Brisantes IWF-Papier: Wird Europas lahmende Wirtschaft einen EZB-Krieg gegen das Bargeld entfachen?

Von 12. Februar 2019 Aktualisiert: 12. Februar 2019 14:15
Nicht nur in Übersee, auch in Europa lahmt die Konjunkturentwicklung. Die Möglichkeiten zur Stimulation des Kreditwesens über Zinssenkungen stoßen angesichts der Nullzinspolitik der EZB an ihre Grenzen. Nun erregt ein radikaler Vorschlag aus dem IWF Aufsehen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft im laufenden Jahr nach unten korrigiert, auch mehrere europäische Staaten sind mit ihren Vorhersagen vorsichtiger geworden.

In den USA bleibt die Wirtschaft trotz jüngster Leitzinserhöhungen robust – in Europa hingegen trotz eines bereits langjährigen Zinstiefs lahm.

Der amerikanische Weg zur Mobilisierung von Wachstum, der unter anderem in der Beseitigung hoher Steuern und bürokratischer Hemmschuhe für Unternehmen und Bürger bestand, scheint in den Führungsetagen vieler europäischer Länder keine Option darzustellen.

Doch auch die Maßnahmen, die die EZB bereits in den vergangenen Jahren bemüht hatte, um das Wachstum zu stabilisieren, nämlich eine lockere Geldpolitik und ein Leitzins von null, stoßen an ihre Grenzen. Die Geschäftsbanken haben vom billigen Geld nicht Gebrauch gemacht – offenbar weil sie sich keinen ausreichenden Nutzen davon versprachen.

Kalte Enteignung von Bargeldbesitzern

Sollte die Wirtschaft weiter in Richtung Rezession rutschen, bliebe nur noch der Weg der Negativzinsen – flankiert von einer damit verbundenen Entwertung von Bargeldbeständen. Dies, so schreibt die „Welt“, schwebt zumindest den IWF-Ökonomen Ruchir Agarwal und Signe Krogstrup vor, die in einem Blogbeitrag die Schaffung eines Umtauschkurses zwischen Bargeld und Buchgeld fordern.

Die Teilung der Geldmenge in diese beiden Parallelwährungen könnte verhindern, dass Bürger mögliche Negativzinsexzesse durch eine Erhöhung gehaltener Barbestände unterlaufen – ohne zu Zwangsmaßnahmen gegen den Bargeldbesitz greifen zu müssen, der Bürger auf die Barrikaden bringen könnte. Immerhin rede man von Größenordnungen einer Leitzinssenkung von drei bis sechs Prozent, die erforderlich wären, um einen wirklichen Belebungseffekt herbeiführen zu können – ausgehend vom derzeitigen Nullzinsniveau.

Nur eine Abwertung der Bargeldbestände im gleichen Ausmaß wie die Zinsen könnte in einem solchen Fall die Bürger davon abhalten, die Konten zu plündern und ihr Geld unter dem Kopfkissen aufzubewahren.

Dass der Vorstoß nicht lediglich ein Gedankenexperiment sich unterfordert fühlender Analysten in irgendeinem Büro der IWF-Zentrale in Washington, D.C. darstellen könnte, darauf deutet der Umstand hin, dass zumindest Krogstrup diese Vorschläge nicht zum ersten Mal äußert. Bereits im August 2018 hatte sie in einem Aufsatz ein ähnliches Vorgehen angeregt – nur damals im Zusammenwirken mit Katrin Assenmacher-Wesche, ihres Zeichens Abteilungsleiterin für geldpolitische Strategie bei der EZB. Augenscheinlich hat diese Vision also auch dort bereits einen gewichtigen Fuß in der Tür.

Letzte Schutzbarriere zu Gunsten der Sparer beseitigt?

Aus Sicht deutscher Ökonomen wäre ein solches Vorgehen jedoch im besten Fall nutzlos, im schlimmsten Fall gar ein Horrorszenario. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer weist in der „Welt“ allein schon auf die Folgen für Anleiherenditen hin, die den Kern der meisten Altersvorsorgeprodukte ausmachten:

Fehlen auf Dauer die Zinseinnahmen, könnten die Bürger gezwungen sein, ihren Konsum zurückzufahren, um so mehr für das Alter zu sparen.“

Dies würde das Wachstum erst recht abwürgen.

Der Leipziger Professor für Wirtschaftspolitik Günter Schnabl hält Kapitalflucht für die zwangsläufige Konsequenz eines solchen Angriffes gegen Ersparnisse. Eine Abwertung des Euro wäre die unausweichliche Folge, in weiterer Folge Bankenpleiten, Kaufkraftverluste und weitere Wachstumsdellen.

Hans-Werner Sinn vom ifo meint gar, das Parallelwährungssystem wäre im Grunde „die lange befürchtete Währungsreform, bei der die Bargeldbestände entwertet werden“. In einer Situation, in der die Niedrigzinspolitik die deutschen Sparer bereits um mögliche Gewinne von 700 Milliarden Euro gebracht hätte, habe Bargeld der „Ausbeutung der Sparer noch eine Grenze gesetzt, weil es eine Zinsuntergrenze von null implizierte“. Diese drohe nun wegzufallen.

Nur ein Ausstieg aus dem Euro könnte in diesem Fall die schlimmsten Folgen für den deutschen Sparer abwenden. Immerhin hält Sinn es für wenig realistisch, dass die EZB tatsächlich dem Ansinnen aus dem IWF folgen würde.

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