Crash als Chance? Weik & Friedrich im aktuellen Interview

Von 24. Juni 2014 Aktualisiert: 24. Juni 2014 9:11

„Der Crash ist die Lösung“, das Finanzbuch von Matthias Weik und Marc Friedrich, ist seit dem 16. Mai auf dem Markt und trat sofort einen unglaublichen Siegeszug an: Es landete auf Anhieb auf der Spiegel Bestsellerliste Hardcover! Und eroberte Rang 1 im manager magazin und im Handelsblatt.

Mehrere aufgestellte Prognosen ihres Buches sind bereits eingetreten: Die Leitzinssenkung der EZB, die Installation von Minuszinsen für die Bankeinlagen, das nochmalige Absenken des Garantiezins für die Kapitallebensversicherungen sowie den Ausgang der EU-Wahl.

Nach dem Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“, dessen erste Medien-Rezension in dieser Zeitung im Juli 2012 erschien, ein weiterer Beweis für die Aktualität der Fakten und die Seriosität der Autoren im Finanzbereich.  

Fast 2 Jahre stand es auf der manager magazin Bestsellerliste – davon 6 Monate auf Platz 1. 82 Wochen auf der Spiegel Bestsellerliste – davon 11 Wochen auf Platz 2. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013.

Die Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich in einem aktuellen Interview

ETD: Wir erleben eine schleichende Enteignung der Bürger. Durch die Zins-Politik von EZB-Chef Mario Draghi werden Vermögenswerte in mehrstelligen Milliardenbeträgen vernichtet. Warum wehren sich die Bürger nicht gegen diese nie zuvor erlebten Raubzüge von staatlichen Einrichtungen?

Weik: Gute Frage. Ich meine, den meisten Menschen ist offensichtlich noch gar nicht bewusst, was hier eigentlich passiert. Eigentlich müssten Millionen Menschen auf der Straße sein und sich empören, wenn sie jeden Tag beraubt werden und für etwas bezahlen müssen, was sie selbst nicht angerichtet haben.

ETD: Also Sie meinen, das moderne Lebenstempo ist so hoch, dass keiner darauf schaut?

Weik: Ja, ansonsten kann ich mir nicht erklären, warum es noch so ruhig ist. Ich denke, die meisten Menschen sind zu sehr mit ihrem Alltag und sich selbst beschäftigt und finden keine Zeit, sich um solche Dinge auch noch zu kümmern.

ETD: Sie sind ja mittlerweile nicht die Einzigen, die über einen bevorstehenden Crash reden.

Weik: Ja, wahrscheinlich sind es aber immer noch viel zu wenige Leute, die sich damit befassen. Das kann nur heißen, dass es den meisten nicht bewusst ist, was gerade abläuft. Vielleicht wollen sie es auch nicht wissen. Der Mensch neigt gerne dazu den bequemsten Weg zu gehen – auch wenn dieser dann im Nachhinein oftmals schmerzhafter ist.

ETD: Oder gibt es zu wenig Kenntnisse? Das führt uns zu der Frage: Warum ist der Glaube an die volkswirtschaftliche Rettung durch beständiges Wachstum ein Irrtum?

Weik: Weil wir nicht unbegrenzt wachsen können, weil auf unserer Erde einfach nur in begrenztem Maße Rohstoffe vorhanden sind. Dazu gehört auch die Frage. Wieviel kaufen und konsumieren wir, was wir eigentlich gar nicht brauchen. Aber wir "müssen" kontinuierlich wachsen, um unser Bilanzsystem und unser Wirtschaftssystem am Laufen zu halten. Das ist mittlerweile so, dass dadurch die Natur und auch der Mensch auf der Strecke bleiben.

[–Bad Banks – Mehrwert –  Krise als Chance–]

ETD: Kann man da auch gesündere Kreisläufe einrichten?

Friedrich: Das kann man nicht nur. Das müssen wir, denn so können wir nicht weitermachen. Es dauert nicht mehr lange und wir haben unsere schöne runde Erde zerstört. Spätestens dann werden uns die Umstände dazu zwingen – jedoch verbunden mit enormen Kollateralschäden.

ETD: Ist der Mehrwert für ein gesundes Wirtschaftssystem ausschlaggebend?

Weik: Der Mehrwert müsste heißen, dass wir weiter auf dieser schönen Erde leben können und auch überleben können. Das ist eigentlich ein unbezahlbarer Mehrwert.

ETD: Sind die in den so genannten „Bad Banks“ ausgelagerten, wertlosen  Milliarden überhaupt jemals wieder realisierbare Vermögenswerte oder handelt es sich um auf Null abzuschreibende Beträge?

