Finanz-Guru Peter Schiff sieht schwarze Wolken über der US-Wirtschaft aufziehen

Von 20. Oktober 2014 Aktualisiert: 20. Oktober 2014 9:12

Peter Schiff ist ein bekannter Querdenker. Er meint, dass die USA in einer schlechteren Position sind als das zu mehr Wachstum herausgeforderte Europa, weil die Lockerung der Geldpolitik (QE; quantitative easing) nicht funktioniert hat. Er beschreibt die Situation in den USA mit: „Öl ins Feuer gießen, um zu löschen“. Schiff denkt auch, dass die USA schlimmere Probleme haben als Japan.

Schiff ist der CEO und globale Chefstratege der Investmentfirma Euro Pacific Capital, spezialisiert auf ausländische Märkte und Wertpapiere. Sein Bestseller-Buch, „Crash-sicher: Wie man von dem kommenden wirtschaftlichen Zusammenbruch profitieren kann“, wurde im Februar 2007 veröffentlicht.

Schiffs fünftes Buch, „The Real Crash (vollständig überarbeitet und aktualisiert): Amerikas kommender Bankrott“, wurde im April 2014 veröffentlicht. Er ist auch Gastgeber der in den USA landesweit ausgestrahlten Peter Schiff Show

Peter Schiff sprach am 17. Oktober mit der Epoch Times auf der Welt MoneyShow im Metro Toronto Convention Centre in Kanada. 

Epoch Times: Mr. Schiff, Sie haben in Ihrer Präsentation erwähnt, dass die USA sich auf weitere quantitative Lockerungen (QE) zubewege mit Zinsen bei 0 Prozent, weil die USA es sich nicht leisten können, einen „normalen“ Zinssatz zu zahlen (Verluste bei Anleihebeständen der Federal Reserve waren ein von Ihnen erwähnter Grund). Meinen Sie, dass die USA zu einem weiteren Japan werden?

Peter Schiff: Ich meine, die Vereinigten Staaten haben noch schlimmere Probleme als Japan, sodass ich vermute, die USA werden ein noch schlechteres Ergebnis haben. Ich sehe immer noch, dass Japan ein ernstes Problem hat, aber ich nehme an, es ist kein unlösbares Problem.

Japan begann aus einer Position der Stärke. Die USA begannen aus einer Position der Schwäche. Japan hatte inländische Ersparnisse, die es verwirtschaften konnte, die USA haben die nicht; sie rechnen schon damit, die Ersparnisse der Welt zu verschleudern.

Die Japaner haben gerade begonnen, ins Defizit zu gehen, aber in den letzten zwei Jahrzehnten hatten sie Überschüsse, und die USA laufen bereits seit Jahrzehnten im Defizit und die Auslandsverbindlichkeiten sind enorm. Die meisten der japanischen Staatsanleihen werden von den Japanern gehalten.

Epoch Times: Aber was ist mit Japans 200 Prozent Verschuldung zum BIP?

Peter Schiff: Ich sage nicht, dass das kein Problem ist, aber ich denke auch, dass die US-Schulden zum BIP eigentlich schlimmer sind, wenn man die Gesamtheit der Schulden berücksichtigt, und auch wenn Sie auf die Anfälligkeit des US-BIP schauen. Das US-BIP besteht zu 70 Prozent aus  Konsumausgaben, die dabei sind zusammenzubrechen, und so könnte die Schulden-zum-BIP-Dynamik schlimmer werden, weil die Schulden explodieren könnten, während das BIP implodiert.

Die USA sehen nur so aus, als machten sie es besser

Epoch Times: Zum Thema, dass  die USA in einer schlechteren Situation sind als Europa – Europa hat keine quantitative Lockerung [QE, quantitative easing] zu Beginn der Finanzkrise unternommen und kämpft nun, um ins Wachstum zu kommen. Die USA wachsen und sehen aus wie der einsame Lichtblick in der Welt.

Peter Schiff: Ja, das ist die gängige Meinung. Gerade weil die USA all diese QE eingesetzt haben, sind sie in einem schlechteren Zustand. Wenn die Auswirkungen davon nachlassen, werden die USA sich in einer größeren Rezession als Europa befinden. Es ist, als hätten die USA mehr Drogen genommen, und so wurden sie „higher“ und in dieser Hinsicht kann man noch sagen, „schau, wie Amerika es besser macht", aber zu welchem ​​Preis?

Wir [die USA] sehen nur so aus, als machten wir es besser. Weil wir der Zukunft frönen, wird  die Gegenwart ein wenig mehr geopfert, aber die Menschen realisieren nicht die Verbindung der Punkte und sehen nicht, dass das, was auch immer wir an Wachstum jetzt genießen, auf Kosten der zukünftigen Rezession geschieht. Die Tatsache, dass Europa nicht so viel getan hat wie wir, wird ihnen zugutekommen, nicht, dass sie alles richtig gemacht haben; sie haben auch immer noch einige Stimuli gesetzt. Sie hätten das besser nicht getan.

