Schweine auf einem Farm in Kempten.Foto: Lukas Schulze/Getty Images

Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland „so groß wie nie“

Epoch Times21. Januar 2021 Aktualisiert: 21. Januar 2021 13:45
Die Konzentration in der deutschen Landwirtschaft hat in den vergangenen zehn Jahren weiter zugenommen - auch in der Tierhaltung. Zugleich stieg die Zahl der Ökobetriebe weiter an; sie bewirtschaften inzwischen knapp zehn Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche.

Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag (21. Januar) mitteilte, sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit der vorherigen Zählung im Jahr 2010 um zwölf Prozent auf insgesamt 263.500. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche aber blieb mit einem nur leichten Minus von rund einem Prozent mit 16,6 Millionen Hektar oder knapp der Hälfte (46,5 Prozent) der gesamten Fläche der Bundesrepublik nahezu konstant.

Dadurch vergrößerten sich die Betriebe 2020 im Schnitt auf 63 Hektar – 13 Prozent mehr als vor zehn Jahren. „Damit sind die Betriebe so groß wie nie“, erklärte Bundesamtsvizepräsident Christoph Unger. Die Zahl der Betriebe mit einer Fläche von mehr als 100 Hektar wuchs binnen zehn Jahren um etwa 4500 auf rund 38.100 Betriebe an. Nach Angaben der Statistiker bewirtschaften damit 14 Prozent aller Betriebe 62 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland.

Im Schnitt 827 Schweine pro Betrieb

Diesen Trend zu größeren Betrieben gibt es auch in der Tierhaltung: Zwar sind die Tierbestände im Vergleich zu 2010 gesunken – jedoch nicht so stark wie die Zahl der tierhaltenden Betriebe. Das führt dazu, dass es etwa in der Schweinehaltung inzwischen im Schnitt 827 Schweine pro Betrieb gibt. 2010 waren es 459 Schweine.

Auch die Spezialisierung schreitet hierbei voran, vor allem in Betrieben mit Geflügel- und Schweinehaltung. So stehen in den rund 10.000 Betrieben, die ausschließlich Geflügel halten, 70 Prozent des gesamten Geflügelbestandes; in den rund 14.200 Betrieben, die ausschließlich Schweine halten, gibt es 72 Prozent des Gesamtbestandes.

Ungebrochen ist auf der anderen Seite der Trend zur Umstellung auf den Öko-Landbau, auch wenn der Gesamtanteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche weiterhin bei weniger als einem Zehntel liegt (9,6 Prozent nach 5,6 Prozent 2010). Die Zahl der Ökobetriebe nahm gegenüber 2010 um fast 10.000 auf mehr als 26.000 zu – ein Plus von 60 Prozent.

Ökologische Tierhaltung wuchs um 43 Prozent

Die Zahl der Betriebe mit ökologischer Tierhaltung wuchs um 43 Prozent auf rund 17.500. Das sind etwa zehn Prozent aller tierhaltenden Betriebe. Bei Rindern werden laut Bundesamt inzwischen acht Prozent des gesamten Bestandes ökologisch gehalten, beim Geflügel sind es fünf Prozent und bei den Schweinen knapp ein Prozent – also weniger als eins von hundert Tieren.

Gesunken ist parallel zur abnehmenden Zahl der Höfe die Zahl der in der deutschen Landwirtschaft tätigen Arbeitskräfte. Insgesamt sind es knapp 937.000, davon neben 271.000 Saisonarbeitskräften und gut 229.000 ständig angestellten Arbeitskräften rund 436.000 „Familienarbeitskräfte in Einzelunternehmen“, wie das Statistische Bundesamt erklärte.

Laut dem Deutschen Bauernverband (DBV) hat sich die Stimmungslage bei den Landwirten dabei zuletzt weiter verschlechtert. Ursachen seien die „ungünstigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen“ sowie die durch die Corona-Pandemie und die Afrikanische Schweinepest bedingten Auswirkungen auf den Schweinemarkt.

Viele Schweinefleischproduzenten in Deutschland sind stark vom Export abhängig. Auf Kritik stößt beim DBV zudem das geplante Insektenschutzgesetz. Dieses sei so weitreichend, dass es die Existenz betroffener Landwirte gefährde.

Umweltschützer mahnen beim Umbau der Landwirtschaft hin zu mehr Natur-, Tier- und Klimaschutz hingegen mehr Tempo an. Der Bauernverband betonte vor diesem Hintergrund den Widerspruch „zwischen dem gesellschaftlichen Verlangen nach mehr Ökologie und Tierwohl einerseits“ und „der häufig fehlenden Bereitschaft der Verbraucher, im Laden dafür mehr zu bezahlen“ andererseits. Diesen Widerspruch aufzulösen werde „eine der großen Herausforderungen“ für die kommenden Jahre sein. (afp)


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