Mr. Dax warnt vor wirtschaftlicher „Kernschmelze“: Kein lebender Finanzmann hat so etwas je mitgemacht

Epoch Times2. April 2020 Aktualisiert: 2. April 2020 23:06
Die Bundesregierung rechnet wegen der Corona-Krise mit tiefen Einschnitten beim Wirtschaftswachstum. Börsenprofi Dirk Müller spricht sogar von einer wirtschaftlichen „Kernschmelze“.

Deutschland rechnet wegen der Corona-Krise mit tiefen Einschnitten beim Wirtschaftswachstum. „Es wäre unverantwortlich, an dieser Stelle eine konkrete Zahl zu nennen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Donnerstagnachmittag in Berlin. Die Einschnitte dürften aber wohl mindestens so stark wie in der Finanzkrise 2008/09 sein, wenn nicht noch stärker.

Am Ende des Jahres werde man eine schlechte Wirtschaftsbilanz haben, so Altmaier. Schon jetzt sei die Wirtschaft von „erheblichen Folgewirkungen“ betroffen. International und global seien viele Lieferketten unterbrochen. Wichtige benötigte Waren gelangten deshalb nicht nach Deutschland.

Zudem sei der Inlandskonsum durch die Pandemie und ihre Bekämpfung in vielen Bereichen eingeschränkt oder zum Erliegen gekommen, so der Wirtschaftsminister. Seine Einschätzung sei insgesamt davon abhängig, wie lange die Ausgangsbeschränkungen und die angeordneten Maßnahmen am Ende tatsächlich gelten.

Dirk Müller bezeichnet Krisenmanagement der Bundesregierung als „Katastrophe“

Unterdessen sieht Börsenprofi Dirk Müller („Mr. Dax“) schon jetzt verheerende Folgen auf Deutschland und die Welt zukommen. Seit 30 Jahren sei er an der Börse und habe die letzten Crashs alle mitgemacht, aber „das, was hier heute passiert, hat kein lebender Finanzmann je mitgemacht“, sagt Müller im Interview mit „Focus-Money“.

Die aktuelle Situation

übertreffe in ihrer Dynamik und Ausprägung die Ereignisse von 1929. Möglicherweise werden wir eines Tages in den Geschichtsbüchern über die Corona-Krise von 2020 als das schwerste Wirtschaftsereignis der modernen Geschichte lesen.“

Zum Krisenmanagement der Bundesregierung sagt Müller: „Das ist eine einzige Katastrophe.“ Er selbst habe ab Mitte Januar „massivst“ vor dieser Krise gewarnt, da man hätte sehen können, was in China geschieht. Es sei„völlig klar“ gewesen, dass das Virus um die Welt gehen werde. Doch die Bundesregierung sei „sträflich untätig“ geblieben.

„Es gab keine Kontrollen an den Flughäfen. Gesundheitsminister Spahn sagte sogar wörtlich: ‚Es gibt keinen Grund für Alarmismus oder Aktionismus.‘ Man hat die Menschen sogar noch Fasching feiern lassen und erst ab Aschermittwoch auf ‚Krise‘ umgeschaltet“, kritisiert der Bösenprofi.

Müller sagt auch, die Bundesregierung habe die Gesundheit der Bürger „in höchstem Maß gefährdet, indem sie auch noch dringend benötigte Schutzausrüstung für medizinisches Personal als Geschenk nach China geschickt hat.“

In Italien droht die Massenarbeitslosigkeit

Mit Blick auf Italien betont Müller: Das Land werde „enorme Probleme“ bekommen. Die kleineren Betriebe würden durch den Lockdown „binnen Wochen pleite“ gehen. Die Masse der Arbeiter würde im Klein- und Mittelstand beschäftigt sein und nicht in den Großkonzernen mit Zugang zu Staatskrediten. Deshalb werde Massenarbeitslosigkeit die Folge sein.

Er sagt auch, dass Banken in Italien und als Kettenreaktion in ganz Europa pleitegehen werden.

Es wäre ein mittleres Wunder, wenn daraus nicht eine wirtschaftliche Kernschmelze entstünde.“

In dieser Krise könnten aber auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die amerikanische Federal Reserve (Fed) nicht helfen. Denn die EZB habe „ihr Pulver bereits 2008 verschossen und nie wieder aufgefüllt.“ Ähnliches sagt Müller von der Fed. Sie hätte ihr „ganzes Pulver in einem Schuss verpuffen lassen.“

Generell könnten die Notenbanken in dieser Krise aber auch kaum etwas bewirken. Denn aktuell herrsche eine exakt gegenteilige Situation zu 2008. Damals hätten sich Banken im Umfeld einer recht stabilen Weltwirtschaft verzockt. Die Notenbanken hätten daraufhin die Banken gerettet und eine realwirtschaftliche Katastrophe verhindert.

Doch derzeit hätte man einen Angebots- und Nachfrageschock. „Darauf haben die Notenbanken keinen Einfluss. Egal, wie niedrig die Zinsen sind, es geht dennoch keiner vor die Tür“, so Müller.

„Es geht gerade erst los“

Der Börsianer glaubt, dass das Virus „vermutlich ein bis zwei Jahre Schrecken verbreiten“ werde. Die Dauer der wirtschaftlichen Folgen sei aber abhängig von der Frage, wie lange die Regierungen „die teilweise grotesken“ Maßnahmen aufrechterhalten und welche Kettenreaktionen in Gang gesetzt werden. „Aber man sollte nicht glauben, dass der Spuk in einigen Wochen vorbei ist. Es geht gerade erst los.“

Die Folgen der aktuellen Krise könnten drastisch sein. Der Börsenexperte glaubt, sie könnten der „Startschuss zu einer Transformation hin zu einer regionaleren Weltordnung sein.“ (so/dts)

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