Gasspeicher. Symbolbild.Foto: iStock

Hohe Nachfrage und leere Speicher: Warum die Gaspreise steigen und steigen

Epoch Times12. Oktober 2021 Aktualisiert: 12. Oktober 2021 16:41

Auf den internationalen Märkten hat der Gaspreis nie dagewesene Höhen erreicht. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Wie entsteht der Gaspreis?

Prinzipiell wird der Gaspreis für private Haushalte von drei Faktoren beeinflusst: den Gaspreisen auf den internationalen Märkten, den Netzentgelten sowie Steuern und Abgaben, darunter auch der CO2-Preis.

Laut Branchenverband BDEW wurden im ersten Halbjahr 2021 für ein Einfamilienhaus durchschnittlich 6,22 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Erdgas fällig. Der größte Teil entfiel dabei mit 2,55 Cent auf Beschaffung und Vertrieb. 1,64 Cent wurden für das Netzentgelt fällig. 0,99 Cent waren Mehrwertsteuer, 0,55 Cent entfielen auf die Erdgassteuer und weitere 0,46 Cent auf die CO2-Abgabe.

Wie hat sich der Gaspreis entwickelt?

Der wichtigste Gasmarkt für Kontinentaleuropa ist die Title Transfer Facility (TTF) in den Niederlanden. Es handelt sich um einen virtuellen Handelspunkt, an dem mit Erdgas gehandelt wird. Steigt der Preis hier, steigen auch die Beschaffungskosten für Gasanbieter – und letztendlich für Verbraucher.

Der TTF-Gaspreis steigt seit März 2021 kontinuierlich an – aktuell liegt er bei etwa 87 Euro pro Megawattstunde, doppelt so hoch wie Anfang September. Anfang Oktober erreichte der Preis kurzzeitig schon mal 155 Euro. Zum Vergleich: Zwischen Oktober 2019 und März 2021 schwankte der Preis konstant zwischen 15 und 20 Euro pro Megawattstunde.

Was sind die Gründe?

Der Winter kommt, die Nachfrage steigt und damit der Preis. Hinzu kommen aktuell außergewöhnlich niedrige Lagerbestände in der EU. Europaweit sind die Lager aktuell nur zu gut 77 Prozent gefüllt, in Deutschland sind es rund 70 Prozent. Laut dem Rohstoffanalysten der Commerzbank, Carsten Fritsch, wären zu dieser Jahreszeit Lagerbestände von über 90 Prozent normal.

Die niedrigen Füllstände erklären sich laut Fritsch unter anderem durch einen sehr windschwachen Sommer, in dem wenig Windenergie produziert und somit häufiger auf Gas zur Stromerzeugung zurückgegriffen wurde.

Gleichzeitig gab es weniger Erdgaslieferungen, beispielsweise aus Russland. Auch der Wirbelsturm Ida in den USA Ende August wirkte sich negativ auf die Gaslieferungen aus: Im betroffenen Golf von Mexiko liegen die wichtigsten Exportterminals für Flüssiggas.

Laut dem Energieexperten der Unternehmensberatung Horvath, Andreas Schwenzer, haben sich viele der Gasspeicherbetreiber verschätzt: Angesichts leicht erhöhter Preise entschieden sie sich im Sommer gegen eine Aufstockung ihrer Vorräte – doch die Preise stiegen im Laufe des Jahres immer weiter an.

Auch die Corona-Pandemie spielt eine Rolle: Viele Volkswirtschaften erholten sich nach der Corona-Pandemie schneller als erwartet, erklärt Schwenzer. Eine erhöhte Energienachfrage weltweit ist die Folge, auch die Gaspreise steigen an.

Welchen Anteil haben Steuern, Abgaben und Netzentgelte?

Kosten wie Steuern oder Netzentgelte haben laut dem Energieexperten des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Martin Brandis, keinen entscheidenden Anteil an den aktuellen Preissteigerungen für Gaskunden. Zwar kann es auch hier zu Preiserhöhungen kommen, beispielsweise bei der schrittweisen Anhebung des CO2-Preises. Akut sind es jedoch die Marktpreise, die den Gaspreis für Verbraucher nach oben drücken.

Welche Rolle spielt Russland?

Der Vorwurf steht im Raum: Russland könnte bewusst Gaslieferungen zurückgehalten haben, um Druck auf die Bundesregierung auszuüben und eine Betriebsgenehmigung für die mittlerweile fertiggestellte Pipeline Nord Stream 2 zu erwirken. Der Kreml wies diese Vorwürfe bereits zurück.

Eine vorsätzliche Verknappung ist bisher nicht nachgewiesen worden, Energieexperte Schwenzer verweist auf das insgesamt „extrem hohe Preisniveau“ auf den globalen Energiemärkten. Auch der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder sieht die Hauptursache nicht in Russland, sondern in der wachsenden Nachfrage Chinas, wie er in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“ schrieb.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte kürzlich, nach ihrer Information halte sich Russland an vereinbarte Bestellungen. Es stelle sich daher die Frage, ob genug Gas bestellt werde. (afp/dl)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Unsere Buchempfehlung

Wirtschaftskrisen können geschaffen und genutzt werden, um Aufstände und Revolutionen zu fördern. Sozialistische Bewegungen werden in Krisenzeiten leicht als „Retter“ angesehen.

Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre war der kritische Augenblick, in dem Europa und die Vereinigten Staaten den Weg zu „Big Government“ (ein übermäßig großer Verwaltungsapparat) und dem heutzutage weit verbreiteten Interventionismus einschlugen. Die Finanzkrise im Jahr 2008 wirkte sich ebenfalls günstig für die Ausweitung einer linksgerichteten Politik aus.

Sozialistische Ideen gelten leicht als „Rettungsweg“ aus der Krise, wenn Politiker verzweifelt nach Lösungen suchen. Doch dies bedeutet, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen.

Genau darum geht es im 9. Kapitel des Buches „Wie der Teufel die Welt beherrscht“, es trägt den Titel: „Die kommunistische Wohlstandsfalle“. Hier mehr zum Buch.

Jetzt bestellen - Das dreibändige Buch ist sofort erhältlich zum Sonderpreis von 50,50 Euro im Epoch Times Online Shop

Das dreibändige Buch „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ untersucht auf insgesamt 1008 Seiten historische Trends und die Entwicklung von Jahrhunderten aus einer neuen Perspektive. Es analysiert, wie der Teufel unsere Welt in verschiedenen Masken und mit raffinierten Mitteln besetzt und manipuliert hat.

Gebundenes Buch: Alle 3 Bände für 50,50 Euro (kostenloser Versand innerhalb Deutschlands); Hörbuch und E-Book: 43,- Euro.

Weitere Bestellmöglichkeiten: Bei Amazon oder direkt beim Verlag der Epoch Times – Tel.: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion