Das Ausbildungsparadox: Azubis unqualifiziert oder wählerisch – Ausbildungsstätten schwer erreichbar

Epoch Times18. September 2019 Aktualisiert: 18. September 2019 7:55
Ausbildungsbetriebe und Azubis finden einer Studie zufolge immer schwieriger zusammen. 2018 suchten 79.000 Jugendliche erfolglos eine Lehrstelle, obwohl sich die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze seit 2009 auf 58.000 mehr als verdreifacht hat.

Ausbildungsbetriebe und Azubis finden einer Studie zufolge immer schwieriger zusammen. Im vergangenen Jahr suchten 79.000 Jugendliche erfolglos eine Lehrstelle, obwohl sich die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze seit 2009 auf 58.000 mehr als verdreifacht hat, wie eine von der Bertelsmann Stiftung unterstützte Untersuchung ergab.

Erstellt wurde der am Mittwoch vorgestellte Ländermonitor berufliche Bildung von der Uni Göttingen und dem Soziologischen Forschungsinstitut in Göttingen.

Betrieb will Azubi nicht  – Azubi will Betrieb nicht

Der Studie zufolge gibt es mehrere Gründe dafür, dass beide Seiten nicht zusammenkommen: So gibt es für 44 Prozent der unbesetzten Stellen zwar interessierte Jugendliche, der Betrieb hält aber entweder die Bewerber nicht für geeignet oder ist für die angehenden Azubis „nicht attraktiv genug“, heißt es in den Ergebnissen der Untersuchung.

Für rund ein Drittel der unbesetzten Stellen gibt es den Angaben zufolge keine Bewerber für den angebotenen Ausbildungsberuf – etwa in Branchen wie dem Lebensmittelhandwerk und im Hotel- und Gastronomiegewerbe.

Ausbildungsstätten in Bayern und Sachsen schlecht erreichbar

Bei knapp einem Viertel der unbesetzten Stellen liegt das Problem bei der fehlenden Mobilität, weil Ausbildungsbetriebe und Bewerber in unterschiedlichen Regionen sind. Besonders davon betroffen seien Bayern und Sachsen.

Erfreulicherweise werden wieder mehr Ausbildungsplätze angeboten, doch zu viele davon bleiben unbesetzt“, monierte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Kleinere Betriebe bräuchten deshalb Unterstützung und in unbeliebteren Branchen müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Nicht zuletzt müssten die Kontakte zwischen Schulen und Betrieben intensiviert werden.

Überhang an Stellen im Süden und Osten

Die Studie ergab auch enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Im Süden und Osten der Republik gebe es einen „Überhang an Ausbildungsstellen“ – so kommen etwa im bayerischen Passau auf hundert Bewerber rechnerisch 129 offene Stellen.

Im Westen und Nordwesten Deutschlands gibt es mehr Azubis als Jobs. In Hagen in Nordrhein-Westfalen stünden für 100 Bewerber gerade einmal 80 Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Besonders schwierige Startbedingungen hätten Jugendliche mit Hauptschulabschluss, warnten die Autoren. Insgesamt begannen 2017 lediglich 37 Prozent von ihnen direkt nach Verlassen der Schule eine duale und weitere zehn Prozent eine schulische Ausbildung.

Bei Jugendlichen mit ausländischer Staatsbürgerschaft konnten nur 44 Prozent direkt eine Ausbildung beginnen – gegenüber 77 Prozent der deutschen Jugendlichen. (afp)

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