Lehman Brothers: Das Finanz-9/11 war ein Insidejob

Von 1. Juni 2015 Aktualisiert: 1. Juni 2015 4:15

Bei seinem ersten Auftritt seit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers hat ihr ehemaliger Chef Richard Fuld sein Schweigen gebrochen. Es habe sich um einen “angeordneten Bankrott” gehandelt, betonte Fuld. Die Faktenlage gibt ihm recht.

Die Investmentbank hatte am 15. September 2008 Konkurs beantragt und war zuvor die viertgrößte Bank der USA. Die globale Politik brauchte diese Pleite zur Umsetzung ihrer Krisenstrategie. Mit der Lehman-Pleite hat man es geschafft, die ganze Welt mit ins Krisenboot zu holen. Der damals unter George Bush für Bankenrettung zuständige Finanzminister war Henry M. Paulson war bis 2006 noch Vorsitzender und CEO der Investmentbank Goldman Sachs und persönlicher Bekannter des letzten Lehman-Chefs Richard Severin Fuld.

Das Insolvenzverfahren ist inzwischen abgeschlossen und die Zahlen liegen auf dem Tisch. Anleger erhielten zirka 80% ihrer Forderungen aus der Insolvenzmasse, die für ein “Pleiteunternehmen” mit 15 Mrd. Euro durchaus gewaltig war. Der Insolvenzverwalter verdiente ein Vermögen: Der Wirtschaftsanwalt Michael Frege und die hinter ihm stehende Kanzlei CMS Hasche kassierten 800 Mio. Euro, berichtet N-TV. Auch die Deutsche Bundesbank hatte mit Lehman eine Rechnung offen – es standen 8,5 Mrd. Euro auf dem Spiel. Inzwischen kamen 7,4 Mrd. Euro davon wieder zurück, wie das Institut selbst meldet.

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers war der Startschuss einer globalen Eskalation. Diese spezielle Pleite war nicht die Ursache, aber durchaus ein Brandbeschleuniger, der aktuell noch laufenden Krise. Zu den Einlegern bei Lehman Brothers gehörten vor allem europäische Sparer, Kommunen und Institutionen. Erst durch die Pleite am 15.09.2008 hat sich die Finanzkrise wie ein Spinnennetz über den Globus verteilt. Wenn dies jemand zum Ziel hatte, dann hat er sein Ziel erreicht. 80%-Rückfluss aus einer Insolvenz ist absoluter Rekord. Ähnlich hohe Quoten sah man bei vergangenen Bankenpleiten noch nie. Üblich sind hier, wenn überhaupt 0% bis zirka 10%.

Wie kam es eigentlich zur Pleite? Der US-Kongress hat nur wenige Wochen nach dem Börsenhöchststand des Jahres 2007 eine neue Rechnungslegungsvorschrift eingeführt. Aus heiterem Himmel hat man die Vorschrift dem für EU-Banking geltenden IAS ähnelnden “SFAS 157″ eingeführt und von heute auf morgen mussten US-Banken ihre Anlagegüter so bilanzieren, als würden sie diese per sofort verkaufen wollen. Die Folge: Massenverkäufe. Niemand hatte Lust auf Abschreibungen. Danach entstand eine Kettenreaktion und die Papiere fielen natürlich im Preis, denn viel zu viele Händler haben versucht gleichzeitig zu verkaufen. Die umstrittene Vorschrift “SFAS 157″ wurde genau sechs Tage nach dem Börsen-Tiefpunkt im März 2009 wieder aufgehoben.

Andere Großbanken, wie Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac wurden von der US-Regierung großzügig gerettet. Die Lehmanpleite hat Prozesse in Gang gesetzt, die ohne sie undenkbar gewesen wären. Man wollte die Krise, man bestellte die Krise und man bekam die Krise, um den größten Raubzug der Geschichte zu starten. Lehman Brothers war nicht besonders spekulativ oder aggressiv am Markt. Sie war wie jede andere Bank auch. Nur mit dem Unterschied, dass man jede andere Bank gerettet hat. Lag es daran, dass vor allem Lehman Brothers am europäischen Markt aktiv war? Über solche Motivationen kann man nur mutmaßen. Was man aber klar erkennen kann, das sind Fakten und tatsächliche Auswirkungen.

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