Kanadier ertrinken in Kreditkarten-Schulden

Von 28. Oktober 2008 Aktualisiert: 28. Oktober 2008 0:52
Etwa 50 Prozent der Kanadier sind nicht mehr in der Lage, ihre monatlichen Ausgaben zu begleichen, die sie über ihre Kreditkarte tätigen.

Erst als George Grass tägliche Anrufe von Inkassoagenturen bekam, merkte er, dass er in Schwierigkeiten war. Grass, ein ehemaliger Sicherheitsbeauftragter, zahlte mit seiner Kreditkarte Familienreisen, mal hier und mal da kleine Extras, und manchmal sogar Lebensmittel. Es dauerte nicht lange, und die Schulden wuchsen ihm über den Kopf.

„Ich schaute, wieviel Geld hereinkam und wieviel ich ausgab. Es blieb nichts übrig, und ich musste alles zusammenkratzen, um meine Miete zu zahlen und Essen auf den Tisch zubekommen.”, sagte Grass rückblickend. So wie er sind laut „Kredit Kanada“ – einer gemeinnützigen Behörde, die freie Kredit-Beratung anbietet – grob gerechnet 50 Prozent der Kanadier nicht mehr in der Lage, ihre monatlichen Ausgaben zu begleichen, die sie über ihre Kreditkarte tätigen.

Seit 1990 wächst der Schuldenberg

Seit 1990 hat die Schuldenlast kontinuierlich zugenommen und 2007 war der durchschnittliche Kanadier mit 80.000 $ verschuldet, Hypotheken inbegriffen. „Die Kanadier haben einen Bärenhunger auf Kredite und Schulden, so wie unsere amerikanischen Cousins, mit dem Resultat, dass sie nicht mehr tragbar sind”, meinte Laurie Campbell, Geschäftsführerin von „Kredit Kanada“. „Die Leute haben sich in eine Lage gebracht, in der sie Autos geleast oder geliehen haben, eine riesige Hypothek auf ihrer Wohnung haben, und dazu haben sie vielleicht 30.000 bis 40.000 $ Höchstkredite und ungedeckte Verbindlichkeiten in Kreditkarten. Das ist einfach nicht tragbar.”

Studenten schließen das Studium mit der höchsten Schuldenlast aller Zeiten ab

Studenten sind in einer gleich schlechten Situation. Sie schließen mit der höchsten Schuldenlast ab, die Studenten je hatten – und das sei nicht nur die Folge hoher Studiengebühren, so Campbell. “Studenten haben zu ihrem Studentenkredit noch große Kreditkartenschulden. Sie können sich diese Art von Schuldenlast am wenigsten leisten, weil sie während der Schule oder des Studiums generell nicht arbeiten. Sie kommen aus der Schule mit der großartigen Idee, die perfekte Arbeit zu bekommen, aber es endet oft mit einer Arbeit, bei der sie 15 Dollar die Stunde verdienen. Damit können sie kaum ihre Miete und ihren Lebensunterhalt bestreiten, und schon gar nicht den Riesenhaufen an Schulden zurückzahlen.”

Eine Studie über die Schuldenlast von Haushalten, die im vergangenen Jahr vom kanadischen Vanier Institut für Familie veröffentlicht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass die ärmsten 20 Prozent (2,6 Millionen Haushalte) einen Aktiva-Anteil von 34 Milliarden Dollar ausmachten. Ihr Schuldenberg belief sich dagegen auf 40 Milliarden Dollar.

Die reichsten 20 Prozent hatten zwar 186 Milliarden Dollar Schulden, hielten jedoch mit 3,5 Billionen Dollar an Aktiva dagegen. Die Studie zeigte auch, dass die ärmsten 20 Prozent in der Regel Studentendarlehen, Fahrzeug-Anleihen und Kreditkartenschulden hatten. Einer der Gründe für die steigende persönliche Schuldlast ist einigen Studien zufolge vielleicht, dass Kanadier den Vertrag für ihre Kreditkarte nicht lesen und zum größten Teil nicht wissen, wie das Kreditsystem funktioniert, führte George Grass aus.

