Alles dreht sich, alles bewegt sich

Von 19. Februar 2010 Aktualisiert: 19. Februar 2010 13:20
US-Markt erholt sich, in Europa läuft es weiterhin schlecht

Experten sind sich einig: Der Auto-Absatz in der Europäischen Union und Osteuropa dürfte im Jahr 2010 weiter abnehmen. Das liegt hauptsächlich daran, dass Deutschland seine Förderungen von Autokäufen aussetzt – die berühmte „Schrottprämie“ ist Geschichte.
Pricewaterhouse Coopers (PwC) vermutet, dass die europäischen Pkw-Verkaufszahlen im Jahr 2010 um rund eine Million Autos gegenüber dem Vorjahr abnehmen werden. Osteuropas Zahlen können nicht mehr stark  fallen. Es produzierte im Jahr 2009 rund 50 Prozent weniger Autos als 2008. Es wird erwartet, dass diese Zahlen nicht weiter stagnieren und es 2010 wieder aufwärts geht.

Die lange Zeit ins Hintertreffen geratene US-Automobilindustrie befindet sich derzeit im Wandel. Es geht in Richtung grünere Modelle, mehr Transparenz und Kundenorientierung.

„2010 verspricht große Cancen für die umkämpfte Region [Nordamerika]. Die dramatische Umstrukturierung der Industrie in jeder Stufe der Wertschöpfungskette  hat den größten Teil der überlebenden Unternehmen schlanker und beweglicher geformt“, bescheinigen die PwC-Experten  in einer Pressemitteilung.

Wenn man auf das Dilemma der US-Autoindustrie vor einem Jahr zurückblickt, so sind sich Industrie-Experten einig, dass diese Krise insgesamt gesehen für sie glimpflich ausgegangen ist. Wenngleich staatliche Interventionen nötig waren, scheint die Branche auf dem Weg der Besserung zu sein.

Chrysler und General Motors gingen im vergangenen Sommer in die staatlich geförderte Insolvenz, während Ford gewachsen ist und überraschend einen Jahresgewinn für 2009 veröffentlichen dürfte. „Der Automobilhersteller-Sektor wird allgemein einfach als viel zu wichtig angesehen, um ein Scheitern zuzulassen, vor allem nicht in Zeiten der Rezession“, sagte Calum MacRae, Auto-Experte bei PwC in dem Bericht. Moody’s geht in seinem Automotive Corporate Januar Review ebenfalls davon aus, dass das Schlimmste für die Automobilindustrie und die mit ihr verbundenen Zulieferern überstanden ist.

„Aber der Aufstieg hat erst begonnen, und der Weg ist noch weit“, so Moody’s . „In  weiteren drei bis sechs Monaten sollten wir eine bessere Vorstellung davon haben, ob die sich verbessernde Binnennachfrage auf dem US-Markt weiter anhält und ob die Betriebs-und Finanzkraft des Sektors für den steinigen Weg ausreicht.“

ZT: Prognosen zum Umsatz der Branche 2010

Die Autoindustrie habe wohl die Talsohle durchschritten und es gäbe Licht am Ende des Tunnels, prognostiziert Moody’s. Im Dezember vergangenen Jahres erhöhte sich der US-Autoabsatz um 15 Prozent auf 1,03 Millionen Fahrzeuge gegenüber dem gleichen Monat im Jahr 2008.

PwC setzte die Umsatzprognose für 2010 nach oben – in Nordamerika um zehn Prozent.

Weltweit dürfte sich der Umsatz ebenfalls erhöhen. Fahrzeug-Verkäufe in Südkorea sollen eine geringfügige Erhöhung von fünf Prozent erreichen, nachdem sie trotz der Steuervergünstigungen im Heimmarkt einen massiven Einbruch von 24 Prozent im vergangenen Jahr verzeichnet hatten.

Die Prognosen für Japans Autoindustrie sind immer noch unsicher, insbesondere nach den jüngsten Rückrufen von Toyota Motor Corp, dem weltweit größten Automobilhersteller. Indien gilt in Bezug auf die Autoverkäufe in Asien als ein aufsteigender Stern, vor allem durch die Binnennachfrage. Sowohl Produktion als auch Umsatz dürften sich um acht Prozent erhöhen.

Toyotas Rückrufe sind vielleicht nur die Spitze des Eisbergs, und andere Autohersteller könnten diesem Beispiel folgen, deutet ein Bericht des US-Wirtschaftsmagazins [email protected] an. Auf lange Sicht könne dies die Verkäufe anderer Automobilhersteller beeinflussen. Dem Text zufolge hätten viele Automobilhersteller die gleichen Lieferanten für ihre Autoteile haben. Zur gleichen Zeit würden viele gleiche Komponenten in verschiedene Modelle eingebaut. So könnte es einen Domino-Effekt geben.

„Werden die gleichen Teile in mehreren Modellen verwendet, wird jedes einzelne für sich getestet“, sagt Matthias Holweg, Leiter des Zentrums für Process Excellence und Innovation an der Universität von Cambridge in England, in dem KW-Bericht. „Aber wenn sie in einer breiten Palette von verschiedenen Fahrzeugen verwendet werden, können sie zu Ursachen von Qualitätsproblemen werden. Es ist ein zweischneidiges Schwert.“

VW profitiert von Toyotas Problemen

Weltweit versuchen die Autohersteller nun fieberhaft, Toyota nach den jüngsten Gaspedal- und Bremsen-Problemen des japanischen Autoriesen Marktanteile abzujagen. Volkswagen (VW) hofft auf den negativen Publicity-Effekt für Toyota – er könnte die Absatzzahlen bei den Wolfsburgern in die Höhe schnellen lassen. VW will bis zum Jahr 2018 zehn Millionen neuer Fahrzeige hergestellt haben und einen Return on Investment (ROI) von 16 Prozent erwirtschaften. Allein in diesem Jahr soll die Gewinnmarge des Autokonzerns bei fünf Prozent liegen – allerdings ohne die Porsche-Produktion, die erst im Jahr 2011 in der Konzernrechnung voll konsolidiert sein wird.

„Mit der Implementierung der „Strategie 2018″ strebt die Volkswagen-Gruppe weltweit sowohl die ökonomische als auch die ökologische Marktführerschaft in der Automobilindustrie ab dem Jahr 2018 an“, schreibt VW in einem Brief an die Aktionäre.

Bei Toyota herrscht hingegen Katzenjammer: Die Kosten der Rückrufaktionen dürften rund 1,1 Milliarden an Gewinn der Japaner auffressen.

Foto: Krafft Angerer/Getty Images
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