Weik: Also ich kann mir nicht vorstellen, dass das alles realisierbare Werte sind. Wieviel da allerdings noch von Wert und realisierbar ist, und was wir einfach mit Null abschreiben müssen, das ist schwer zu sagen, weil es einfach komplett intransparent ist. Kein Mensch, jedenfalls keiner in der Öffentlichkeit, weiß, was und wieviel outgesourced wurde und wie lange die Werte laufen. Ich denke, man hat das nicht alles in Bad Banks ausgebucht, aber es wird sehr viel Finanzmüll vorhanden sein, den wir einfach abschreiben werden müssen und werden.

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Alleine bei der staatlichen FMS Wertmanagement, der Bad Bank der Hypo Real Estate, wurden Papiere im unvorstellbaren Volumen von 175 Milliarden Euro ausgelagert. Bis heute hat uns Bundesbürger das ganze Abenteuer schon 13 Milliarden Euro gekostet. Und das wird leider nicht das Ende der Fahnenstange sein. Für all das haften wir!

ETD: Müsste das international umlaufende Geld nicht zum größten Teil durch Waren und Dienstleistungen gedeckt sein? Was haben unsere Politiker versäumt?

Friedrich: Sie haben ein ungedecktes Geldsystem unterstützt, das nur durch unser Vertrauen gedeckt ist. Dieses Vertrauen wird aber permanent von oberster Stelle mit Füßen getreten, indem geltende Gesetze gebrochen werden, um ein nachweislich gescheitertes und rein politisch motiviertes Währungsexperiment wie den Euro künstlich am Leben zu erhalten – auf unsere Kosten. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen. Wir müssen uns überlegen, ob es nicht doch wieder Sinn macht, ein gedecktes oder ein teilgedecktes Geldsystem einzuführen. Dies hat in der Vergangenheit besser funktioniert und war stabiler.

ETD: Haben Sie eine Idee?

Weik: Da gibt es viele spannende Sachen, manche reden vom Volldeckungssystem, manche reden von der Rückkehr zur Deckung mit Silber oder Gold oder sonstiges. Ein hundertprozentig gedecktes Geldsystem wird wahrscheinlich in unserer globalisierten Welt nicht funktionieren, aber ein teilgedecktes kann durchaus Sinn machen.  

ETD: Wird ein totaler Crash, ein völliger Neuanfang eine willkommene Chance für alle bedeuten?

Friedrich: Das ist unsere Hoffnung, wir erwarten zwar eine Riesenkrise, aber wir hoffen auf eine Riesenchance darin. – eine Art reinigendes Gewitter. Nachdem wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren, was in der immer schneller drehenden Wohlstandsmühle verloren gegangen ist. Miteinander statt nebeneinander.

Wir Menschen alle zusammen müssen aus der Krise eine Chance machen und sie nutzen und ein Finanzsystem implementieren, das ausnahmsweise auch mal allen Menschen dient und nicht nur einem Teil der Bevölkerung, wie es momentan der Fall ist.

Wenn wir das jedoch nicht tun werden, und die gleichen Protagonisten wie heute an der Macht bleiben, dann werden sie versuchen, uns das neue Finanzsystem, das eigentlich das alte ist, unter einem neuen Anstrich als  Ultima Ratio zu verkaufen. Dies gilt es zu verhindern!

[–Die missverstandene Sache mit den Schulden–]

ETD: Welche Fragen in den letzten Wochen haben Sie am meisten erstaunt?

Friedrich: Kürzlich hat uns ein Journalist gesagt, Schulden seien gut, und Portugal und Griechenland können sich so günstig verschulden wie noch nie. Das hat uns dann doch sichtlich irritiert. Unsere Welt basiere auf Schulden und es gehe ja auch mit Schulden voran. Wir sagten dazu, wer Schulden hat, ist nicht frei. Freiheit ist doch ein verdammt hohes Gut. 

Man hat zwar bisher auch mit Abschreibungen bei Schulden argumentiert, aber wenn eine Währung kracht, dann werden danach immer Guthaben und Schulden unterschiedlich behandelt. Das heißt, die Guthaben werden drastischer reduziert, als die Schulden. Da werden die Schuldner aber mächtig leiden.

ETD: Das glaubt aber kaum jemand, dass man das unterschiedlich handhaben kann.

Friedrich: Aber das ist ja der Sinn der Übung, da kann man einfach mal in die Geschichte schauen, dass immer beim Zusammenbruch Guthaben und Verbindlichkeiten unterschiedlich bewertet wurden. Der Staat entschuldet sich und der Bürger muss zahlen.

ETD: Und das wird politisch entschieden?

Friedrich: Ja, natürlich. Das haben wir in unserem zweiten Buch noch einmal genau beschrieben. Deswegen finden wir es auch so schlimm, wie jetzt gerade junge Menschen zu Schulden verführt werden, die Zinsen sind so niedrig, keine Anzahlung nötig. Aber Zinsen können auch wieder steigen oder neu angepasst werden, zum Beispiel am Ende ihrer Laufzeit bei Immobilien, die aber nicht immer zusammenfallen mit dem Ende der Rückzahlung. Was dann?

ETD: Gab es überraschende Angriffe auf Sie?

Friedrich: Nein, wir sagen ja lediglich die Wahrheit. Aber die kann natürlich auch wehtun und nicht jeder will sie hören.

ETD: Sind Sie auch schon bedroht worden?

Weik: Nein

ETD: Hat man schon versucht, Sie lächerlich zu machen, etwa bei Vorträgen?

Weik: Nein, wir haben uns die Zahlen ja nicht ausgedacht, das sind alles Fakten, die wir vortragen.

ETD: Was macht Sie traurig?

Weik: Dass von Seiten der Politik und der Finanzwirtschaft keinerlei Umdenken stattfindet und wir den Karren mit voller Wucht Richtung Wand steuern. Aber es macht mich eher wütend als traurig.

ETD: Was macht Ihnen Hoffnung auf einen positiven Wandel?

Friedrich: Dass immer mehr Menschen anfangen umzudenken.

Matthias Weik & Marc Friedrich: Der CRASH ist die Lösung - Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten. Eichborn Verlag – 378 Seiten -- € 19,99Matthias Weik & Marc Friedrich: Der CRASH ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten. Eichborn Verlag – 378 Seiten — € 19,99Foto: Cover

ETD: Woran merken Sie das?

Friedrich: Bei unserem ersten Buch haben wir noch gedacht, wir verkaufen vielleicht im Laufe der Zeit 500 Exemplare und halten auch mal Vorträge dazu. Jetzt sind es aber über 120.000, die verkauft wurden. Das neue Buch geht auch rasant nach oben. Dass so viele es nicht nur kaufen, sondern offensichtlich auch lesen, das macht uns Hoffnung, natürlich. Immer mehr Menschen wachen auf und immer mehr Menschen kommen zu  unseren Vorträgen. Früher waren es 10 – 50 heute sind es 500 und mehr.

ETD: Bitte noch ein Wort zum Immobilienkauf, der ja immer noch in den Mainstream-Medien empfohlen wird.

Weik: Die Märkte sind in vielen städtischen Regionen maßlos überhitzt aufgrund des vielen Geldes, das unterwegs ist, auch da werden die Preise erheblich nach unten korrigiert werden. Auf gar keinen Fall hier sich jetzt beirren lassen und nur wegen des billigen Geldes völlig überteuerte Immobilien kaufen – vor allem nicht mit Schulden finanziert.

ETD: Wie ist das bei eigengenutzten Immobilien?

Weik: Eine eigengenutzte schuldenfreie Immobilie ist eine tolle Sache, aber auch da muss man noch einen finanziellen Puffer haben, nicht nur für die Instandhaltung. Der Herr Schäuble oder wer auch immer Finanzminister ist, kann sehr schnell dabei sein und Immobilien neu besteuern. Siehe z.B. in Griechenland, Italien oder Spanien. Wenn ein Staat klamm ist, greift er zu gerne zuerst auf die Immobilienbesitzer zu.

ETD: Wie sieht eine politische Einschätzung Ihres eigenen Standpunktes aus?

Weik & Friedrich: Wir sich beide überzeugte Europäer und Demokraten, aber die Politik, wie sie momentan geführt wird, ist nicht im Sinne Europas und nach unserer Meinung auch nicht mehr im Sinne der Demokratie und vor allem nicht im Sinne der Menschen – sondern das Gegenteil!

Als Realisten und Ökonomen müssen wir leider feststellen, dass der Euro Europa zerstört, anstatt es zu einen. Demokratie ist etwas Schönes und wir leben auf einem tollen Kontinent. Es lohnt sich, darum zu kämpfen und etwas dafür zu tun, um ein demokratisches freies Europa zu erhalten.

ETD: Wir bedanken uns für das Gespräch

Die Fragen stellten Roland Ropers und Renate Lilge-Stodieck