Mitgliedstaaten gespalten
Neues EU-Klimaziel 2040: Teurer Strom, höhere Kosten, ungewisse Zukunft
Kurz vor der UN-Klimakonferenz in Brasilien hat die EU ihre Klimaziele drastisch verschärft. Bis 2040 sollen die Emissionen gegenüber 1990 um 90 Prozent sinken. Dieses ambitionierte Vorhaben könnte für Europas Industrie, Arbeitsplätze und Verbraucher teuer werden, zumal andere Wirtschaftsmächte weit weniger ehrgeizig vorgehen.

Das COP30-Logo vor dem Zentralgebäude am 3. November 2025 in Belém, Brasilien.
Foto: Wagner Meier/Getty Images
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In Kürze:
- EU einigt sich auf 90 Prozent Emissionsreduktion bis 2040 gegenüber 1990.
- Energieintensive Branchen stehen vor Milliardeninvestitionen.
- Verbraucher müssen mit steigenden Preisen und strengeren Auflagen rechnen.
- Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der EU ist in Gefahr.
Am Montag, 10. November, wird im brasilianischen Belém die COP30, die 30. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen, beginnen. Die EU wollte schon im Vorfeld ein Zeichen setzen. Deshalb haben sich die Umweltminister in langen nächtlichen Sitzungen auf ein neues Klimaziel geeinigt – rechtlich bindend und mit verpflichtenden Maßnahmen für alle Mitgliedstaaten. Dieses soll die bereits definierten für 2030 („Fit für 55“) und 2050 (endgültig „Netto-Null“) ergänzen. Die UNO hatte zuvor verlangt, einen „Nationalen Klimabeitrag“ (NDC) für 2035 zu benennen.
Politisch geschaffener „Markt“ soll Preis von Emissionsrechten regeln
Dem neuen Ziel zufolge sollen die Treibhausgasemissionen um 90 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken. Schon heute sind die ehrgeizigen Klimaziele der EU mit signifikanten Belastungen für die Industrie und die Verbraucher verbunden. Dies betrifft insbesondere Unternehmen bestimmter Sektoren wie Energieunternehmen, Industrie, Schifffahrt und Luftfahrt. Sie müssen erst Zertifikate kaufen, um das „Recht“ zu erwerben, CO₂ im Zuge ihrer Betriebstätigkeit zu emittieren.
Ab 2028 greift der sogenannte zweite Emissionshandel (ETS2). Dieser soll dann auch den CO₂-Ausstoß von Gebäuden, Straßenverkehr und verarbeitendem Gewerbe von „Verschmutzungsrechten“ abhängig machen.
Betroffene stehen vor der Wahl: Sie können entgeltlich Zertifikate auf dem politisch kreierten „Markt“ erwerben, deren Preis zuletzt ständig gestiegen ist und ab 2028 von Nachfrage und Verfügbarkeit abhängt, oder sie können die Produktion durch Dekarbonisierung, etwa mittels Wasserstoff, Elektrifizierung oder CCS-Technologie, diesem Mechanismus entziehen. Dies setzt jedoch Investitionen voraus, die bis in den Milliardenbereich gehen können.
Mehrere EU-Mitgliedstaaten widersetzten sich
Die zusätzlichen Kosten werden an die Verbraucher weitergegeben, wodurch Energiepreise und Lebenshaltungskosten weiter steigen. Dazu kommen neue Effizienzstandards für Gebäude, Heizungen oder Fahrzeuge, was private Haushalte zusätzlich belasten wird. Besonders für die Mittelschicht drohen dadurch erhebliche Mehrkosten. Nationale Regierungen haben zwar angekündigt, durch Subventionen („Klimageld“) und Entlastungen die Auswirkungen zu begrenzen, bis dato lässt die Umsetzung des Vorhabens jedoch auf sich warten.
Immerhin ist es Staaten wie Polen oder der Slowakei gelungen, den Beginn des ETS2 um ein Jahr zu verschieben. Allerdings konnten sich die Mitgliedstaaten bezüglich des NDC für 2035 nur auf eine Spanne einigen. Diese soll zwischen 66,25 und 72,5 Prozent liegen. Großbritannien hat als NDC 81 Prozent angegeben.
Die beiden größten Emittenten von Treibhausgasen geben sich weniger verbindlich. China hat zugesagt, diese „gegenüber dem Höchststand“ um „7 bis 10 Prozent“ zu reduzieren. Was dieser Höchststand ist und zu welchem Zeitpunkt er definiert wird, ließ die Führung in Peking jedoch offen. Der zweitgrößte Emittent, die USA, hat das Pariser Klimaabkommen von 2015 nie ratifiziert – und Präsident Donald Trump hat es unmittelbar nach Beginn seiner zweiten Amtszeit wieder aufgekündigt.
Deutschland hätte sich noch weitreichendere Bekenntnisse gewünscht
Immerhin dürfen ab 2031 5 Prozentpunkte der Emissionsrechte durch Klimazertifikate aus dem Ausland abgedeckt werden. Diese sind regelmäßig günstiger und damit weniger belastend für betroffene Unternehmen. Polen hatte gefordert, 10 Prozent auf diese Weise einbringen zu können, Deutschland und die EU-Kommission hätten sich strengere Standards mit maximal 3 Prozent ab 2036 gewünscht.
Die EU hofft, einen Exodus der eigenen Industrie auf breiter Ebene durch unterschiedliche Mechanismen verhindern zu können. Dazu gehören unter anderem Optionen, die Zertifikatpreise durch eine Erhöhung der Menge zu drosseln, oder ein CO₂-Grenzausgleichsmechanismus. Dieser soll bewirken, dass für die Treibhausgasemissionen bestimmter importierter Güter der gleiche Kohlenstoffpreis gezahlt wird wie im Europäischen Emissionshandelssystem.
Allerdings ändert dies trotzdem kaum etwas daran, dass außerhalb Europas im Produktionsprozess kaum vergleichbare Vorgaben zum Tragen kommen. Bereits jetzt warnen internationale Beobachter, dass die besondere Strenge der Europäer beim Netto-Null-Ziel dazu führen könnte, dass durch Verlagerungen am Ende mehr Emissionen zustande kommen.
Von der Leyen bezeichnet neues Klimaziel als „Meilenstein“
Das EU-Parlament hat sich zum Kommissionsvorschlag für das Klimaziel für 2040 noch nicht positioniert. Um das Ziel überhaupt in Kraft treten zu lassen, muss erst der übliche Verhandlungsprozess stattfinden. Einen Zeitplan dafür gibt es noch nicht.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat bei ihrer Ankunft in Belém dennoch von „guten Neuigkeiten“ gesprochen. Auf Bluesky äußerte sie, das Klimaziel für 2035 sei ein „Meilenstein“ auf dem Weg zur Klimaneutralität. Diese soll in Europa 2050 erreicht werden.
Reinhard Werner schreibt für Epoch Times zu Wirtschaft, gesellschaftlichen Dynamiken und geopolitischen Fragen. Schwerpunkte liegen dabei auf internationalen Beziehungen, Migration und den ökonomischen Folgen politischer Entscheidungen.
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