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Ein neues Geld

Epoch Times3. Dezember 2004
Frei nach Marx scheint es, daß überall in Deutschland ein Gespenst umgeht: Das Gespenst des wirtschaftlichen Niedergangs. In immer mehr Städten sieht man leerstehenden Läden, Steuereinnahmen brechen weg, und die ´Geiz ist geil´-Mentalität erobert breite Schichten der Bevölkerung.

Die Privatverschuldung beginnt mit der der öffentlichen Haushalte zu wetteifern. Wirtschaftliche Tristesse ist chic. Und gegen diesen Trend gibt es jedoch Menschen, die alternative Auswege suchen. So geschehen im Chiemgau, wo das Problem der Verschuldung Tradition hat und noch heute den Touristen gezeigt wird – in Gestalt des Schlosses Herrenchiemsee vom Märchenkönig Ludwig II, der leider noch nichts von den Segnungen des Regionalgeldes wußte und aufgrund seiner Schulden vom bayerischen Landtag abgesetzt wurde..

Dort, in der Gegend um Prien, fanden sich also einige Menschen zusammen, die ein Regionalgeld einführen wollten und dies tatsächlich schafften, mit mittlerweile wachsendem Erfolg. Das ganze Projekt steht unter dem Motto ´Geld für die Region´. Der Chiemgauer ist ein Gutschein, der als Verrechnungsmittel innerhalb des Vereins namens Chiemgauer regional verwendet wird. Mit dem Chiemgauer kann man bei regionalen Geschäften Waren und Dienstleistungen bezahlen. Das Ziel ist die Stärkung der Region durch die Förderung von drei Bereichen:

-Bewusstseinsbildung bei Verbrauchern für nachhaltige und qualitativ hochwertige Güter aus der

Region

-Netzwerk-Bildung bei regionalen Unternehmen und die Schaffung von regionalen

Wertschöpfungsringen

-Förderung der Finanzkraft von gemeinnützigen Kulturmachern in der Region

Der Verein hat verschiedene Regeln aufgestellt.

Regel 1:

Belohnt wird, wer Geld in der Region hält.

Ziel ist es demnach primär, das Geld in der Region zu halten. Milch soll wieder beim Bauern um die Ecke gekauft werden, und nicht im Supermarkt, der sie von Apulien herbeikarren muß.

Konkret erklärt der Verein es so:

„Eine Fachverkäuferin für Schuhe würde vielleicht niemals ihre Schuhe bei einem Discounter kaufen, aber vielleicht kauft sie irische Butter vom Discounter und wundert sich dann, dass der heimische Landwirt nun anfängt, seine Schuhe beim Discounter zu kaufen. In letzter Konsequenz heißt das: Wir sparen uns gegenseitig kaputt. Aus diesem Kreis gilt es, mit einer bewussten Entscheidung für die regionale Anbindung des Euros auszubrechen und so sehen dann die Kreisläufe aus: Frau E. kauft bei der Buchhandlung Buks für 100 Chiemgauer Bücher, die Besitzerin entlohnt damit ihre Mitarbeiterin, die im Regionalmarkt Prien damit einkaufen geht. Der Regionalmarkt begleicht seine Rechnung beim Anderlbauer in Chiemgauern, der die zuliefernden Schäfer bezahlt. Der Schäfer geht bei Naturwaren La Rosa in Rosenheim einkaufen, diese bezahlen die Demeter-Nudeln von der Bäckerei Pretzner in Reit im Winkl. Diese bezieht Dinkel-Mehl von Franz Obermeyer aus Tengling und wenn alles gut geht, tankt er bald für 100 Chiemgauer Pflanzenöl.“

Regel 2:

Belohnt wird, wer sowohl an sich selbst als auch an das Ganze denkt.

Um dieses Postulat zu erreichen, gibt es eine Gebühr, die bei der Ausgabe oder dem Umtausch berechnet wird. Diese fließt den örtlichen Vereinen zu .

Regel 3:

Je länger Geld nicht verwendet wird, desto mehr verliert es an Wert. Je höher die Bereitschaft der Menschen ist, ihr Geld abzugeben, desto höher ist der Wohlstand für den Einzelnen und die Allgemeinheit.

Beim Chiemgauer werden hierzu Erneuerungsmarken eingesetzt. Zum Ende eines Quartals laufen die Gutscheine ab und werden ungültig. Mit Marken im Wert von 2% können die Gutscheine wieder auf den vollen Wert gebracht werden. Diese “Nachhaltigkeitsgebühr” bringt die Menschen dazu, das Medium Geld am Fließen zu halten und nicht wie im Rest der Republik zu horten. Der nominale Wert auf dem Schein bleibt dabei immer konstant, also ein 5er bleibt immer ein 5er.

Ein ähnliches Modell gibt es mittlerweile in vielen Ländern, so in Ithaca, USA. Wie funktioniert das dort? Die Regionalwährung Ithaca-HOUR gilt in Ithaca wie ein $10-Schein, da zehn Dollar pro Stunde den Durchschnittslohn, bzw. das durchschnittliche Gehalt im Landkreis (Tompkins County) darstellen. Mit diesen HOUR-Scheinen, die es in fünf Einheiten gibt, kann man eine Unzahl von Dienstleistungen und Artikeln erwerben wie etwa Klempner- oder Zimmermannsarbeit, Handwerk, Elektroinstallation, Bedachung, Krankenpflege, Chiropraktik, Kinderbetreuung, Auto- und Fahrradreparatur, Lebensmittel, Brillen, Brennholz, Geschenke usw. Die HOURS werden beim lokalen Kreditverein als Ratenzahlungen für Hypotheken und Darlehen angenommen. Mit HOURS kann man auch Miete zahlen. Die feinsten Restaurants der Stadt nehmen HOURS entgegen, ebenso Kinos, Bowlingbahnen, zwei Lebensmittelgeschäfte in örtlichem Besitz, Leute, die auf ihrem Grundstück ausrangierte Haushaltsgegenstände verkaufen (`garage sales‘), vierzig Händler des Wochenmarkts und zweihundert andere Geschäfte. Hunderte von Menschen, deren Namen nicht auf der Teilnehmerliste im Informationsblatt Ithaca Money stehen, haben HOURS verdient und ausgegeben. So erklären die Initiatoren in Ithaca wörtlich:

„Wir haben unser eigenes Geld gedruckt, weil wir schon lange beobachtet hatten, wie Bundesdollars hierher kommen, durch einige Hände gehen und dann abwandern und für Holz aus dem Regenwald und zur Kriegführung verwendet werden. Dagegen bleiben Ithaca-HOURS (so heißt unsere Währung) in unserer Gegend und dienen dazu, daß wir einander Arbeit geben können. Während der US-Dollar uns zunehmend von multinationalen Konzernen und Bankiers abhängig werden läßt, verstärken die HOURS den Handel in der Gemeinde und kommen einem Geschäftsleben zugute, das eher auf unsere Besorgnis um Ökologie und soziale Gerechtigkeit Rücksicht nehmen wird.“

Sie betrachten Ithacas HOURS als wirkliches Geld ( local tender ), hinter dem wirkliche Leute, wirkliche Zeit, wirkliche Fähigkeiten und Werkzeuge stecken. Dollars, so erklären die Teilnehmer, seien dagegen Scheingeld, hinter ihnen steht nicht mehr Gold oder Silber wie in alter Zeit, sondern weniger als nichts, d.h., 7 Billionen $ Staatsverschuldung. Auf Ithacas Geldscheinen werden lokale Eigenheiten gewürdigt, die den Bewohnern wichtig sind, z.B. heimische Blumenarten, gewaltige Wasserfälle, kunstgewerbliche Arbeiten, Bauernhilfe und Kinder. Die Gedenk-HOUR ehrt als erstes Papiergeld in den USA eine Afroamerikanerin, ja, überhaupt erstmals in Amerika eine Frau.

Zudem, so erklären sie stolz, sei die Ithaca-HOUR sogar fälschungssicherer als der Dollar, bekanntlich die meistgefälschte Währung der Welt.

Die Zukunft wird zeigen, ob diese Ideen einer neuen Art der Geldwirtschaft sich auf ein größeres Gebiet übertragen lassen, oder ob die Skeptiker recht behalten und alles nur ein kurzfristiger Spuk von Idealisten sein wird. (ci)



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