Aber weil die USA so viel taten, wie sie taten …  denken die Leute jetzt, Europa sollte den USA nacheifern.  Es ist sehr verfrüht zu glauben, dass die quantitative Lockerung das bewirkt hat; um das zu sagen, muss man in der Lage sein, den Stimulus zu entfernen und dann müsste alles ok sein.

Aber die USA haben noch nicht einmal das getan – alles, was sie getan haben ist, darüber zu reden. Und schon beginnt alles zu zerfallen. Also ich denke, dass schon im nächsten Jahr niemand mehr die USA als Beispiel für das betrachten kann, was man tun sollte. Ich vermute, es wird dann mehr Menschen klar sein, dass die quantitativen Lockerungen gescheitert sind, wenn die USA genau diese wiederholen müssen.  

[–Besser: Niemanden retten und den Markt die Verzerrungen korrigieren lassen–]

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Epoch Times: Wenn die USA mit den QE praktisch Öl ins das Feuer gießen, was hätten oder sollten sie zu Beginn der Finanzkrise getan haben?

Peter Schiff: Niemanden retten und den Markt die Verzerrungen korrigieren lassen, was eine Reduzierung der Preise von Vermögenswerten einbezieht, einen Ausfall bei Schulden, weil wir zu viel Fremdkapital haben. Wie wird man Schulden los? Man strukturiert sie neu.

Wir mussten die Vermögenspreise nach unten bekommen und wir brauchten eine Bestrafung für die schlechten Akteure. Nicht alle Banken haben sich mit Subprime-Hypotheken vollgesaugt. Also lassen Sie diese Banken diejenigen aufkaufen, die scheiterten.

Stattdessen hat keine dieser großen Banken, die so rücksichtslos agierten, für ihre Rücksichtslosigkeit bezahlt; sie wurden fast alle gerettet. Und weil wir die großen Banken so viel größer machten, landeten viele kleinere Konkurrenten, die verantwortungsvoll handelten, im Aus, weil sie nicht mit diesen Giganten konkurrieren konnten. Sie hatten nicht diesen besonderen Vorteil: too big to fail.

Epoch Times: Sie haben erwähnt, dass, wenn die Menschen erkennen, dass die quantitative Lockerung im Grunde immer so weitergeht, diese Erkenntnis das Spiel umdrehen wird. Wie wird die Welt in dieser Situation aussehen?

Peter Schiff: Die große Veränderung wird in den Finanzmärkten passieren. Es wird einen großen Fall beim US-Dollar geben, einen großen Run ins Gold, und es wird eine Erholung bei den Rohstoffen eintreten. Zunächst wird es eine positive Wirkung haben, denn was die Weltwirtschaft zusammengehalten hat, war die Erwartung dieses Liquiditätsentzugs und all dieses Geld, das in die USA fließt.

Wenn es sich umkehrt, wird in vielen dieser Länder, die jetzt unter Druck stehen (Beispiel Russland), der Druck aus ihren Währungen herausgehen.

Viele Volkswirtschaften leiden, weil sie auf diesen großen Fall der Rohstoffpreise warten, und erinnern Sie sich, der stärkere Dollar bedeutet im Grunde, dass am Ende immer mehr von den Amerikanern gekauft wird, was bedeutet, dass alle anderen weniger bekommen. Aber wenn der Dollar schwächer wird, dann können alle anderen mehr haben, weil die Amerikaner sich nicht mehr so viel leisten können.

Wir belohnen die Banken für ihre Größe, aber nicht für ihre Klugheit, und eigentlich wäre es nötig, dass die Wirtschaft und die freien Märkte die Unordnung entwirren, die die Notenbanken und die Regierung angerichtet haben. Aber stattdessen haben wir quantitative Lockerungen eingesetzt und das Feuer wurde größer.  

Epoch Times: Wie wird die nächste Wiederholung der quantitativen Lockerungen aussehen?

Peter Schiff: Janet Yellen hat über Einkommensungleichheit gesprochen. Die Wahrnehmung der QE ist, und das ist richtig, dass wohlhabende Menschen, Menschen mit Vermögen, und nicht die durchschnittlichen Verbraucher davon profitieren.
Also ich denke, wenn die USA das nächste Mal die QE einsetzen, werden sie auch etwas anderes tun. Ich denke, sie werden versuchen, einen Weg zu den kleinen Leuten zu finden. Wir müssen das Geld direkt in die Hand der Verbraucher geben.

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