusmodellen berechnet, nach Aussagen anderer Experten sogar bis zu 46 %.

Auch einzelne Wirtschaftsfachleute in den USA ziehen diese Berechnung bereits in Zweifel, so etwa Bill Gross, Verwalter des weltgrößten Anleihenfonds, des „Pacific Investment Management Co“.

Ein Taschenspielertrick

Er nannte diese Art der Inflationsberechnung letztes Jahr „einen Taschenspielertrick, der nur bei einem Publikum funktionieren kann, das alles schluckt“. Er nannte Greenspan einen Meister der Verschwörung, der die Inflation niedrig ausschauen läßt, um dadurch das Wachstum höher erscheinen zu lassen. Ob er mit dieser Einschätzung Recht hat, sei dahingestellt. Für eine Regierung ist es aber immer von großem Vorteil, wenn die amtliche Inflationsrate gering ausfällt. Dadurch können Rentenanpassungen, Steigerungen der Sozialausgaben und andere Ausgaben des Staates unbemerkt eingespart werden, da alle nach der Inflationsrate berechnet werden.

Was die Ökonomen sagen

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Lassen wir am Schluß noch die beiden einflußreichsten Ökonomen der Neuzeit zum Thema Inflation zu Wort kommen. Der Nobelpreisgewinner John Maynard Keynes meinte:

„Eine Regierung kann durch einen fortlaufenden Prozeß der Inflation heimlich und unbemerkt einen bedeutenden Teil des Wohlstands ihrer Bürger konfiszieren.“

Und sein Kollege Milton Friedman seinerseits gab zu bedenken:

„Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen. Es ist die einzige Form der Besteuerung, die ohne gesetzgebenden Prozeß durchgeführt werden kann.“

Etwas weniger Verschleierung bei der Inflationsberechnung würde wahrscheinlich allen Konsumenten zugute kommen, damit gefühlte und reale Inflationsraten sich wieder annähern.

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