„Zu der Zeit wusste ich nicht, dass 90 Prozent der Zahlung auf die Bankzinsen gehen und 5 Prozent auf die Tilgung. Deshalb braucht es lange, um die Schuld zu tilgen, und natürlich gehen die Bankzinsen nach oben, weil die Schuldlast eben nicht schnell herunter geht erklärte Grass.

Konsumenten bleiben weltweit immer mehr schuldig

Verbraucherschulden steigen in vielen Ländern. Zahlen, die vom US-Zentralbankrat veröffentlicht werden, zeigen, dass sich die Schuldenlast von Haushalten in den USA im Jahr 2006 auf 2 Billionen Dollar belief, Hypotheken nicht inbegriffen. Im gleichen Jahr waren es in Kanada 1 Billion Dollar.

Astronomisch hohe Bankzinssätze sind keine Hilfe. Jack Layton, der Führer der Neuen Demokratischen Partei, kritisierte vor kurzem die Banken, dass sie nicht die volle Zinssatz-Senkung der Zentralbank an ihre Kunden weitergaben. Während für 2008 sinkende Gewinne erwartet werden, berichteten 2007 Kanadas sechs Banken von Rekordgewinnen über 19,5 Milliarden Dollar. Die Tatsache, dass die Banken 18 oder 19 Prozent Zinsen berechnen, ist lächerlich, ist einfach ungerechtfertigt,” zeigte sich Amir Rubin, Lehrbeauftragter für Wirtschaft an der Simon Fraser Universität, erzürnt. Rubin fügte hinzu, dass die immer höheren Hauspreise und steigenden Hypothekenschulden viel zur Höhe der Schulden von kanadischen Haushalten beigetragen habe.

Soziale Probleme als Folge der massiven Verschuldung

Diese massive Schulden-Last der Kanadier erzeuge einen Domino-Effekt, sagte Campbell, der sich in Gesundheitsproblemen zeigt, in Süchten, in der Zerrüttung von Ehen und einer geringeren Produktivität am Arbeitsplatz, um nur einige zu nennen. Grass kann ein Lied davon singen: „Bevor ich Hilfe von „Kredit Kanada“ erhielt, meine Schulden zusammengelegt und meine monatlichen Zahlungen auf ein machbares Maß herunter gehandelt waren, war ich am Ende. Meine Gedanken kreisten um alle möglichen verrückten Sachen. Meine Nerven lagen blank. Es ging mir dreckig.“

Was das Sparen für schlechte Zeiten statt sich auf Kredite verlassen angeht, sagte Grass, dass, seit er seine Rechnungen bezahlt, nichts zum Sparen übrig bleibt. Der CGA-Kanada Studie [Certified General Accountants Association of Canada: Allgemeiner zertifizierter Verband der Steuerberater] zufolge sparen 25 Prozent der Kanadier in keiner der vielfältigen Möglichkeiten, noch nicht einmal für ihren Ruhestand.

Benjamin Tal, die führende Wirtschaftswissenschaftlerin von CIBC [Canadian Imperial Bank of Commerce], sagte, dass die Sparanteile herunter gingen, da die Netto-Preise nach oben gingen. In den vergangenen Jahren verdienten die Leute viel Geld an der Börse und im Wohnungsmarkt. Das sei ihre Weise von „passivem Sparen” gewesen. „Aber darüber hinaus werden wir mit der Nivellierung des Wohnungsmarkts erleben, dass die Leute wieder auf altmodische Sparmethoden zurückgreifen werden, besonders bei schwächelnder Konjunktur”, prognostiziert Tal.

Hinsichtlich der Konjunkturabschwächung und der Situation in den USA sagte Campbell, dass dann, wenn eine große Anzahl von Leuten ihre Wohnung nicht halten kann und sie verkaufen muss, “der ganze Wohnungsmarkt auseinander fällt.” Kanada, so sagt sie, müsse dieses Szenario vermeiden. “Wir haben die Chance, von dem zu lernen, was da unten im Süden gerade passiert, — wir tun gut daran, schnell zu reagieren.”

Den Originalartikel finden sie hier:

http://en.epochtimes.com/n2/canada/plastic-nation-canada-credit-card-debt-6072.html

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