Elektrizitätswirtschaft will Erneuerbare Energien ausgrenzen

Epoch Times29. Oktober 2005 Aktualisiert: 29. Oktober 2005 1:06

Berlin – Ginge es nach dem Willen des Lobbyverbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), würden Ausbau und Förderung von Solarstrom, Erdwärme und Bioenergie gestoppt werden. Dies geht aus einem Gutachten hervor, dass der VDEW derzeit verbreiten lässt.

„Passend zu den Koalitionsgesprächen in Berlin servieren die Energiekonzerne der Politik eine vermeintlich billigere Variante der Erneuerbare-Energien-Förderung“, kommentiert Milan Nitzschke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). „Die Wahrheit ist: Das sogenannte Integrationsmodell ist ein Ausgrenzungsmodell. Solarstrom, Erdwärme, nachwachsende Rohstoffe und bäuerliche Biogasanlagen fallen dabei einfach aus der Förderung raus. Übrig bleiben Windstrom und Wasserkraft, das aber zu einem höheren Preis.“ Der konventionellen Elektrizitätswirtschaft gehe es in Wirklichkeit nicht darum, Kosten zu sparen. Ziel der Konzerne sei vielmehr, den Einstieg in dezentrale und vom Verbraucher selbst produzierbare Erneuerbare Energien aus Gründen der eigenen Profitmaximierung und aus Angst vor Tausenden zukünftigen Wettbewerbern auszubremsen.

Entgegen der Behauptung der Energiewirtschaft, damit ließen sich Kosten senken, rechnet der BEE vor: „Das VDEW-Modell wäre allein in diesem Jahr 800 Millionen Euro teurer als das erfolgreiche Erneuerbare-Energien-Gesetz.“ Grund seien erhebliche Mitnahmeeffekte, wie sie bei den ähnlichen Fördersystemen in Großbritannien und Italien zu beobachten seien. Dort lägen die Preise beispielsweise für Windstrom um 20 bis 80 Prozent höher als in Deutschland. „Die Mitnahmeeffekte streichen die Energiekonzerne ein – in Großbritannien insbesondere die deutschen Unternehmen E.on und RWE, die im eigenen Land nichts von Erneuerbaren Energien wissen wollen“, so Nitzschke.

Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ernte hingegen bei renommierten Instituten Bestnoten im internationalen Vergleich. In aktuellen Gutachten bescheinigten das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, die Fraunhofer Gesellschaft, das Schweitzer Prognos-Institut und das MIT-Institute of Cambridge dem EEG höchste Effektivität bei möglichst geringen Kosten, so der BEE.

Dies sei auch der Konzernlobby bekannt. VDEW gebe in Protokollen selbst zu, dass sein sogenanntes Integrationsmodell zunächst teurer sein wird als das EEG. Trotzdem versuche der Verband, mit einem Auftragsgutachten den Eindruck zu erwecken, es würde billiger. Blamabel sei dabei, dass die Studie des Privatgutachters Hillebrand höhere Einsparungen errechnet als heute überhaupt für Erneuerbare Energien bezahlt wird. Insgesamt bezeichnet der BEE die vom VDEW verbreitete Studie als unwissenschaftliches Gefälligkeitsgutachten. Nitzschke: „Es ist nicht schwer, Einsparungen auszuweisen, wenn man die Hälfte der Energieträger einfach aus der Förderung rausschmeißt und bei der Berechnung ausklammert. In Wahrheit würde das Modell Milliarden Mehrkosten verursachen und die Stabilität des Standortes Deutschland für Erneuerbare Energien dramatisch beeinträchtigen.“ (BEE)



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